Prag

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen polnischen Städten war uns Prag, die Hauptstadt der tschechischen Republik, besser bekannt. Wenn man etwas übertreibt, könnte man sagen: man fühlt sich hier gleich zu Hause.

Unser Quartier im Osten der Stadt war etwas schwieriger zu finden, aber Dank der einleuchtenden Tram- und Metropläne und der freundlichen Tatsache, dass die Senioren nichts zahlen, war alles einfach zu machen. Die Stadtviertel können wir uns natürlich nicht merken; aber einige wenige prägen sich im Laufe des Tages ein:  Altstadt (Staré Město),  Neustadt (Nové Město),   Hradschin  (Hradčany), Josefstadt (Josefov), wir haben etwas mehr den Westen vom Bahnhof gewohnt. Wir haben uns von den vielen Akzenten nicht schrecken lassen: Střížkov (Strischkau) es gehört zum achten Bezirk.

 

Auch mit der Straßenbahn zum Hradschin zu fahren war einfach. Gibt es leider eine Regel: dass sich sämtliche Touristen der Welt in dieser Straßenbahnlinie versammeln, gibt es eine ebenso internationale Banden-Kriminalität. Zwei halten den Fortgang auf zwei Training hinten nach und bevormunden dabei seinen Rucksack. Auf ein geheimes Signal sind alle ausgestiegen und verschwunden.

Unser besonderes Ziel war unter den sechs Nationalgalerien in Prag, die vielleicht interessanteste, Veletrzni Palac. Ein Museum der modernen Kunst insbesondere die Zeit des Jugendstils mit Mucha und František Kupka. Mit etwas Planung gelingt es leicht diesen Ort im Norden auf der anderen Seite der Moldau mit der Straßenbahn zu erreichen. In einem modernen Bau sind in vier Stockwerken eine große Zahl von großartigen Kunstwerken.

Das Stadtzentrum ist für den allerersten Gang etwas groß. Sicher kommt man gut zur Teyn-Kirche, zum Jan-Hus-Denkmal und zum Uhrturm. Von dort aus ist es auch einfach zur Karlsbrücke zu gelangen, gerade in der Nacht ein höchst eindrucksvolles Schauspiel. Ich habe mich in der allerersten Stunde schwergetan, der Weg von dort in südöstlicher Richtung zum Wenzelsplatz zu finden. Das er wird am zweiten Tag bedeutend leichter einen dritten Tag hatten wir leider nicht zur Verfügung.

Nicht weit ist auch das Parlament und ein wichtiges Museum ebenfalls am Wenzelsplatz in unmittelbarer Nähe zum Parlament.

 

Überall werden Ausflüge angeboten: nach Kutná Hora in die prachtvolle gotische Hallenkirche, die Barbara-Kathedrale; dort kann man auch die Silberbergwerke besuchen und Museen zur Stadtgeschichte und zur Geschichte der Silberproduktion.

Nicht weit vom Wenzelsplatz waren wir in einem eigenen Mucha-Museum und in dem interessanten Lokal wo die gesamte Dekoration mithilfe von Stäben ausgeführt ist; auch seine Mahlzeit stellt man sich mit Stäbchen zusammen, die dann zurückbleiben und zur Abrechnung dienen. Im Hinterhof war eine interessante begrünten Hausfassade. Prag steckt voller ausgefallener und neuartiger Ideen.

 

 

Dann hatten wir noch die wieder aufgebaute Bethlehem-Kapelle besucht, die vor noch nicht langer Zeit eine Ruine war und in der Hus gepredigt hat.

Ruine ist fast eine Untertreibung, denn sie wurde 1786 im Zuge der gegenreformatorischen Bewegungen von der Katholischen Kirche nahezu abgerissen. Die Berufung von Hus und sein Schicksal gehen mir sehr nahe, zumal wir den Ort kennen wo sein Leben eine so tragische Wende nahm: Konstanz. Dort hat er gewohnt und gelehrt solange man dies zuließ. Er hatte nicht geahnt und alle Warnungen in den Wind geschlagen, dass man an ihm ein Exempel statuieren würde. Er wurde in Konstanz verbrannt. Dieser Mord der Kirchenjustiz sollte zu heftigem Aufruhr und Jahrzehnte- langen Kriegen führen. Das Denkmal würdigt einen Giganten des Geistes und des Charakters. Auch in Konstanz gibt es ein Denkmal der tschechischen Bildhauerin Adéla Kačabová aus Hořice; ein großer steinerner, in Flammen stehender Kelch vor der Konstanzer Lutherkirche. Sein Fall ist für mich auch interessant, weil ich als Wormser auch den Doktor Luther näher kenne, den man heftig gewarnt hatte nicht nach Worms zu gehen und sich das Beispiel seines geistigen Vaters Hus vor Augen zu halten. Er glaubte zu Recht, gute Argumente zu haben, dass er dieses Risiko eingehen dürfe. Luther (1483-1546) lebte ca. 100 Jahre nach Hus (1370-1413). -

Zur Wiederholung des bescheidenen Rahmens, mit dem wir die Geschichte einzuordnen versuchen: noch 1600 wurde Jordano Bruno in Rom auf dem Campo dei fiori  verbrannt.

Nahe der Moldau haben wir noch die sog. Altneusynagoge besucht, sie soll gut erhalten sein, die Schlange war uns zu lang.

 

Am Pulverturm waren wir noch; er ist ein spätgotisches Eingangstor in die Altstadt. Das Lokal in einem der obersten Stockwerke hat dem ungewöhnlichen Ort angepasste Preise; wir haben durch die Fenster auf die Stadt gelinst, dann aber wieder den Weg auf das Niveau der Straße angetreten. Es wurde auch Zeit unseren Aufbruch vorzubereiten und diese markanten Stadt „ade“ zu sagen.