Bild 1.4: 38-jähriger Patient; alkoholisiert; wenig kooperativ.


 

Welche einfache Frage und welche einfache Untersuchung ist speziell bei dieser Vorgeschichte hilfreich? 

Die Indikation für native Schädel-Röntgenaufnahmen ist sehr streng zu stellen. Bei dieser Fragestellung ergibt sich evtl.  eine der seltenen Ausnahmen von der Regel.

Knochendiagnostik ist eine Frage der Silhouetten und der Unterbrechung von Konturen. Passen zwei physiologisch verschwisterte Knochenstrukturen nicht zusammen? (www.wolfgang-g-h-schmitt.de/weiterbildung-radiologie/fracture-healing/)?

Klick für die Antwort zu Bild 1.4.

Hier passen die Zahnreihen des Ober- und des Unterkiefers nicht zusammen. Warum? Eine der wichtigsten Möglichkeiten ist die:


Kollum-Fraktur der Mandibula,
Subluxation des Kieferköpfchens.

Diese Aufnahme (Clementschitsch) ist oft ergiebiger als ein nicht-optimaler „Schüller“ oder schlechter „hängender Kiefer“. Merke: 2 x Tsch!

Der Fall ist lehrreich auch für andere Verletzungen, ja sogar für die „Luxationen“. -

Billd 1.5: Der 53-jährige Patient ist 7 m in die Tiefe gestürzt und hat eine Wirbelfraktur erlitten.


 

Am 5. Tag des stationären Aufenthalts klagt der Patient über zusätzliche Schmerzen in der linken Ferse. 
Rö.: Ausschnitt aus einem „Sprunggelenk mit Fersenbein“ seitlich. Einblendung dorsalseitig könnte besser sein. - Über die Indikation zu dieser konventionellen Untersuchung ist zu diskutieren. Ich würde sie verteidigen.

Zeigen Sie bitte die Gelenkflächen des Chopart´schen Gelenkes. Verhalten sich die Silhouetten der Köpfe und Pfannen harmonisch?
Wie steht es (aber) mit der Gelenksilhouette der hinteren talaren Gelenkfläche? 

Klick für die Antwort zu Bild 1.5.

Joint-Depression-Fracture des Calcaneus.
Auf der „hinteren talaren Gelenkfläche“ lastet das ganze Körpergewicht; Der Unfallmechanismus passt zu diesem Fraktur-Typus.
 

Bild 1.5b:Die Computertomographie demonstriert die lateralseitige Abmeißelung.


 

Im Röntgen (1.05) resultierte aus der partielle Absenkung der Gelenkfläche die Darstellung als Doppelkontur.  

Bild 1.6. 84-jährige Patientin. Sturz auf der Kellertreppe.


 

Qualität: häufig festzustellende Überexposition der dünneren, kalottennahen - und Unterexposition zentraler Schädelpartien. -
Zu niedrige kV? Schädelfilter sinnvoll?

Wie kommen diese Strukturen im Neurocranium zustande, die an Gyri und Sulci erinnern? 

Klick für die Antwort zu Bild 1.6.

Pneumencephalon. Traumatische (bisher nicht lokalisierte) Liquorfistel: Austausch von Liquor durch Luft. Kompressionseffekt auf das Cerebrum mit „Atrophie“. Luft auch interhemisphärisch und in Vorderhörnern der Seitenventrikel (Rückenlage).

Die Liquorfistel wurde nicht gefunden, verschloss sich erfreulicherweise spontan. Keine Infektion. Spontane Resorption. Keine neurologischen oder hirnorganischen Folgeschäden. - Nächster Erkrankungsfall. 

Bild 1.7. 53-jähriger Patient. Beim Radfahren ist er mit der Schulter an einen Laternenmast gerannt. Rö. re. Schulter a.p und „Y-Aufnahme“.


 

Linkes Bild 1.7:
Rö. re. Schulter a.p. (Die gesunde Seite wird etwas angehoben, um einen besseren Einblick in den Gelenkspart zu ermöglichen(?).)

Rechtes Bild 1.7:
Da die ideale „zweite Ebene“ (Schulter axial) nicht möglich war, wurde eine „Y-Aufnahme“ (= „Scapula tangential“) angefertigt; Welche Strukturen repräsentieren die Balken des Y? Corpus, Akromion und Coracoid.

im Schnittpunkt des Y liegt die Pfanne; li. im rechten Bild = dorsal; re. = ventral.  

Klick für die Antwort zu Bild 1.7.

Hintere Luxation im Schultergelenk.
Diese ist seltener als die vordere und eine häufige Quelle von Fehldiagnosen.  

Bild 1.07b Abbildung links: Schulter a.p. zum Unfallzeitpunkt, rechts nach Reposition.


 

Bild 1.07c  Die "tangentiale Scapula" zum Unfallzeitpunkt (links)
Bild 1.07c Die "tangentiale Scapula" zum Unfallzeitpunkt (links) und nach erfolgreicher Reposition (rechts).


 

Diese Aufnahmetechnik, auch Y-Aufnahme genannt, bringt eine ausreichende zweite Ebene des Gelenks.
 
Durch die 2. Ebene müssen wir umdenken.
In beiden Bildern: links = dorsal;
rechts = ventral (siehe rote Markierung).

Fazit: Der Humeruskopf ist gegenüber der Pfanne (Schnittpunkt des Y) nach dorsal verschoben.
Nach Reposition (rechtes Bild) wieder physiologische Stellung.