2.15 - Kratzer auf dem Film können sich sowohl dunkel als auch hell darstellen.

Mit Recht werden Sie sich fragen: Warum sind die Unterfelder außen so unterschiedlich dicht? Ist im li Unterfeld eine pathologische Verschattung? Ich glaube es nicht. Wahrscheinlich assymetrische Weichteile sowohl Mammaschatten als auch Thoraxwand.

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Typisch für die niedrigen kV sind die hohen mAs. Die Anwendung von 65 kV ist heutzutage aus Strahlenschutzgründen unzulässig (siehe Beitrag „Strahlenschutz“).
Der Katheter ist gestaucht und wurde durch Rückzug korrigiert.

 

 

2.16 Mit länglichen Schmutzteilen und Kratzern alterierter Film.
2.17 Mechanisch geschädigter Film zeigt das Profil einer Schuhsohle.

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Artikulation eines Querfortsatzes mit einer Rippe??
Nein. Überlagerung. Sozusagen ein Artefakt durch unglückliche Projektion; (wird in einem eigenen Beitrag bearbeitet).


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Die Misshandlung hat zu multiplen Kratzern geführt. Feine Kratzer stellen sich häufig dunkel dar.
Es könnte auch sein, dass die Alteration vor dem Entwicklungsprozess stattgefunden hat und die mechanische Schädigung durch die Entwicklung als Schwärzung dargestellt wird.
Die grobe Prüfung – betrifft die Schwärzung nur eine Seite der Emulsion – hilft bei dieser kniffligen Frage leider nicht weiter. Bei der Diskussion der Artefakte kann die experimentelle Rekonstruktion weiterhelfen. Diese Prozedur kostet Mühe, und wir haben sie hier versäumt. Ein experimentell begabter Leser wird dies beforschen.
Überflüssig zu sagen, dass alle meine Leser begabt sind, sonst könnten sie sich nicht in der trockenen Materie zurechtfinden. 

2.18 Knicke im Film, etwa verursacht durch einen Daumennagel, erzeugen eine intensive „Belichtung“.
2.19 Hier wurden der Film zur Demonstration absichtlich geknickt.

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An ihrer charakteristischen Form sind sie leicht erkennbar. Es handelt sich um Bogesegmente gelegentlich mit einem angedeuteten Radius.


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Die Film-Emulsion  wurde zur Prüfung sowohl auf der einen Seite des Filmes (1) und auf der anderen (2) abgekratzt. Daher die beiden senkrechten helleren Linien. Der Trick ist: Sie sind unterschiedlich hell.
Nachweis, dass diese Form der Filmschwärzung nur eine der beiden Emulsionsschichten betrifft (oder aber dass eine der beiden Emulsionsschichten stark dominiert).
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der erste bin, der das beobachtet hat. Wenn es so wäre, hätte ich Grund ungewöhnlich stolz zu sein. Jedenfalls habe ich häufig darauf hingewiesen. 

 

 

 

 

2.19b Filmpackung war schweren mechanischen Alterationen ausgesetzt. 

19b XBEXDXEMXINXKN
Allein das kann eine (streifig-wolkig strukturierte) Filmschwärzung induzieren. -

 

 

 

 

2.20    Eigentümliche Form der Filmschwärzung.
„Mechanische Alteration vor der Entwicklung“. 

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Zuerst wurde ein ungewöhnlicher Lichteinfall angenommen; später (unter dem Eindruck der Experimente 2.7 b +c wurde dies korrigiert in:
Mechanische induzierte Filmschwärzung.
Es ist unstrittig, dass vielerlei Artefakte zu Fehldiagnosen führen können. Besonders, wenn sie nur diskret ausgeprägt sind und ihre Natur nicht auf Anhieb erkennbar ist.

 

 

 

 

 

 

 

2.21 Lichteinfall oder mechanische Alteration?? 

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Trotz den Ähnlichkeit zum vorangegangenen Fall stelle ich hier eine andere Diagnose stellen: Fokusierte Lichtquelle, welche sich relativ zum Film bewegte. Analogie zu 06.
Die Sicherheit resultiert aus der „Kratzprobe“ (siehe 19).

Nebenbefund: Viele Kratzer

 

 

 

 

 

2.22  Röntgenbild aus dem Jahre 1934.  

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Wir wissen gar nichts über Patientin, Indikation, Parameter.
Man sollte nur mir Vorsicht solche völlig aus dem klinischen (und auch technischen) Kontext gelösten Bilder beurteilen.

Auf den ersten Blick erscheint der Kopf eines Kindes völlig unstrittig.
Beim genaueren Hinsehen finden sich so viele Artefakte, dass sogar die „Schwangerschaft“ unsicher wird. Heimtückisch ist das Artefakt 1, weil es auf den Knochen beschränkt ist und an eine Umbauzone erinnert. Lokalisation und fehlende osteplastische Reaktion passen überhaupt nicht zu dieser Diagnose.

Ich arbeite über die Radiologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemacht; sie war auf einem hohen technischen Stand; es ist ungewöhnlich, dass Bilder aus dieser Zeit so viele Artefakte aufweisen.

 

 

 

 

 

 

 

2.23    Die hellen Bildareale sind getrübt und dadurch abgedunkelt. Zweifellos eine Störung in der Fixierung.  

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Dieser Effekt betrifft besonders die hellen und hellsten Strukturen. Grundplatten, Deckplatten, Bogenwurzeln. Das unbelichtete Silbersalz wurde bei unzureichendem (unvollständigem) Fixier-Vorgang nicht ausgewaschen.

Die dunklen Strukturen, wie die Lunge sind dagegen unauffällig.
Der Entwickler war intakt; er macht belichtete Strukturen schwarz.

Um es auf den Punkt zu bringen: Im Bildbeispiel handelt es sich um Fehlerhafte Entwicklung bei intaktem Entwickler aber unzureichender Fixierung.

Ein wichtiger Fall. Man muss dieses Artefakt kennen, um zeitig und richtig zu reagieren. Das rettet die Qualität und spart Geld.

Der Fall demonstriert eine weitere Ursache für eine Anhebung des Grundschleiers bei der Konstanzprüfung.

Wiederholung: Wie sähe eine unzureichende Entwicklung aus?
Gerade die dunklen Filmpartien wären nicht dunkel genug. Die Störung beträfe nicht die hellen, sondern die dunklen Areale des Films. 

2.24 Röntgenfilmentwicklung. Im Wasserbad sind Algen gewachsen.
2.25 Mit schmutzigem Spülwasser verunreinigter Film.

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Diese wurden während der Wässerung und Trocknung auf den Film gebügelt. Es entstand sozusagen ein Herbarium. Ein störendes aber - wie so oft - ein leicht zu behebendes Artefakt.
Je konkreter unsere Aufträge an die technischen Mitarbeiter sind, desto mehr Geld und Zeit kann gespart werden.

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Eine Banalität. Wer zeigt schon gern einen solcherart missglücktes Produkt.

 

 

 

 

 

2.26  Schwarzes „Loch im Herzen“? 

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Es handelt sich um eine paraoesophageale, luftgefüllte Hernie hinter dem Herzen.
Sollte eher dem Beitrag „Pathologie“ zugeordnet werden. Wenn ich den Fall unter den Artefakten einordne, dann hätte er auch unter den „hellen“ seinen Platz finden können. Was uns dunkel erscheint, ist normale Belichtung. Hier wäre im Normalfall überwiegend Lungengewebe. Die Wandschichen der Hernie haben Lunge verdrängt und bewirken einen weißen Ring  = Verschattung im strengen radiologeschen Sinn; im Kontrast zu diesem weißen Ring erscheint uns das relativ dunkle Zentrum wie ein „Loch im Herzen“. Wie so oft ist der Eindruck im Röntgenbild ein relativer.

 

 

 

 

2.27 Tampon in Projektion auf das kleine Becken. 

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Das Bild ist nur deshalb wert gezeigt zu werden, weil es unser theoretisches Verständnis schult: Es wird deutlich, wie willkürlich die Einordnung unter die schwarzen bzw. weißen Artefakte erfolgt.
Wie ein roter Faden zieht sich durch die gesamte Präsentation die Regel:

Gleiches Objekt wird sehr unterschiedlich dargestellt, je nachdem ob es  von Luft oder von Weichteil umgeben ist.

Ein gutes Beispiel findet sich im Beitrag Strahlenschutz; Teil einer Glühbirne im Darm stellt sich überwiegend schwarz da.-

Das hier dargestellte Tampon ist noch sehr lufthaltig. (Es besteht aus viel Luft und wenig Gewebe). Hier erscheint es schwarz; er verdrängt Gewebe, nimmt dies für die Strahlenschwächung weg;  es nimmt mehr weg, als es hinzugibt. Würden sich dieses Gebilde äußerlich den Weichteilen überlagern, würde ein (kleines) Plus resultieren; er würde sich als (mehr oder weniger) heller Fleck abbilden.
Saugt da Tampon Flüssigkeit auf, wird es dichter. (siehe folgende Beobachtung von hölzernen Fremdkörpern, 28)

 

 

 

 

2.28    Lateraler/dorsaler Metacarpus:

Ein Holzsplitter. Regelrechte Belichtung wurde erst nachträglich elektronisch aufgehellt: So als ob man das Bild unter einer hellen Lampe anschaut. (Bilder nir von vorneherein unterbelichten= hell machen. Dabei geht zu viel unwiderbringlich verloren).

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Der Splitter stellt sich in den dosolateralen Weichteilen als längliches schwarzes (hypodenses) Gebilde dar. (Es hat am Rand einen hyperdensen = hellen Streifen).

Es besteht große Variabilität der Dichte von Holz; das dichteste ist der Buchsbaum auch innerhalb ein- und derselben Probe (Jahresringe) bestehen große Dichteunterschiede;  außerdem eine außerordentliche Variabilität in Abhängigkeit vom Trocknungs- bzw. Wässerungszustand.

Hölzerne Fremdkörper, die länger im Gewebe lagern, können durch Austausch  von Luft gegen Flüssigkeit einen Dichteanstieg verzeichnen.

(W. G. H. Schmitt, K.-H. Hübener:
Nachweisbarkeit von nicht-metallischen Fremdkörpern durch konventionelle Röntgentechnik und Computertomographie
Strahlenabsorptionskoeffizienten von Glas, Kunststoff und Holz.
Fortschr Röntgenstr 1981; 135(8): 209-213)

Weitere Fälle (Iatrogene Artefakte, Arte. Nuklear Medizin) auch im nächsten Beitrag

Artefakt II, Kunstprodukte, Fehler im Röntgen