C.:

Klassische Regeln:
Summationseffekt, Silhouettenzeichen

3.1 Summationseffekt

Bild 3.1a: Bei dieser Abbildung wurden alle Parameter - kV, mA, Abstand, „Verstärkung filmseitig“ - konstant gehalten. Das Material ist „Apfel“;


 

Klicke für die Antwort zu Bild 3.1a

Was wurde variiert?

„Die Dicke des Objekts“ heißt die Antwort
Links oben: Ganzer Apfel;
rechts unten: Eine Scheibe aus dem Zentrum;
Rechts oben: (stielnahes) Drittel,
links unten: (mittleres) Drittel.

Warum hat die Apfelscheibe so viel Struktur?
Es ist ein Zwei-Komponenten-System aus Luft und „Fruchtfleisch“. Die Relation der beiden Komponenten variiert örtlich stark.

Die Abbildung 3.1a ist die klassische Darstellung des Summationseffektes. Auch das Silhouettenzeichen wird gut illustriert. Läuft die Grenze von Apfel und Luft in Richtung vom Strahlengang, gibt es eine scharfe Abbildung.

Die Begriffe Summationseffekt und Silhouettenzeichen werden auf dieser Internetseite in dem Beitrag Pleura I ausführlich erklärt und bebildert. www.wolfgang-g-h-schmitt.de/pleura-basics/

Röntgenstrahlen werden umso stärker geschwächt, je dicker und dichter ein Objektanteil ist.
Schwächung bedeutet weniger Filmschwärzung; also Helligkeit im Bild
(paradoxerweise sprechen wir im Röntgen bei etwas Hellem im Bild von einer „Verschattung“; unsere Nomenklatur kommt aus der alten Durchleuchtungstechnik).

Praktisches Beispiel für den Summationseffekt: ein Stapel mit 10 Münzen macht einen helleren Fleck als eine einzelne Münze.
Klassische Fehldiagnose: eine große Lungenmetastase ist „heller“ als eine kleine; daraus sollte man nicht diagnostizieren, die dickere sei verkalkt. - 

Bild 3.1b: Röntgen-Thorax. Was verschattet beide Lungenmittel- und -unterfelder? Fakt oder Artefakt?


 

Wenn Ihnen das letzte Bild Schwierigkeiten gemacht haben sollte, ist es jetzt viel einfacher. 

Klicke für die Antwort zu Bild 3.1b

Ein grober Fehler: Verschattung des Thorax durch beide Hände.
Warum sind die Fingerknochen so wenig erkennbar? Durch Bewegungsunschärfe und durch 100 kV; die relativ „harte“ Strahlung, die die Unterschiede in der Ordnungszahl (Kalzium) schlechter darstellt als Unterschiede in der Dichte.
Gibt es weitere Qualitätsmängel?
 

Bild 3.1c: 46 jähriger Mann; mäßiger Husten und Temperaturanstieg auf


 

Die „helle“ Lunge ist ein traditioneller Begriff und besagt: Eine – hier die linke - Lungenhälfte ist zu schwarz.

Besteht eine Überblähung der linken Lunge durch einen Fremdkörper? Oder könnte eine Pneumonie rechts vorliegen?

Der Blick auf den Patienten hilft zur diagnostischen Klarheit.
 

Klicke für die Antwort zu Bild 3.1c

Im rechten Unterfeld sind die Gefäße im Vergleich zur Gegenseite etwas betont; allerdings findet sich kein Aerobronchogramm, wie es bei der Pneumonie oft typisch ist. Das Bild ist wie folgt zu deuten:
Diese rechte Lunge ist durch einen breiten Weichteil-Mantel (einen kräftigen Musculus Pectoralis) überlagert = Summationseffekt.

Auf der linken Seite dagegen besteht ein verdünnter Weitchteil-Mantel durch eine Aplasie des Musculus pectoralis
= (zusammen mit weiteren Zeichen = Kurzfingrigkeit = Brachydaktilie an einer der Hände) Poland-Syndrom. Es wurde von einen englischen Chriurgen im 19. Jahrhundert beschrieben. Die Brustwarze soll meistens ebenso wie der große Brustmuskel fehlen. Also hier stimmt unser Fall nicht ganz mit der Original-Beschreibung. Beschwerden hatte unser Patient garkeine. Jedenfalls keine, die vom Poland-Syndrom kommen. Er hat die kleinen Einschränkungen im Alltag sehr gut kompensiert. Die größte Gefahr ist, ein Röntgenbild des Thorax falsch zu interpretieren. Das passiert nicht, wenn man den Patienten anschaut und mit ihm spricht.

Typischer negativer Summationseffekt: Durch die geringere Weichteilüberlagerung erscheint diese linke Lunge schwärzer. Ähnliche Befunde gibt es auch bei Paresen oder bei Amputation des Armes. Dann kann die entsprechende Lungenseite transparenter als die Gegenseite dargestellt sein.

Läge tatsächlich eine einseitig „helle Lunge“ links vor, wäre das ein alarmierender Hinweis z.B. auf einen bronchialen Fremdkörper.

Lage von Herz und Mediastinum sind ein Argument für eine ganz normal belüftete linke Lunge. Dieses Argument hätte aber für sich alleine keine Beweiskraft. –
 

Bild 3.1d: 2x Röntgen Schädel seitlich. „A“ ist ein 34-jähriger Mann, der wegen sehr heftiger Schmerzen in Kopf und Rachen verschiedene Ärzte aufgesucht hat. Diese konventionelle Röntgenuntersuchung hätte ausgereicht, zumindest einen wichtigen Teilbefund zu erheben.


 

Bild B ist ein Normalbefund und soll die Antwort erleichtern.
Zuerst die allgemeine Frage: Warum ist der seitliche Schädel A nicht gut eingestellt?

Welcher Befund in A ist pathologisch?
 

Klicke für die Antwort zu Bild 3.1d

Nicht optimal eingestellt: Die Kieferköpfchen und die äußeren Gehörgänge sind nicht übereinander projiziert.
Totalverschattung der Sinus sphenoidales (und Verdacht auf eine weichteildichte Raumforderung im dorsalen Nasopharynx).
Ersatz von Luft durch „Weichteil“: Also klassischer Summationseffekt.

Erst die Histologie wies nach, was den lufthaltigen Raum eingenommen hatte: Morbus Hodgkin der Keilbeinhöhlen.