Cap San Vicente markanter Wendepunkt Europas vom Westen in den Süden
Nahe liegt Sagres (SAKRUM) hat dem Meer widerstanden

Bevor wir jetzt in SAGRES den großen europäischen Wendepunkt vom Westen zum Süden erreichen, kommt noch ein beschauliches Örtchen:Vila do Bispo (der Ort hat seinen Namen bekommen, als ihn der König den Bischof zum Geschenk gemacht hat). Die berühmte Kirche Maria de la Concepsaio ist  üppig mit Kacheln ausgeschmückt.

Sagres (bedeutet Sakrum, ein heiliger Ort) Es  besitzt diese phantastische Lage am Ende Europas, aber sonst fast nichts. Unter dem Publikum dominieren Typen, die einen Ölwechsel nötig haben. Ihre Fahrzeuge, vorwiegend Camper, sind  fahrtüchtig und sogar auf dem neuesten Stand. Die Hochleistungsmaschinen und die Kleidung der Besitzer passen irgendwie nicht zusammen. Es könnte sein, dass sie mit den Kleidungsstücken diese Maschinen auf Hochglanz poliert haben. Außer Motoröl kaufen sie leider gar nichts ein. Hier gäbe es das berühmte Bier "Sagre" . Aber was machen die typischen Sagres-Touristen? Stemmen Kisten mit Budweiser und Heineken aus den Tiefen ihrer Fahrzeuge. Nicht dass diese Reisegenossen Faulenzer wären. Sie waren ein paar Tage vorher in Rom, in Paris, in Berlin, vielleicht sogar am Nordkap. Und in ein paar Tagen werden sie in Casablanca, Timbuktu oder Alexandria sein. Dann geht's aber rasch weiter nach Mumbai, um sich mal endlich wieder richtig im Fluss zu waschen. 

Die Wirtschaft von Sagres liegt darnieder. Der Ort nicht nur trostlos, sondern auch arm. Stadtzentrum uninteressant. Die Poussada in Sagres trotz idealer Lage eine Pleite.Massenhaft werden Quartos angeboten, das Rathaus ist immer zu. Tourist office funktioniert erfreulicherweise immer noch. Nach längerem Suchen habe ich dann doch noch ein Lokal gefunden.

Sagres, südliches Licht, farbenfrohe Keramik
Endlose Dramaturgie Atlantik

Man darf den Ort nicht ganz schlecht machen. Sicherlich ist das Cap San Vicente markant. Dort trifft sich die europäische Jugend, um den Sonnenuntergang zu zelebrieren. Das ist eine gewisse Auslese. Hier werden durchaus Schuhe getragen, und die Haartracht hat meistens keinen Ölwechsel nötig. - Ich habe immer ein bisschen Angst, es könnte jemand die 100 m in die Tiefe stürzen. 

Außer diesem traumhaften Punkt in der europäischen Geographie gibt noch das Fort Beliche, die berühmte Burg. Heinrich der Seefahrer soll hier eine Schule der Seefahrt betrieben haben, d.h. er hat sämtliche Karten und Reiseberichte seiner Zeit gesammelt, aber auch aktiv sorgfältige astronomische und meteorologische Beobachtungen gemacht und machen lassen. Das liegt schon an der Südküste nahe bei der Stadt.

Die große Welle verliert ihren Schrecken
Lagos. Leuchtfeuer an der Flussmündung bei dieser Wetterlage kein beliebter Spazierweg

Es gibt aus den genannten Gründen zu wenige Cafés. Da ist mein Campingplatz noch das Beste. Dort miete ich ein nettes Häuschen, finde alles, was man braucht. Alles nach Wunsch.Eine Decke  verbessert die Liegefläche. Temperatur geht von 28° in nicht untypische Weise zur Nacht auf 10° runter. 

Kleine Rückbesinnung: Was hat gefehlt auf dieser Fahrt? Reserve-Stick, "Kolter", Laptop mit Spracherkennung, Eurostecker.

Was war zu viel? Einiges an Wäsche: Wenn man Gelegenheit hat zu waschen und noch dazu an einigen Plätzen 2 Tage bleibt, genügt eine Basisausstattung.

Wichtig war Sonnenbrille und Sonnencreme, auch wenn man das im April nicht glaubt.  Bis jetzt musste ich keine Apotheke aufsuchen. Der Brustbeutel hat sich sehr bewährt. An den Bauchbeutel für den Fotoapparat und das abgespeckte Portemonnaie muss man sich gewöhnen.  Ist etwas umständlich: Reißverschluß auf und zu.

Lagos wichtigster Ausgangspunkt der großen Entdeckungsreisen
Weiterer Ausblick von meinem Quarto

Jetzt geht es in westlcher Richtung an Südküste der Algarve entlang, Klassische wichtige Verkehrsader N 125 Richtung Lagos, an der Abfahrt Guadeloupe, Figueira fahre ich vorbei. Ich kann es aber nicht lassen, nach Salema abzufahren; dieser Ort galt lange Zeit als „Rucksacktreff“, heute sind dort mehrere Hotels mit fünf Etagen. Die malerische Bucht erinnert mich an Lukovo in Kroatien. Von Salema nach Burgau kann man parallel der Küste  wandern und die Tour offenbar noch weiter nach Luz- Lagos fortsetzen.

Man mus bei einer solchen Fahrt Verschiedenes einplanen, auch die kleinen Pausen und die menschlichen Bedürfnisse. Irgendwie gelingt es fast immer. Drei Kilometer vor der Stadt lädt ein Campismo ein, er hätte von der Qualität gute Chancen mit dem städtischen Campingplatz, der klassischen "Triade" zu konkurrieren.

Ich weiß nicht, was der beste Weg ist, um mit dem Auto  das Stadtzentrum erreicht. Es ist jedenfalls ein Fehler, sehr früh zum Zentrum abzufahren, man kommt mitten in die Stadt hinein und zwar in den alten phönizisch/karthagischen Kern. Das wird schwierig, wenn man kein phönizisch beherrscht. Besser auf der N125 bleiben und kurz bevor man an den Fluss kommt, irgendwie raffiniert abfahren. Die 125 wird dann mit einer Brücke über eine südliche Ausfallstraße gelenkt und geht am West-Flussufer entlang den Fluss aufwärts. 

Details an der Markthalle am zentralen Platz,
Dort sitzt der große Förderer der portugiesischen Entdeckungen. "Zu seinem 500. Todestag". Im Hintergrund rechts die Schattenseiten der Pionierleistungen, der Sklavenmarkt in Lagos

Regen, nicht ganz so brutal wie in Evora, aber trotzdem heftig, stellt sich in der Nacht ein. In einem Cybercafe (nahe dem Stadttor) habe ich endlich meine Bordkarte für den Rückflug gedruckt. (Kostete 1Euro; Bei nicht gedruckter Bordkarte verlangt die „Fluglinie mit der Harfe“ 50 €), ein Bettler hat von meiner guten Stimmung profitiert.

Ich weiß nicht mehr genau warum es mir sehr wichtig war mit vielen !!! zu notieren, dass ich an E. und P. einen Brief geschrieben habe.

Jetzt tut es mir leid, dass ich so wenig nett war mit die Schmuddel Touristen von Sagres. Der hiesige Typ ist noch weniger sympathisch: die Brüder vom "Aal", viele aus einer größeren Staatengemeinschaft der neuen Welt. Sie hängen am frühen Nachmittag in den gehobenen Kneipen der Altstadt herum, auf dem Tisch die Drinks der neuesten Mode und ihre Füße, oft in mit vielen Nägeln besetzten Stiefeln. Sie besuchen im Alltag das College einer Elite-Universität und sollen hier die Kultur der alten Welt kennenlernen.

Lagos, die Stadtmauer fast vollständig
Schöne Architektur in südlichem licht

Ich unternehme einen ärztlich verordneten Ausflug Richtung Ponte de Piedade. Dieses höchst markante Naturschauspiel liegt südlich „vor der Haustüre“. 

Aber auch in der Stadt gibt es Natur-Schauspiele: Am Fort Pau steht ein  rotweißes ,vom Meer umbrandetes Leuchtfeuer, welches den westlichen Teil der Flussmündung markiert. Auch hier vermag es der Sturm, das Meer heftig aufzuwühlen.Ein Wunder, dass Heinrich der Seefahrer gerne von hier seine Expeditionen abschickte. Er dachte sich, wer hier nicht über Bord springt, der hält viel aus.

Stadtrundgänge bringen mich zum Eanes-Platz mit der Statue des Königs Dom Sebastiao. Diese Skulptur von João Cutileiro, die auf dem Platz Gil Eanes steht, wurde kontrovers diskutiert. Sie erinnert an einen Raumfahrer. Es kommt gut raus der Kontrast des zarten lieben Jünglchs und der martialischen Rüstung mit übergroßen Handschuhen und Helm. Vvon dem Kunsthistoriker José Augusto França wurde die 1972 aufgestellte Plastik als eines der  schönsten Werke der Bildhauerkunst südlich des Tejo bezeichnet.

Es war derr junge König, der Lagos 1573 zur Stadt erhob. 1578 konnte er es nicht lassen und ist von hier zu jenem verhängnisvollen Kreuzzug nach Marokko aufgebrochen, um Alcácer Quibir zu erobern. Fast sein gesamtes Heer und er selbst sind umgekommen. Nicht nur das, auf Portugal verschwand als eigenständiges reich. Zwei Jahre nach dieser Niederlage übernahm König Filipe II. von Spanien die portugiesische Krone und legte damit den Grundstein zur Personalunion, die bis 1640 währen sollte.

Dieser König ist die tragische Figur schlechthin. Eigentlich das Symbol für einen verantwortungslosen und dummen Heerführer, hat er doch sein gesamtes Heer in Marokko verloren. Trotzdem meint es die Meinung ds Volkes gut mit ihm. Weil er selber verschollen blieb, gibt man dem schlimmen Schicksal die Schuld. Man nennt ihn nicht einen Idioten, sondern den geliebten König, der eines Tages in der Stunde der Not wiederkommen wird, sein Portugal zu retten. (Hoffentlich bleibt er, wo er ist, und lässt Portugal in Ruhe).

Lagos, Straßenszene
Wandmalereien sind charakteristisch für die Stadt

In der Nachbarschaft finde ich ein ideales Quartier, ich werde in die Dependance geleitet und habe dort gleich drei Betten und eine Terrasse vom feinsten, sowie einem Ausblick auf die Stadt und das Meer. Letzte Korrekturen am Büchlein „Fried“. 

In der Nacht ein Gewitter und rasender Regen. Gut geschlafen. Mein Mitbewohner, perfekt ausgerüstet mit VW-Bus, Motorroller und Fahrrad, hatte zu frühester Morgenstunde die Flucht ergriffen. Es wundert mich, denn er hatte mit viel nasser Wäsche zu kämpfen. Die Möwen waren auch aufgeregt und haben einen Müllsack zerrissen. 

Typische dekorative Elemente
Denkmal für eine umstrittenen Legende, den jung verschollenen König Sebastian und die Hoffnung auf seine Rückkehr

Notiere: "Hätte nicht geglaubt, dass die Küste derartig phantastisch ist, der Fisch so gut schmeckt, die Leute so freundlich sind". Gestern „Roz Mareis“, ein Zwischending zwischen Fischsuppe und Paella. Nicht so füllig und gehaltvoll wie die letztere.

Noch schnell eine Notiz zum Ausflug an die südlich gelegene Meeresküste:

Nachmittägliche Ausfahrt nach Corvoeiro. Die dortigen Weinbauern haben Jahrzehntelang ihren Wein nach Bordeaux verkauft, da er sich für den Verschnitt sehr gut eignete. Vom Geld haben sie für die nächste Generation Villen gebaut. Die Jung-Generationen waren im Zweifel, ob sie studieren, oder die 20.000 m² Grund für inzwischen horrende Preise verhökern sollten. Sie haben viel Wein probiert, solange sie über diesem Problem gegrübelt haben. Die Preise sind immer höher gestiegen.  An dieser Geschichte scheint was dran zu sein. Nirgendwo sonst gab es offenbar schon in den 60er Jahren einen solchen Reichtum und auch den Aufstieg und Niedergang vieler Familien.

Notiert: Marinha ist ein Geheimtipp: ganz tolle felsige Strandlandschaft. Der Landstrich ist der Gefahr entronnen mit Hotels und Villen zugepflastert zu werden. Nichtmal eine Haus, lediglich ein Tisch; Melonen und Tomaten werden verkauft. Auf die Natur sollte man noch besser aufpassen. Es gibt sie hier in so phantastischem Überfluss.

Lagos, Kirche von St. Sebastian
Nicht weit das naturwunder, Ponte da piedade

Cavaglio mein ursprüngliches Ziel, hat zwar einen Golfplatz, aber man kommt nicht an das Meer ran. Anders in Corvoeiro. Dort  gibt es 10.000 Menschen, ungewöhnlich viele Deutsche (ca.40%), aber nur einen kleinen Strand. Hier darf das Meer genutzt werden von der Öffentlichkeit und wird genutzt. Man muss es aber mit Menschenmassen teilen.  Immerhin gibt es jetzt im April schon Kinder, die im Wasser sind. 

Alles wird „American style“ angeboten. Das ist Tourismus, so wie wir ihn nicht mehr wollen. Mancher  verzichtet auf Ruhe und Muße, weil er für knappe Zeit gerne Ablenkung und ein vielfältiges, manchmal schrilles Angebot schätzt.

Mein Tip ist „Corvoeiro meiden“; Cavaglio ist sowieso nicht zugänglich.

Felsküste wimmelt von bizarren Strukturen mit vielen Durchbrüchen und Brücken, nahe Lagos

Albufeira und Portimao habe ich schon gestrichen (Rolltreppe zum Strand? Noch was).

Reizen mich eigentlich nur die Höhen der Serra Monchique. In der Gegend von Amorosa Steinbrüche mit Granit.  Kork soweit das Auge reicht. Monchique hat mit Padua gemeinsam, dass man bei der Einfahrt einen ganz schlechten Eindruck hat, der sich zunehmend verbessert. Ich nenne es den „Padua Effekt“. Es gibt auch das Gegenteil: dass ein anfänglich sehr guter Eindruck überhaupt nicht anhält.

In Monchique habe ich an diesem Sonntag die Messe besucht, es war knallvoll, der Gesang der Gemeinde gut, Predigt eines Priesters von dunkler Hautfarbe erschien mir bemerkenswert strukturiert, emotional farbenfroh. Als die Leute die Kirche verließen, macht mich jemand aufmerksam auf das verlassene Kloster (1755), was jetzt als Hühnerstall diene. Ein höchst merkwürdiger Besuch in dieser Ruine, deren Besichtigung (nur teilweise erhaltenes Gewölbe) nicht allgemein freigegeben werden sollte. Vielleicht könnte man die Ruine sichern und als ein Denkmal für die 250 Jahre zurückliegende Katastrophe erhalten.

kurze Fahrt nach Norden: Steinbrüche
Monchique hat dem Gebirge den namen gegeben, nahe dem Foia mit über 900m
Monchique, die Welt scheint Kopf zu stehen
Verlassenes Kloster (1755) Denkmal für die 250 Jahre zurückliegende Katastrophe

Aufstieg zum höchsten Berg der Region, dem Foia. Strategisch bedientt er 30 Sendestationen. Auf der Rückfahrt Richtung Küste liegen viele Badeorte am Wegesrand. Endlich wird Silves erreicht. Die Kathedrale Se erinnert mich sehr an den Wormser Dom (Internationalität der Baukunst im Mittelalter, vielleicht war auch Europa imternationaler, nämlich eine stärkere Einheit, stärker als heute). IN Silves liegt alles eng beieinander, die Kathedrale, die maurische Burg und das englische Café. Viele Störche überall. Nach Museumsbesuch genieße ich die Stadtbücherei. 

Silvesch war ein guter Abschluss und auch das geräumige Hotel bietet große Vorteile beim Sortieren der Siebensachen und der Gedanken. EIniges wird gewaschen und einiges entsorgt. Problemlose Fahrt nach Faro, Rückgabe Auto und Rückflug.

Das Meer wie so oft
ein wildes Ungeheuer
Dom und die gewaltige maurische Burg von Silves
Römisch/maurische Brücke in Sines der alten Hauptstadt der Mauren