Wir begrüßen die Westküste südlich Milfontes
Faszination Meer
Momente der Bewegung
Ruhe und Unruhe

Der Plan für die Weiterfahrt war: möglichst küstennahe nach Süden.

Zum ersten Mal in Portugal begegnet mir eine Pferdekutsche. Das Dörfchen Longueira kann man vergessen. Das schon genannte Almograve ist dagegen bemerkenswert, durch seine tolle Aussicht auf das Meer; es hat  einen Strand mit riesigem Aussichtsplatz  (und auch nicht unwichtig einen großdimensioniertem Parkplatz). Abstieg  zum Meer über viele Treppchen. Zur Zeit sind lediglich Angler auf diesen geologisch interessanten Wegen unterwegs. Wellige, äußerst bunte Schichten von vulkanischem Gestein säumen die Pfade.

Schrecken udn Beruhigung
Das Meer formt das Land
Könnte es sein, dass es sich hier um das endlich wieder gefundene versteinerte Buch Mormon handelt?
Immer wieder prallen Meer und Land zusammen

Jetzt muss ich mich entscheiden: es gäbe es eine Alternative zu dem beliebten Ort Zambujeira oder zuerst zu dem Cabo Sardao. Ich treffe durch Zufall die richtige Wahl und steuere meinen schweren "Brabham" zuerst zum Cabo. Dort faszinieren mich Blumenbeete, die im Sonnenlicht eine ungewöhnliche Leuchtkraft entwickeln ; es wird heiß, aber nur an windstillen Plätzen und in der prallen Sonne. Das ist eine ganz neue Erfahrung auf meiner April-Tour. Im Fahrtwind ist es bei 17 bis 18 °C eher frisch.

Zambujeira, am Fischereihafen abendliche Stimmung
Kontraste, Schaum und Fels
Nur zu Fuß kann man am Meer entlang nach Süden gelangen
Schönheit der Dünenlandschaft, Zambujeira

Zambujeira: weiß und blitz-sauber; es wirkt zuerst etwas langweilig mit seinen  geschleckten Häusern und rechtwinkligen Straßen. Der zweite Eindruck ist schon viel besser; es ist überraschenderweise der Campingplatz, der als etwas Besonderes auffällt. Er ist ästhetisch eine Freude. Nicht allein farblich ist er gekonnt angelegt. Apartments in  kleinen Häusern mit allem, was man brauchen könnte: Feuerlöscher, Grillzubehör, Tisch, Stühle, Putzzeug, Geschirr, Mikro, Mixer, Toaster, Heizöfchen, Decken im Überfluss, allerhand Wischtücher, Ledersofa in zum Haus passender Farbe,  Bidet, Spiegel, der den Raum  geschickt vergrößert, Abzug über den Herdplatten. Die eigene Terrasse ist mit einem Türchen für und gegen Hunde abgeschirmt. Die Matratze ließe sich verbessern. 

Nachdem ich vier Tage sehr gut geschlafen habe, hat mich der Sandmann heute in diesem schönen Ambiente nicht besucht. War der Mittagschlaf im neuen bequemen Bett zu lang und zu tief? 

Studien zum Kontrast
...im Gegenlicht
Strand von Monte Clérigo, Höhe Aljezur
Aljezur die maurische Burg

Versuchsweise mache ich einige Ausflüge Richtung Süden. Ich will den Weg finden, meinen Traumweg, der parallel zum Meer gebaut ist. Zu meiner Enttäuschung gibt es diesen nicht. Man wird zur Hauptstraße N 120 zurückgeleitet. Wahlweise führen die Wege zurück nach Odemira im Nordosten oder nach Aljezur im Südosten.

Andererseits ist das Gelände südlich von Z. ein sehr schöner waldiger Park; einziger Nachteil, er ist Brand-gefährdet. (Vier Monate später sollten sich diese Bedenken leider bewahrheiten). In der Gegend gibt es zahlreiche Gewächshaus-Zelte. Sie werden von rumänischen Arbeiterinnen beackert und versorgt. Diese Frauen machen den Eindruck, als ob sie einigermaßen gut behandelt werden und sich einigermaßen wohl fühlen. (Wegen der Vorkommnisse in Sizilien ist man etwas hellhörig geworden). 

Aljezur Prinz Heinrich ist überall präsent, der große Seefahrer, der wahrscheinlich nur einmal und nie wieder ein Schiff bestieg
Späte und frühe Phasen
Akustisches und optisches Schauspiel

Eine der positiven Seiten von Z. sind diese schönen Wanderwege. Die Wanderung nach Süden habe ich in mehreren Varianten wiederholt und schöne Fotos gemacht. Das bringt mich zum dritten sehr positiven Eindruck von Z. Dieser war überwältigend; das Meer zu allen Tageszeiten insbesondere in der Abendsonne. - Wo es so schön ist, ist natürlich vieles „privat“. Man wird dumm angequatscht, wenn man unwissend über das eine oder andere Grundstück läuft, wo eingerammt Pflöcke zeigen, dass eine Bauplanung geplant ist. Ich kenne eine solche Situation aus Darmstadt sehr gut und habe eine gewisse Erfahrung sie zu lösen: Auf Anmotzen ruhig antworten „Ich muss mich sehr entschuldigen, dass ich mich bei Ihnen noch gar nicht vorgestellt habe.“

Nachdem man mit dem Auto nicht nach Süden kommt, entdecke ich weitere Wanderwege nahe der Küstenlinie. Anschließend gab es in der eigener Küche gekochten Speck, Ei und Bohnen. Zu diesem etwas gehaltvollen Mahl vitaminreiche Beikost: Bananen, Äpfel und Datteln: alles in allem ist das günstig. Ich bin weiterhin  mit meiner Literatur beschäftigt. Ein Vogel meint, er müsse mir eine Inspiration zutragen, und kommt  durch die Entlüftung des Herdes direkt auf meinen Schreibtisch geflogen. Übrigens war ich gestern in einem Gasthaus am Fischereihafen (etwas nördlich vom Städtchen, ein Naturhafen der viel Erfahrung bei der Einfahrt braucht, sonst geht es schief): für 10 Euro gibt es gemischten Fisch vom Grill und Salat und eine kleine Flasche Wein. Dazu das wilde Meer im Abendlicht. Es wird noch rel. früh dunkel.

Nachdem ich mich hier so häuslich eingerichtet habe, dauert der Aufbruch etwas länger. Als Ziel ist geplant: Aljezur. Von dort Monte Clerigo.

Die Landschaft ist ohne Zweifel traumschön. Odexeiche hat eine besonders malerische Windmühle; es liegt am östlichen Gebirgszug  der Sierra Serrata. Nicht getestet habe ich die Abfahrt nach Amoureira. Es wird gelobt wegen seines Strandes und der beideni ansprechenden Campingplätze.

In Aljezur springt die Burg aus dem Jahre 1000 zuerst ins Auge. Die Burg wurde 1249 zurückerobert. Alle diese Rückeroberungen waren die „Letzten“ und alle fanden auf einem Marienfeiertag. Aufstieg und ausgiebige Besichtigung. Es fallen die Zisterne und „Gaden“ auf, die an die fränkischen Wehrdörfer erinnern.Der Weg zur Burg führt durch schattige gewundene Gässchen, sie schmiegen sich an den Hang. Für das kleine Örtchen, manche würden despektierlich "Kaff" sagen, gibt es viele (nämlich vier) Museen. Bei den vielen „Langhaardackeln“  im Stadtbild handelt es sich um deutsche Aussteiger.  Sie erfülle einen Neuankömmling nicht unbedingt mit Stolz auf seine Landsleute. Sie scheinen zu leiden unter der Wasserarmut  hauptsächlich Waschwasser betreffend.

Nach Lagos sind es nur 28 km, nach Faro 90. Zum ersten Mal ist es richtig heiß und Mensch und Tier hat ein Bedürfnis, Schatten zu suchen.

Die Abfahrt nach Clerico könnte man leicht verpassen. Wenn man vielleicht 200 Höhenmeter bis zum Meer abgestiegen ist, führt die Straße durch eine Furt. Einfacher gesagt: ein Bach fließt über die Straße. Es gelingen einige Fotos von Menschen vor den Wellen z.B. ein Paar mit Kind vor der monumentalen felsigen Kulisse. Die Ausfahrt geht durch die Dünen; zunächst sind die Wege improvisiert, aber die nächste Ansiedelung hat einen richtigen Kreisverkehr allerdings mit selbergemalten Wegweisern. Man ist schon irgendwie im Dunstkreis von Arifana; dieses hat einen mondänen Klang. Es zeigen sich Nobelvillen in größerer Zahl und eine Reihe dreistöckiger Blocks. Das eigentliche echte Arifana  liegt meernahe. Dort hat maneinen "grandiosen" Ausblick von der Höhe über das Meer; ein Rundholzgeländer schützt vor dem "Runterfallen".

Über Vales kommt man zurück auf die N122, da nehme ich nicht den westlichen Ausläufer nach Lagos, sondern die kleinere östlichen N268. Es ist eine sehr schöne Strecke mit einigen ausgefallenen Fotomotiven (verrostete Pumpstation, Windmühlenruine), viele Radler frequentierten diese offenbar als Radstrecke etablierte Straße.

Abfahrt nach Carrapateira-Strand. Nicht leicht zu finden, riesige Sandfläche. Auch das gibt es an dieser vorwiegend durch mächtige Felsen geprägten Küste. Ein hochinteressanter Flecken. Hier kann man ausnahmsweise auch mit dem Autorecht gut nach Süden parallel zum Meer  fahren: ein Dünenweg und faszinierende Ein- und Durchblicke zur wild tosenden Brandung. Schöne Meerfotos vom Holzsteg und von einer Aussichtsplattform. Solche wilden Wellen habe ich nur auf Postkarten aus der Bretagne gesehen. Die Wellen entwickeln eine regelrechte Corona aus Wasserstaub, bevor sie mit Getöse umschlagen und ausrollen.

Zwischendurch habe ich auf engen Pfaden in den mit einer ganz genügsamen und spärlichen Vegetation bewachsenen Dünen eine  Wanderung gemacht. Bin prompt gestolpert, habe mir das Knie leicht blutig geschlagen, sowie einige Stacheln in die linke Hand gestoßen.

Entschluss wieder ins Landesinnere zu fahren. Ich war froh, nach kurzem Stück ein richtiges Dorf, Carrapateira (das vorher war Praia da C.) zu erreichen, dazu noch eines mit einer richtigen Windmühle. Dort gab es auch einen Kaffee, gereicht von einer netteren Asiatin, leutselige Mitreisende. Landschaft wunderschön, da kann die Algarve kaum mithalten. Aber jetzt ist schon ein ganz schönes Stück der Westküste abgehakt und das berühmte Cap im Südwesten ist nicht mehr weit. Genauer gesagt gäbe es schon noch fünf Strände, die mit dem Auto zu erreichen wären. Ich könnte mir vorstellen je kleiner und je schwieriger solch ein Platz zu erreichen ist, desto interessanter. Es gibt  auch Strände, die für den Autoverkehr nicht erschlossen sind; dorthin muss man wandern, Zelt und Proviant mitschleppen oder vom Meer herankommen. Das braucht bei der oft heftigen Brandung eine gute Ausrüstung und Erfahrung.

Ich glaube es war der Carrapateira-Strand
und nicht Monte Clerico
Natur macht Kunst und ist Kunst, wir Künstler müssen es kleinlaut zugestehen