Ein Ausflug nach Menton entspricht dem berühmten Unterschied zwischen Tag und Nacht, in diesem Fall zwischen Nacht und Tag. Es ist eine disziplinierte, saubere, organisierte Stadt. Man meint die Preußen wären in das malerische südländische Städtchen eingerückt und hätten ihr Organisationstalent entfaltet. Es gibt alles, eine dominierende und sich trotzdem harmonisch einpassende Michaelskirche, ein altes Kastell, ein malerischer Hafen, eine pittoreske Markthalle, reichlich überdimensionierte Hotels, reichliche Restaurants, und vor allem eine malerische Altstadt.

Ganz oben auf dem Friedhof, dem Platz einer alten Burg, machte ich ein schönes Foto einer russisch anmutenden Kapelle mit goldener Kuppel vor einem tiefschwarzen Zypressenbaum, da erreicht uns eine Nachricht aus W, die unsere Rückkehr in der Heimat nahelegte. Ich musste an Schillers Zitat denken aus dem Wallenstein: „…und Ross und Reiter sah ich niemals wieder“

Eigentlich wollten wir uns in Menton nach einem Quartier umsehen. Trotz meiner Sympathie für Menton waren die Plätze sehr teuer bzw. wenig ansprechend. Wir verließen den in seinem Gesamtbild so erfreulichen Ort unverrichteter Dinge. Wir verabschiedeten uns auch von unserer Wirtin nicht ohne noch Ihre Ausstellung im Eingangsbereich des berühmten Museums Cocteau in Menton gewürdigt zu haben.

Die Rückfahrt gestaltete sich etwas länger, da der Bernardino gesperrt war und wir über den Gotthard mit Blockabfertigung ausweichen mussten. Das bescherte uns das abendländische Erlebnis des Vierwaldstättersees, anschl. Walensee, bis wir wieder unseren Rhein, wenn auch nur in der kleinen schweizerisch-alpinen Variante erreichten.

Am Rhein wussten wir, wir waren gerettet. In Lindau wurde für meinen Teil das Gefühl der Heimat durch einen bayerischen Schweinebraten und bayerisches Bier weiter gefestigt. So endete die Suche nach einem großartigen Winterquartier mitten im Sommer und bescherte uns statt Vergnügen einige Pflichten.