Farbmittel (Malmittel) versus echte Farbe

Newton hat die „Farben“ erklärt und das Problem genial vereinfacht.
„Weiß“ lässt sich mit dem Prisma in ein Farbspektrum aufspalten und
das Spektrum auch wieder zu Weiß vereinigen.
Weiß und Farben nehmen wir im Kopf wahr. Nur in unserer Wahrnehmung gibt es Farben. Im Topf oder in der Tube sind keine „Farben“, sondern „Malmittel“ oder „Farbmittel“.
Im Englischen besteht diese Unterscheidung zwischen „Color“ und „Paint“ und ist sehr hilfreich.

Das Malmittel ist nichts Zweitklassiges; es macht etwas Tolles:
Es verschluckt, absorbiert, subtrahiert  
bestimmte Anteile des Spektrum
und reflektiert andere.
Merken wir uns: Farbmittelmischung ist immer „subtraktiv“!

Dagegen beschreibt  man das Zusammenführen von echten Farben (nach Newton) als „additiv“.
Jeder weiß, dass es einen großen Unterschied gibt:
Additive Mischung der Spektralfarben macht weiß;
subtraktive dagegen braun/schwarz.

Additive Mischung führt  unvermeidlich zu der Frage: Wie sieht der Rest des Lichtes aus, wenn wir „etwas“ aus dem Spektrum herausnehmen? 
Wir dürfen erwarten, dass das auch umgekehrt gilt: Rausnehmen des „Restes“ ergibt wieder das ursprüngliche „Etwas“.
Das sind die Komplementärfarben; sie ergänzen sich zu Weiß.
Rot und Grün,
Orange und Blau,
Gelb und Violett.

Eine Unklarheit bleibt bei dem für sämtliche Malmittel typischen „Subtrahieren“. Es stimmt nicht ganz überein mit unserer Subtraktion von Farben und Bildern!!

- Die Sub. bei den diversen Malmitteln bedeutet,
(etwas oder alles) verschlucken;
aber natürlich nur das, was auch eingestrahlt wird;
Das Absorbieren geht bis Null, aber nie unter Null.

- Unsere Subtraktion von Bildern hat theoretisch Minuswerte; praktisch vermeiden wir sie durch (sinnvolle) Absprachen. Wir machen aus einem – ein + ; dadurch entsteht eine eigenwillige Kombination aus Subtraktion und Addition.
Man könnte es auch so ausdrücken:

Wir interessieren uns nur noch für den Betrag und vernachlässigen das Vorzeichen. 

Oder noch anders ausgedrückt: Wir vertauschen Minuend und Subtrahend.

 

 

subtraction of colour
Abbildung 5a
Dieses Diagramm veranschaulicht die Subtraktion von Farben.

Die Rechtecke in der obersten Zeile sind der Minuend.
Jede der 6 Farben geht kontinuierlich in „Weiß“ über (Gradient).
Was heißt „Übergehen in Weiß“: Es werden in jedem Kästchen vom linken zum rechten Rand zunehmend die übrigen Spektralfarben zugemischt, bis alle gleichmäßig vertreten sind = weiß.
(Weiß = Mischung sämtlicher Spektralfarben.)

Im senkrechten Balken ganz links ist der Subtrahend angeordnet und identisch zusammengesetzt.

Die 36 Quadrate sind die Ergebnisse.

Zur Interpretation beachten wir zuerst das 
(teilweise markiert mit „1“) rechte untere Eck sämtlicher 36 Quadrate:
Überall „Schwarz“.
In diesem Bereich wird Weiß von Weiß subtrahiert, es verbleibt nichts, also „Schwarz“. Am deutlichsten fällt das ins Auge im Bereich der Diagonale, von links oben nach rechts unteren.
Aber auch in sämtlichen anderen Kästchen finden wir rechts unten „Dunkelheit“.
Warum?
Auch dort wird Weiß von Weiß subtrahiert = Schwarz.

„2“ markiert den Bereich im linken oberen Eck einiger Quadrate, und zwar in denen der „Diagonale“.
Warum haben wir hier wieder „schwarz“?
Verschiedene Farben werden von der jeweils gleichen Farbe subtrahiert. Ergebnis = Null = Schwarz.

Betrachten wir die rechten oberen Ecken von Quadraten. Zuerst nur die oberste Ergebniszeile (markiert mit „3“).
Das Ergebnis ist gleichförmig: Ein cyaner Ton,
Warum besteht in sämtlichen Quadraten dieser Zeile im rechten oberen Eck ein gleichförmiges Ergebnis?

In allen Fällen wurde orange/rot von weiß subtrahiert.

Betrachten wir die linken unteren Ecken der Ergebniskästchen.
Zuerst mal in der Säule ganz links (markiert mit „4“).
Dieses Eck hat immer gleiche Ergebnisse. Warum?
Immer wurde von Orange/Rot von  „Weiß“ subtrahiert,
entsprechend bleibt immer das gleiche Ergebnis (ein cyaner Ton).

In diesen „4“er Ecken sind die Ergebnisse in den Senkrechten immer gleich. (In den „3“er Ecken waren die Waagrechen immer gleich).

Wir sind keine Fachleute für die exakte Mischung des Farbspektrums, und für die Darstellung hoch gereinigter Komponenten. Wir wollen nur drei Dinge demonstrieren:
- Weiß minus Weiß ist Schwarz (siehe „1“)

- Weiß minus Farbe macht einen Umschwung der Farbe     durch eine Mischung der verbliebenen Anteile des Spektrums. (im idealen Falle: Komplementärfarben!)

- Farbe minus Weiß macht ebenfalls ein total neues Ergebnis  (siehe alle rechten oberen Ecken „3“). Auch hier können wir im Idealfall mit  Komplementärfarben rechnen. Sie sind negativ; werden aber sichtbar gemacht. Das ist paradox aber pragmatisch.



Abbildung 5b.

Auch in diesem Schema der Subtraktion sind die 6 Farben sowohl im Minuend als auch im Subtrahend identisch. Es unterscheidet sich vom vorhergehenden nur in einem Punkt.

Jede Farbe hat einen Gradienten nicht nach weiß sondern nach Schwarz. Exakter ausgedrückt: IN 5a wurden jeder Farbe die anderen Komplementärfarben zugemischt bis zur Sättigung = Weiß.
In diesem Fall (5b) wird jede Farbe zunehmend bis Null reduziert = Schwarz.

Das Schema der Ergebnis-Quadrate ist analog zu 5a ; die vier Ecken der Quadrate sind auch identisch beschriftet:
Rechtes unteres Eck = Schwarz; Schwarz minus Schwarz bleibt Schwarz; sowohl in den Quadraten der Diagonalen (beschriftet mit großer Ziffer „1“), als auch in sämtlichen übrigen Quadraten; (beispielhaft sind einige mit kleiner „1“ beschriftet).

Farbe minus gleiche Farbe = Schwarz („2“).

Schwarz minus Farbe bleibt Farbe; identisch in gleichen Zeilen (am Beispiel „3“).

Farbe minus Schwarz bleibt Farbe; identisch in gleichen Säulen (am Beispiel „4“).

Die Diagonale als Symmetrieachse beweist, dass negative Werte positiv dargestellt werden.

Abb. 5c

Abb. 5c

Hier werden nur Farben von Farben subtrahiert. Weiß ist ausgelassen.

Sind jeweils gleiche Farben Minuend und Subtrahend, ist das Ergebnis „schwarz“: Siehe die schwarze Diagonale von links oben nach rechts unten.

Unsere Farben sind nicht rein. Farbe minus Farbe ergibt offenbar neuartige Ergebnisse, weil gemeinsame Anteile ausgelöscht und die verbliebenen Anteile  (gemischt) dargestellt werden. Auch die negativen (verbliebenen) Anteile des Subtrahenten gehen in die Farbgebung ein. Offenbar ein Nebeneinander von subtrativen und additiven Farbphänomenen. Wir beobachten diese Phänomene, sind aber nicht in der Lage eine vertiefte Quantifizierung durchzuführen.

Einige Beispiele sind markiert: Blau minus Magenta ergibt in unserem Beispiel ein rot-Ton. Zyan minus Blau einen grünlichen Ton. Grün minus Zyan ein Blau-Ton. Gelb minus grün in unserem Beispiel rot.

 

 

Abb. 5d
Minuend wie in 5a, aber ein Schwarz-Weiß-Gradient als Subtrahend.

Rechts unten, innerhalb sämtlicher  Ergebnis-Rechtecke („1“):
Weiß - Weiß = Schwarz.

Links oben („2“): Subtraktion von Schwarz erhält die jeweilige Farbe.

Rechts oben („3“): Subtraktion von Schwarz erhält in allen Fällen „Weiß“.

Links unten („4“): Subtraktion verschiedener Farben von Weiß erzeugt unterschiedliche neue Farben. Die  genaue Regeln werden nicht vertieft.

 

 

Abb. 5e
Minuend wie in 5b; Subtrahend wie 5d.

Erwartungsgemäß verändern sich im Vergleich zu 5d die linken Seiten der „Ergebnis-Säulen“ nicht.
Auf den rechten Seiten der Ergebnis-Säulen erfolgt eine Vertauschung von Schwarz und Weiß.