Ganz Estland hat 1500 Inseln; die Hälfte des Landes ist von Wald bedeckt es gibt viele Moore und die schon erwähnten vielen Bären. Wir sind hier schon so weit im Norden, dass zur Sommerzeit die Nächte so hell sind, dass man keine Sterne sieht.

Tallinn. Die dänische Festung wurde - wenn ich es richtig verstanden habe - von einem Waldemar IV an den Deutschen Orden verkauft. - Obwohl wir parallel zur Küste fahren, sieht man vom Meer ohne Ortskenntnis wenig.

Schon in Estland Seebad PAERNU

Das ändert sich im Seebad PÄRNU, der heimlichen Sommer- Hauptstadt von Estland. Angeblich überreicht der Bürgermeister von Tallinn ihr in der Sommersaison die Hauptstadtrechte. Wir halten Mittagessen in einem sehr schönen Art- Déco-Hotel. Die Küche ist deftig. Spaziergang am Strand bei Bilderbuch Himmel und einem fast Provenzalischem Licht. Hier gibt es auch die Rütli- Straße, das bedeutet Ritterstraße und eine markante protestantische Dorfkirche = Elisabeth Kirche 1747. Wir hören Verschiedenes über die Sozialpolitik in Estland. Wie viel der Patient zuzahlen muss; dass die Zahnversicherung privat organisiert werden muss, ausgenommen Kinder und Alte. Wir hören von der Veränderung der Sprache: die Anglizismen sind im Vormarsch, die deutsche Sprache wird verdrängt.

Die Einfahrt in Tallinn hat nichts gemein mit der Einfahrt in Padua: sie ist von Anfang an interessant. Bevor wir die alte Stadtmauer erreichen kommen wir auf den Freiheitsplatz, dort findet sich die Johanniskirche, das Rathaus und das russische Theater. In unserem Hotel war auch mal der KGB Hausherr. Sie sagen, das Bauwerk sei aus Mikrobeton gegossen (80 % Mikrofone und 20 % Beton). Viele Witze spotten über die Schwächen in der Versorgung zur Sowjetzeit (z.B. Mangel an Seife). Vor unserem Hotelfenster liegt die Silhouette der Stadt, welche gänzlich von einer Festungsmauer eingeschlossen ist.

Tallinn Dicke Margarete

Bemerkenswert ist auf der Meerseite die „dicke Margarete“ (sie enthält ein Schifffahrtsmuseum) und der lange Hermann (45m) auf der Südostseite. Die Burg hat nochmals eine eigene Befestigung.

Tallinn von der Burg gesehen

Auf der Burg der ehemals der Maria geweihte Dom (er wurde in der Reformationszeit protestantisch) und die Alexander-NEWSKY-Kathedrale (russisch-orthodox; als Zeichen der langen zaristischen Zeit) ganz in der Nähe der Präsidentenpalast, sowie eine größere Zahl von Palästen, die von Schinkel gebaut sind oder erbaut sein könnten.

Alexander Newsky Kathedrale außen
und im Inneren

Oben auf der Burg findet sich auch die finnische Botschaft. Finnland hat eine besondere Bedeutung; man fühlt sich ihm und den skandinavischen Ländern zugehörig.

 In den engen Gassen der Stadt muss man sich an den markanten Türmen orientieren. Da gibt es zwei sehr schlanke achteckige: den vom Rathaus (Hanse Tradition, Museum) und die sehr alte protestantische Heilig Geist Kirche (auch sehr sehenswert). 

Zwei schlanke Türme: Rathaus
Heilig-Geist-Kirche

Beide sind hier abgebildet. Gegenüber vom Heiligen Geist kann man in historischen Räumlichkeiten der Markthalle ein Museum besuchen, was nochmal einen guten Abriss gibt: welche Mächte waren in welchen Jahrhunderten die Herren von Estland. Der Platz lädt ein, ein Bier zu trinken und über Geschichte, Fotographie, Architektur etc., nachzudenken. 

Gegenüber Heilig-Geist-Kirche
Ausstellung in historischen Räumen

Weil wir die beiden schlanken, das Stadtbild prägenden Türme angesprochen haben: Es gibt auch noch zwei viel wuchtigere viereckige spätromanisch gotische Kirchtürme: im Norden: St. Olaf- Kirche nahe der „dicken Margarete“. Und ganz zentral etwas süd-westlich vom Rathaus: die Nikolai-Kirche, zurzeit nur für Konzerte und Vorträge genutzt. Nikolai liegt am Fuße des Domberges, östlich der Ritterstraße. „Nikolay“ und „Olai“ sind sich sehr ähnlich in dem wuchtigen, festungsartigen Charakter. „Olaf“ ist auf den ersten der Tallinn-Bilder dargestellt überlagert vom „Heiligen Geist“. Kennt man diese 4 Kirchtürme kann man in Tallinn nicht verloren gehen.

Studium der "Schärfe-Einstellung"

Unser Abendessen in einem Lokal am exakt in Stadtmitte gelegenen Rathausplatz ist mir sehr gut in Erinnerung, was für die Qualität spricht. Dieser Platz hat einen der beiden schlanken Türme (Rathaus); der andere gehört – wie gesagt - zur Heilig Geist Kirche und ist wenig entfernt an einem Plätzchen mit einer bekannten Konditorei, wo eine besondere Marzipanmischung zubereitet und verkauft wird. Dieses alte Geschäft liegt auch unmittelbar an der schon genannten Markthalle, die als Museum ausgestaltet ist.

Gotische Handelshäuser
Straßen von Tallinn

Etwas außerhalb der Stadt am Meer liegt das bekannte, dem baltischen Gesang gewidmete Freilichttheater. Nicht weit davon auch das Kunstmuseum KUMU, die größte Kunstsammlung im Baltikum; es liegt am Rande des Stadtparks KADRIORG nahe einem wichtigen Regierungsgebäude. - Mehr stadtnahe, aber außerhalb der Stadtmauern nicht weit von der „dicken Margarete“ liegt das Denkmal für die Opfer des Fährunglücks der Estonia 1994. Damals wurde der noch junge Staat und mit ihm ganz Europa von einem solchen Unglück erschüttert.

Denkmal für die Opfer des Fährunglücks der Estonia 1994