Fahrt nach Westen, Richtung Meer. Zuerst TRAKAI.

Wir kamen durch die Siedlungen der KARÄER, der Nachfahren eines Volksstammes, der von der Krim hierher verschleppt wurde. In ihrer Religion ist hauptsächlich das Alte Testament wichtig. Es gibt noch anderen Minoritäten z.B. die Tataren; sie sind Mohammedaner geblieben. Die Burg hatte einmal eine größere Bedeutung in Litauen. Sie ist aus Backstein, eindrucksvoll auf einer Halbinsel in den See hineinragend. In der „Vor Burg“ gibt es eine nette Ausstellung von Volkskunst.

Burg Trakai auf dem Weg nach Kaunas
Innenräume mit Museum

Es geht weiter nach KAUNAS. (War das die alte Hauptstadt?) Auch hier münden zwei Flüsse zusammen. Es sind NERIS und NEMUNAS. Der historische Stadtkern liegt im schützenden Winkel beider Flüsse. Den ersten Fluss kennen wir aus Vilnius. NEMUNAS ist die Memel, der wir bis zum Meer folgen. Der Marktplatz ist repräsentativ mit einer schlanken, schmucken Barockkirche, der Plastik eines verdienstvollen Bürgermeisters und dem Rathaus. Dort versammelten wir uns zum Mittagessen: eine Spezialität des Landes, ein Gericht mit roten Rüben. Bei der Hitze war uns die Lokalität im Keller nicht ganz angenehm. Wir hätten uns gerne einen luftigen Garten am Fluss gewünscht. Benachbart zum Rathausplatz ist die Stadtkirche, mächtige Backsteingotik. Termingerecht verlässt ein Brautpaar unter Orgelbrausen das große Gotteshaus.

KLAIPÉDA (ein Akzent auf dem E, früher Memel) liegt am kurischen Haff und zwar am nördlichsten Punkt. Am Denkmal des „Ännchens von Tharau“ gedichtet 16.. Von einem Simon Drach, der sich unglücklich in die Braut eines anderen verliebt hatte, wurde von uns in der 200 Jahre jüngeren Vertonung von Silcher vorgetragen. Das bedeutete Arbeitslosigkeit für die an Ort und Stelle wartenden einheimischen Sänger. Der Dichter ist in dieser Stadt geboren und in Königsberg gestorben.

Später Nachmittag in KLAIPÉDA an der Memel
Abend am Hafen

Auf einer Häuserwand ist der Stadtplan aufgezeichnet. Der Alt-Ort ist sympathisch aber unspektakulär. Man unterschätzt die Größe dieser Stadt, die an die 200 000 Einwohner hat. Der einmündende Fluss mit seinen Hebebrücken und ein renoviertes Dreimaster- Segelschiff geben ihm einen eigenen Charakter. Sieht man, in welchem maroden Zustand dieses Schiff war, kann man über die Leistung der Restauratoren staunen. Noch mehr staune ich, wenn ich bedenke, dass dieses Schiff 1947 gebaut wurde, also jünger ist als ich.