ALt.Label
Hinflug rel. weit östlich: Alpengipfel im Dunst
Das Band oberhalb der Mitte: Pyrenäen

Tag 1

Das war eine Fahrt mit Hindernissen noch bevor es losging.

Schon vor drei Jahren hatte ich einen Flug nach Portugal gebucht, dann hat mich ein Problem umgeworfen.

Vor zwei Jahren habe ich es bis Lissabon geschafft, mich aber nach vier Tagen beklauen lassen. Es war eigene Dummheit, im Welt-Zentrum  für Taschendiebstahl das Portmonaie in der Hosentasche stecken zu lassen. - Anschließend hatte ich keine Lust mehr (und auch keinen Führerschein)  und bin nach Hause gefahren.

Im letzten Jahr fehlte mir der Mut. Aber immerhin war ich hartnäckig für dieses Jahr das  Datum „April“ erneut anzupeilen. - Prompt stellte sich am Tag vor der Abfahrt heftiger Husten ein. Also eine Fahrt mit vorausgehenden Aufregungen. Erfreulich, dass es noch so schön werden sollte.

Fluss Guadiana, Mündung,Grenze nach Spanien
Faszination Wolken, Meer und der Fels Portugal

M hat mich in den Zug gesetzt und gewinkt. Auf sprachliche und geographische Dinge war ich gar nicht schlecht vorbereitet. Die Gepäckregelung bei der „Fluglinie mit der Harfe“ entzieht sich dem gesunden Verstand. - Worms - lächerlich klein - ließ ich im trüben Dunst unter mir liegen; es berührt mich. Ich konnte nicht ahnen, dass sich meine Verbindungen bald sehr stark lockern und vielleicht ganz auflösen würden. 

Ich hatte die gehobene Klasse; da wird der Koffer zum Flugzeug gebracht, so altmodisch wie seit Menschengedenken. Der Pilot will mir nichts erkären; war das die Rhône-Mündung? Sind das die die Pyrenäen? Endlich gibt es wieder einen bekannten geographischen Punkt, den Fluss Guadiana und das Städtchen Tavira.

Zielflughafen war Faro, das moderne wirtschaftliche und touristische Zentrum der Algarve. Rechtskurve über dem Meer, eindrucksvolle Silhouette am Horizont, die ich als Afrika deute. -  Frau P.s Kennkarte gefunden und der Besitzerin einen Schrecken erspart. Busfahrt zum Stadtzentrum von Faro, eine kleine Weltreise mit Umwegen über den Vorort „Montenegro“.

Entscheidender Eindruck am ersten Tag: die Faszination des Lichtes. So hat sich Cezanne gefühlt, als er zum ertsen Mal in die Provence kam.

Grünes Leuchten und Ausbildung der Corona
Welle zerfliesst in Schaum
Felsen bei Lagos

An die Nachbarkneipe gewöhnt man sich. Die späten Gäste in der Nachbarkneipe fühlen sich als die Stars auf einer großen Bühne und wollen auch in der 77. Reihe noch gut gehört werden. Inhaltlich geht es um bekannte Dinge, wie z.B. „du so, ich so und der dann so, er aber unverbesserlich wieder so ………………Der Spannungsbogen dieser Geschichte sinkt ab, nicht aber die Lautstärke. Der Vorteil: diese Geschichten sind auch mit ganz geringen Portugiesisch Kenntnissen gut verständlich. 

Die Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft ist St. Petrus; der Apostelfürst hat viele Störche eingeladen, ihre Nester auf seinem Dach zu bauen. Selbst in dieser eher kleinen Kirche viel schlichtes Gold und die schönen blauen Kacheln, wie in Omas Küche.

Einige Schritte weiter eine gewaltige Barockkirche: Carmo. Es ist ein Gotteshaus mit traumhafter Pracht. Auf die Frage, ob ich Reisender sei, habe ich diese „Unterstellung“ empört von mir gewiesen, nicht ohne später dankbar einen Obulus einzuwerfen. - Besonderheit sind die dem Gedächtnis der toten Klosterbrüder geweihten Kapellen: die Wände und Decken, Altäre sind mit deren Knochen hochgemauert. Beliebt sind in diesem Puzzle die Oberschenkelknochen, die Schienbeine, sowie die Schädel. Die Schädel sind vom Zahn der Zeit demoliert; ist doch der Schädel eine in leichter Bauweise geplante, sparsame Konstruktion. Die Schienbeine sind weit stabiler, aber sie sind seitlich  aufgereiht, so dass sie in dieser Projektion keine Last tragen können. Maurer sind keine Unfallchirurgen und umgekehrt; was die Einen von der Statik verstehen, bleibt den Anderen fremd.

In der Stadt Faro gibt es ein Nebeneinander von teilweise pfiffig entworfenen Hochhäusern, einer gut restaurierten durchaus schönen Altstadt und schließlich leider einzelne verfallene Objekte. Verschiedenes ist  unter 35.T € verkäuflich.

Die Burganlage wird von meinem Fremdenführer „Müller“ völlig unterbewertet. Ich will das Buch nicht schlecht machen, es hat mir gute Dienste geleistet. Es leidet an seinem einzelnen Autor. Müllerhat keine Partner, die seine Fehler raus macht. - Der amerikanische „Lonely Planet“ ist nach wie vor unschlagbar gut.

Prächtige Kirche und Kloster Carmo in Lagos
Kircheninneres mit typischer Pracht

Zurück zur Burg:

Mächtige und prächtige maurische Stadtmauer.

Zwei als Postkartenmotive geeignete Tore,

die Kathedrale Se (das bedeutet Sitz des Bischofs). Interessant ist die Besteigung des beim großen, uralten Turmes seine Glocken und natürlich die Aussicht von oben über die Stadt und die flache Lagune. - In Portugal ist ein Naturereignis sehr wichtig und tragisch, das Erdbeben 1755. Dieser Turm der Kathedrale Se konnte der Katastrophe trotzen. Anschließend eindrucksvoller Kreuzgang und Michaeliskapelle. – 

Zeit für eine Mahlzeit und gleich ein Fehler, den man nur einmal macht: Spaghetti Carbonara, Da hat Salazar nichts von seinem „Bruder im Geiste“ Mussolini gelernt. Die Nudeln waren anscheinend unter warmes Wasser gehalten; so wollte man dem modernen Trend “al dente“ nachkommen, hat aber das Klassenziel verfehlt.

Am Abend fast den gesamten Beitrag für den E. Pressedienst geschrieben, ein Zeichen, dass der Reisende wieder richtig munter ist.