2. Kapitel, Dunkle Artefakte

„Ich sehe etwas Dunkles“ ist immer eine relative Aussage;
Etwas erscheint dunkel durch die Nachbarschaft von helleren Strukturen.

Die Einordnung in dieses 2. Kapitel ist mehrfach willkürlich. Bei mehreren Fällen kann man diskutieren, ob es ein helles oder dunkles Artefakt ist; ob es ein Fall für das erste oder das zweite Kapitel wäre.

Allgemeine Regeln:

Dunkle Artefakte entstehen meistens durch ungewollte Energie (Licht, Röntgenstrahlen, mechanische oder thermische Einwirkung).
Ein Teil dieser schwarzen Artefakte hat also gar nichts mit Röntgen zu tun. 

2.01 Klasssischer Lichteinfall.
2.02 Helles oder dunkles Artefakt?? Beides ist richtig.

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Der Film war in einer Schublade oder in einem Kasten relativ geschützt; der Lichteinfall erfolgte von zwei Kanten her.

Der Lichteinfall hat stattgefunden, bevor eine Röntgenaufnahme durchgeführt wurde. Natürlich ist der Film entwickelt, denn erst die Entwicklung verwandelt die Belichtung in Schwärzung.


Bemerkenswert: Im Bereich der weißen Fläche, da wo nur ganz wenig Licht hingelangt ist, sind feine schwarze Fleckchen und Pünktchen. Das ist das charakteristisch für den ganz geringen Lichteinfall; es wird uns bei 03, 04, und 06 noch beschäftigen. Eine Umhüllung mit Papier kann eine Rolle spielen, muss es aber nicht.


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Bei einem großflächigen Lichteinfall blieb ein Fleck durch eine Fingerkuppe abgeschirmt; entsprechend resultiert ein weißer Fleck.

Unklar bleibt mir der angedeutete Fingerabdruck am linken Rand des weißen Flecks. Geringe Mengen einer Substanz, die ein Finger aufgeprägt hat, haben den Entwicklungsvorgang angestoßen und eine dunkle Struktur erzeugt??  
Artefakte sind sehr vielgestaltig. Mancher Beobachtung bin ich nachgegangen; die Lösung mancher anderer Probleme habe ich meinen Leserinnen und Lesern überlassen. Noch viele Rätsel der Artefakte sind
offen. 

2.03 Licht hat offenbar - sehr focusiert - einen Bereich am linken Bildrand getroffen.
2.04 Eher diskreter Lichteinfall in vierfacher Vergrößerung. Wieder der bemerkenswerte Befund der Grobkörnigkeit.

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Merkwürdiger Weise haben kleinere Mengen der Lichtenergie sternförmig in die Nachbarschaft gestrahlt. Es bleibt eine Aufgabe, solche Phänomene zu rekonstruieren.



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Dieser Streifens erscheint bei Betrachtung aus zwei Meter Entfernung völlig homogen; erst beim genaueren Hinsehen erkennt man die fleckige Struktur.
Einer von uns Artefakt-Jägern solle einmal prüfen, ob ein schwacher oder tangentialer Lichteinfall zu einer solchen relativ unregelmäßigen Filmschwärzung führt. Ist das Licht durch Papier gefallen? Nach meiner Rekonstruktion ist das unwahrscheinlich. 

 

 

 

 

2.05 Lichteinfall über mehrere punktförmige Defekte in einer Abschirmung und eine dahinter befindliche punktförmige Lichtquelle. 

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Man hat bei fünfen von den schwarzen Flecken den Eindruck, dass ein Kernschatten und eine Penumbra unterscheidbar ist. Wahrscheinlich ist Licht von einer nicht zu kleinen Lichtquelle durch kleine Löcher eingefallen.
Zwei von den Flecken sind ganz schwarz. Hier war möglicherweise die Intensität so stark, dass sogar die Penumbra tief geschwärzt ist. 

 

 

 

 

 

 

 

2.06 Spur eines Glühwürmchens auf einem Film. 

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Das muntere Insekten-Männchen ist nicht zufällig in die Dunkelkammer geflogen; es wurde zu diesem Experiment eingeladen.

 

 

 

 

2.07    Ein klassisches Artefakt; es ist schwer, auf den ersten Blick zu unterscheiden, ob es bei den hellen oder dunklen Kunstprodukten eingeordnet werden soll.  

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Doppelbelichtung. Erkennbar an den zweifach dargestellten Dornfortsätzen, Rippen, Spinae scapulae und Claviculae.
Nicht ungefährliches und (wie so oft) vermeidbares Artefakt.

 

 

 

 

 

 

 

2.08    Doppelbelichtung. Dadurch zweifache, seitenverschobene Abbildung des Gallegangs. 

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Hell oder dunkel? Auch dieser Fall könnte sowohl den dunklen als auch hellen Artefakte zugeschlagen werden.

„Dubble duct“. Nein; ein Kunstprodukt.
Eine größere Zahl der hier gezeigten Artefakte sind durch Organisationsfehler verursacht; sie wurden durch Änderung des Prozedere zukünftig vermieden.

 

 

 

 

 

 

 

2.09  Ein wichtiger Fall für alle, die filmtypische Artefakte nicht mehr kennen: Alterung des unbelichteten Filmmaterials. 

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Körnige Struktur durch feinfleckige schwarze Artefakte; sie entstehen wahrscheinlich durch kosmische und terrestrische Strahlung und betreffen den gesamten Film, sowie weitere Filme. Solche Filmpackungen müssen verworfen werden.
Wenn bei der Konstanzprüfung der Grundschleier ansteigt, ist eine der möglichen Ursachen die Alterung des Films.

 

 

 

 

 

 

 

 

2.10  Filmschwärzung nicht durch Licht sondern durch eine elektrische Entladung; hier von den Walzen der Entwicklungsmaschiene ausgehend. 

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Die Klassiker solcher elektrischer Entladungen sind „Bäumchen“, wie sie bei www.wolfgang-g-h-schmitt.de/bunte-roentgenbilder/
Bilder 1-3 gezeigt werden. Auch die charakteristische, von einer Fingerspitze ausgehende Entladung, wird dort gezeigt.

Die oben gezeigte Ausprägung ist eine Seltenheit. Viele Vorbedingungen müssen zusammentreffen; unter diesen ist hohe Lufttrockenheit entscheidend.
Abhilfe schafft ein nasses Handtuch auf der Heizung oder eine andere Methode, die Luft anzufeuchten.

Wie gelingt der Beweis, dass es keine Licht- sondern elektrische Artefakte sind? Auf beiden Seiten des doppelt beschichteten Films ein Stückchen Emulsion abkratzen: Licht betrifft beide Beschichtungen (XBB), Elektrische Energie nur eine Seite (XBE).

 

 


 

 

 

2.11 Auch die elektrischen Entladungen sind enorm formenreich. 

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Es gilt eine allgemeine Regel: Liegt bei einem Artefakt eine geringe Ausprägung vor, wird die Einordnung als Artefakt schwieriger und damit wächst die Gefahr einer fehlerhaften Interpretation. 

 

 

 

 

2.12 Unklares Artefakt bei defekter Entwicklungsmaschiene. 

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Erfreulicherweise ist die Störung nie zuvor und auch später nie aufgetreten. Der erwähnte Formenreichtum der elektischen Entladungen ließ zuerst auf diese tippen; zumal gleichzeitig im benachbarten Untersuchungsraum typische bäumchenförmige Entladungen auftraten.
Bemerkenswert ist das die so exakt zeilenförmig angeordneten Elemente in einigen Bereichen unscharf abgebildet sind. Spricht dies nicht für eine Form von Lichteinfall?
Die bei 10 beschriebene und bei 18 demonstrierte „Kratzprobe“ beweißt die elektrische Entladung und schließt ein Artefakt durch Lichteinfall aus. 

2.13 Parasit?
2.14 Emulsion einseitig abgekratzt und verschoben aufgeprägt.

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Die Diagnose ist in diesem Fall leichter durch Palpation als durch Inspektion zu stellen:
Abschmelzung der Filmemulsion in einem altertümlichen Trocknungsgerät. Sie wurde während eines humanitären Einsatzes beobachtet. Ein seltenes und für den Sammler entsprechend wertvolles Artefakt. Die Seltenheit bedeutet nicht, dass das Phänomen nicht morgen wieder auftreten kann. Dann werden wir es aber sofort zuordnen.
Es gibt zu analogen Fällen (nicht ganz seriöse) Literatur: Hoeppli, R.: Parasites and parasitic infections in early medicine. Singapore: University of Malaya, 1959; 164.
Wendth, AJ, Sarah Reed-Esper: Inner Visions. Radiographics 13. 1264.

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Im Vergleich zu  der thermischen Schädigung (13) sind solche mechanischen Noxen viel häufiger anzutreffen.

Der Film ist doppelseitig beschichtet (von Ausnahmen abgesehen). Bei einem Defekt auf einer Seite der Beschichtung entsteht der Eindruck einer hellen Fläche. Dabei ist ja eine weitere belichtete) Beschichtung vorhanden, die intakt ist. Der Eindruck ist wie immer relativ.

Bei Kratzern wird Filmemulsion häufig nicht entfernt, sondern nur verschoben; am Ort der Verschiebung summieren sich 3 Beschichtungen. Das vermittelt den Eindruck einer starken Abdunkelung.

SO kommt bei solchen Artefakten einen heller und dunkler Anteil zustande. Das soll in anderer Form auch im nächsten Fall demonstriert werden: