H. Das Konzept Rom im Jahre 312 n.Chr. z. Z. des Kaisers Konstantin dargestellt von A. Buxbaum (in den Jahren 1908 –29)

„Von Beginn meiner Laufbahn als Architekt an hat mich die klassische Baukunst, die Baukunst der Griechen und Römer besonders angezogen“.

Seiner Ansicht nach wurden bei seiner Ausbildung an der Technischen Hochschule Darmstadt die klassischen Tempel zwar hinreichend besprochen, aber niemand hat darauf aufmerksam gemacht, dass diese Tempel „niemals für sich allein in der Landschaft standen“.

„Vom griechischen und römischen Städtebau, von der Eingliederung des Wohn- und Geschäftshauses, der Lagerhäuser der Paläste und öffentlichen Gebäude, von der Gestaltung der Plätze und Foren, von den Stadtmauern, Toren, Türmen, Wasserleitungen, Thermen, Kanälen, Brunnen, Wasserbecken, Theatern, Zirkussen, Kaserne, vom Zustand der Straßen usw. hörten wir so gut wie gar nichts.

„Ich wusste das besser, denn ich war in den Geist der Römischen Baukunst eingedrungen“. -  „Was es an Literatur gibt, habe ich durchgearbeitet.“

Bei dieser Arbeit ist Buxbaums Bewunderung für die kulturelle Leistung des Römischen Reiches mächtig angestiegen.
 „Unsere ganze Kultur und besonders unsere gesamte Baukunst wurzelt in der Antike.“

Diese Zeilen stammen bereits aus dem Jahre 1921.

Er hat 1908 damit begonnen, alle Darstellungen und Wiederherstellungsversuche, die den Stadtplan von Rom zum Gegenstand hatten, aufzustöbern. Es ist ihm klar, dass dieses Gebiet von vielen Architekten und Forschern beackert wurde.
Eine Offenbarung waren für ihn das Rundgemälde der Münchner Professoren Bühlmann und Wagner von 1882.
Ebenso bedeutsam ist ihm das Monumentalwerk von Canina, aber auch zahlreiche Veröffentlichungen von Franzosen, Engländern und des deutschen Archäologischen Instituts in Rom.

Warum wählt er das Jahr 312 n.Chr.?
3 Gründe:
- Es gibt zu diesem Datum eine amtliche Urkunde, die sämtliche öffentlichen Einrichtungen der 14 Regionen Roms aufzählt.
- Es gibt eine - allerdings etwas früher datierte - Kostbarkeit, den in Marmor gehauenen Stadtplan: Forma Urbis Romae Forma Urbis marmorea. 18 m breit und 13 m hoch und auf 150 Marmorplatten an einer Innenwand des Friedenstempels angebracht. Im Maßstab von etwa 1:240 zeigte er die Grundrisse aller öffentlichen und privaten Gebäude der Stadt.
- Zu diesem Zeitpunkt erschien ihm Rom auf dem Höhepunkt seiner baulichen Entwicklung. Ab diesem Zeitpunkt sieht er den Verfall durch die von Konstantin veranlasste, zunehmende Verlegung der Residenz nach Byzanz und durch einen negativen Einfluss des Christentums auf die Kunst.

Es ist also nicht so, dass Buxbaum diesen Zeitpunkt aus einem christlichen Standpunkt heraus wählt. Andererseits steht er dem Gewaltpotential des römischen Reiches gelegentlich kritisch gegenüber.

 Um das Alte Rom zu rekonstruieren, muss man
„zusammentragen, was an Nachrichten existiert und muss dann mit Phantasie nachhelfen“.
Dies soll anhand einiger Zeichnungen von A. Buxbaum illustriert werden.