Warschau/Warszawa hat 1,6 Millionen Einwohner. Unter den großen Verwüstungen in seiner Geschichte war die des letzten Krieges das gewaltigste. 1943 erfolgte etwas aussichtsloses, der Aufstand in dem völlig überfüllten Ghetto, 1944 der Warschauer Aufstand, die Stadt war nach dessen Niederschlagung zu 80% zerstört und fast menschenleer. Die Aufbauleistung ist gigantisch auch von der Baukunst, dem Geschick bei der Restaurierung und dem Umfang der Arbeiten. Der Marktplatz ist nach Stadtansichten von Canaletto wieder aufgebaut.

 

Der Kulturpalast, Residuen des Stalinismus ist früher viel mehr als heute ins Auge gefallen. Er wurde 1952 bis 1955 errichtet. Machen wir von dort eine kleine Runde nach Norden zunächst westlich der Altstadt:

 

Die Synagoge liegt nördlich vom „Kulturpalst“, in dieser Gegend gibt es ein reges jüdisches Leben und Orte der Erinnerung auch außerhalb des Ghettos; ebenso gibt es in diesem Umkreis die Protestantische Kirche.

Von dort geht’s durch den großen Sächsischen Garten zum Grab des Unbekannten Soldaten im Bereich des ehemaligen Schosses.

Noch ein bisschen nördlich davon das große Theater (Wielki); klassizistisch gebaut im ersten Drittel 19.Jahrhundert.

Noch weiter nördlich, an der gesamten Altstadt vorbei, das Denkmal des Warschauer Aufstands, ganz in der Nähe des Krasiński-Palais. Von dort, wenn man sich etwas östlich oder „rechts“ hält, kommt man in die Neustadt (nowe miasto), wo wir mehrere ganz interessante Kirchen gesehen haben und auch das Museum für Madame M.Curie, sowie ihr Denkmal.

 

 

 

 

Von dort biegen wir in südlicher Richtung in die Altstadt über die Barbakane. Diese Festungsarchitektur stammt von den Arabern. Ähnlich Bollwerke gibt es in Carcassonne und Avignon. In der Altstadt ist der Markt das Zentrum. Bei meinem ersten Besuch war ich völlig sprachlos. Jetzt kennt man dieses Weltkulturerbe und auch die polnische Restaurationskunst, die sich in ganz Europa einen Namen gemacht hat. Die Johanniskathedrale etwas südlich davon, weiter führt der Weg zu einem „regelrechten“ Dom. Man könnte ihn im Stadtbild übersehen, weil er keine markanten Türme hat. Eindrucksvoll ist der Innenraum. Unter dem Sterngewölbe religiöse Kunstwerke und auch zahlreiche Fahnen, offenbar Erinnerungen an kirchliche und weltliche Herrscher. Auch der geschätzte polnische Kardinal Wyszyński ist dort begraben.

 

 

Weiter nach Süden geht es zum Königsschloss und zur Sigismund-Säule. Ein Sigismund der III. war ein großer Gegenreformator; für uns Würzburger ergibt sich eine Zeitvorstellung durch die Parallele zu Julius Echter, der 1576 sein Spital und um diese Zeit auch die Universität gegründet hat.

Wir waren auf einem Spaziergang in den benachbarten königlichen Garten an der Weichselböschung (pln. Wisła)  und sind dort in einem Café eingekehrt.

Nicht auslassen sollte man das National-Museum Narodowe w Warszawie. Es hat Teile im Königsschloss und im Palast von Wilanów.

 

Dann geht es weiter auf dem „Königsweg“, einem Prachtboulevard gesäumt von: weiteren Palästen, der Universität, dem Kopernikus-Denkmal. Sehr viel weiter im Süden liegt das von uns besuchte Kunst-Museum, wo wir diesmal hauptsächlich fotografische Ausstellungen angetroffen haben.

Zum Lazienki-Park muss man mit dem Bus, zu Füßen des Chopin-Denkmals wird oft und zur Freude internationaler Besucher seine Musik gespielt.

Der Kultur-Schatz zählt noch weitere berühmte Schlösser:

So Wilanow (das polnische Versailles), ehemalige Sommerresidenz von König Jan III. Sobieski, dem Sieger über die Türken bei Wien 1683 in der Schlacht am Kahlenberg. Die Rettung Europas durch maßgebliche polnische Hilfe ist eine starke Stütze für den polnischen Nationalstolz.

Der Erwerb einer Fahrkarte in Warschau war für uns etwas mühselig bis unerfreulich; Ursache war unsere völlige Unkenntnis der Sprache. Jetzt viel später steht ein Besuch in einem anderen europäischen Land an; da haben wir uns vorgenommen, die Sprache in den Grundzügen zu lernen. Hoffentlich klappt das auch noch mal in Polen.

 

Die Reise nach Warschau war für uns etwas Besonderes, weil wir ursprünglich einen alten Freund aufsuchen wollten. Dieser ist leider verstorben; wir wurden aber der Sohn und die Schwiegertochter am mitgenommen zu betagten Ehefrau unseres Freundes und wir haben sogar seinen Bruder und dessen Familie kennenlernen dürfen. Dabei gab es vieles interessantes zu hören. Ich habe auch einen wissenschaftlichen Text mitnehmen dürfen und diesen zu übersetzen versprochen, was leider noch nicht erfolgt ist, weil ich nicht die geeigneten Helfer finde. Das ist bedauerlich denn er das Thema verliert etwas an Aktualität, wird diese aber nie ganz einbüßen.