Karte von Mittelgriechenland und Peleponnes

Karte Peleponnes und Mittelgriechenland

Lakonischer Golf nahe der südlichen Pelepónnes

Abb. 57 Lakonischer Golf zwischen dem mittleren
und westlichen Finger der Süd-Pelepónnes

9. Mail

Ab Githio beginnt ein spannendes Kapitel: Mani.

1.    Jetzt bin ich noch in der Endo Mani (inneres Mani)

2.    Klassisches Rückzugsland für die Spartaner war der mittlere Finger der Süd-Peleponnes, der unwirtlichste und unzugänglichste Teil von Griechenland: Mesa Mani, (südlich Aeropolis)

3.    an der Westküste nach Messenien (nördlich von Aeropolis) liegt die Exo Mani, die ich noch sehr loben und Euch ans Herz legen werde

Es gibt gute englischsprachige Literatur über das Mani:

·        Patrick, Liegh: Mani;

·        Bob Barrow, Mat Dean: Wandern im Mani;

·        Eliopoulis, Greenhold: Deep into Mani.

Um die Manioten ranken sich die Legenden (betrifft besonders die Mesamani); Legenden leben davon, dass der Beschriebene ihnen ein bißchen nachhilft.  Als die Spartaner endgültig gescheitert und besiegt waren, sind sie ins Mani geflohen; seither machen seither all denen Schwierigkeiten, die sie unterjochen wollen. Die Manioten wollen  immer noch nach dem Gesetz des Lykurg, des Staatsgründers von Sparta  leben. Leider waren (und sind) sie so arm, dass es grausame Feden untereinander gab.

Zunächst bin ich noch in der inneren Mani, also auf der östlichen Seite.Der Weg von Githio am lakonischen Golf entlang bis Lukádika  ist nirgendwo gut beschrieben; er ist abwechselungsreich. Mani-Beach hat viele Campingplätze dazu ein fast romantischen Schiffswrack; offenbar wurde das Schiff aufgegeben und hat seine Weg hierher gefunden. Du glaubst du bist in der Magellanstraße.  

Schildkröte auf der Straße

Abb. 58 Bekanntschaft. Auf dem Weg zum Mani

Dann muss man wieder kurvig ein Vorgebirge umfahren und es taucht Passavás mit Burg (nach bisher 16 km) vor mir auf. Von dort lohnt es sich, wieder die kleine Straße zum Meer zu suchen. Nur so verpasst man nicht die Ostküste der Mesa Mani und gelangt über das schönen Vathí in eine Umrundungstour. -

Noch sind wir im Endo Mani: Ein alter Wehrturm am Meer macht zum ersten Mal auf die maniotische Architektur aufmerksam: Strenge, graue schmucklose Türme. Bei der eingeschränkten Gastfreudschaft der Lakonier sind die Campingplätze segensreich.

Hotels kommen spät in der touristischen Entwicklung  Wenn wir diese späte Phase nicht erreicht haben, sollen wir nicht traurig sein. Ich erkläre das noch mal später in Petralidi - Ein Schildkröte ist uns begegnet. Das Sträßchen ist wirklich sehr klein. Man schneidet nach Skoútari eine Halbinsel ab und wird mit einer traum-schönen Bucht belohnt. - Einmal haben wir die Wahl über eine uralte Brücke oder durch eine Furt; die Entscheidung wird erleichtert, da alle 3 Passanten, die an diesem Tag durchgekommen sind, Spuren hinterließen und der Furt vertrauen. - Endlose Olivenhaine. Die nächste Halbinsel (vor Lukádika) wird nicht abgeschnitten sondern mit der ganzen geballten Motorkraft meines Renault-Twingo ausgefahren; traumschöne Ausblicke über den ganzen lakonischen Golf.

Küste von Parallia

Abb. 60 Parallia; das Projekt „Küste“

 

Mesa Mani, der harte Kern

Nach der Umrundung dieser letztgenannten Halbinsel ist Loukádika  Ausgangspunkt einer Mesa   Mani Umrundung im Uhrzeigersinn. Diese Planung hat den Vorteil, dass man nicht dauernd in die 100 Meter tiefen Abgründe gucken muss. Ich habe Schweizer getroffen, die sagten "lakonisch", es mache auch nichts mehr aus, ob es 100 oder 300 m herunterginge.-

<ich mische im „Mesa Mani“ ausnahmsweise Eindrücke 04 und 2010>

Die Landschaft wird zur gebirgigen Felsenwüste; die Dörfer werden zu Türmen. Unzugänglichkeit war Jahrhunderte lang das Markenzeichen des Mani. Das war auch seine Stärke. Gegen Türken und Räuber standen die Einwohner dieser Steinwüste geschlossen zusammen. War die Gefahr gebannt, kämpften die Clans in diesem bitterarmen Land untereinander um jeden Ölbaum und jede Ziege. Gleich das erste Dorf Flomohori hat mindestens 10 markante, typische Türme.

Ich will die vielen interessanten Mani-Dörfer nicht alle aufzählen; hervorzuheben ist Lágia. Fantastisch! Und trotzdem: Einen Übernachtungsplatz haben wir  nicht gefunden. Sogar einen Kaffee zu bekommen ist schwierig. Es hat den Wettlauf gegen die Zeit verloren.

Sonnenuntergang bei Vathia

Abb. 61 Mani mit dem representativen Vathia

Exponent der Mali-Dörfer ist Vathia. Man muss von der Rundstrecke etwas in den Süden abfahren und aufsteigen.

Ich fand unwirtliche, markante, oft verlassene Hausburgen. Man hat mit Geschick einige wenige dieser - im Grunde völlig unsinnigen (nur über eine Leiter zu begehenden) - Türme zu Ferienwohnungen umgebaut. Zuerst denke ich: Wer wohnt schon gerne im Gefängnis? In einer trostlosen Steinwüste? Wer tauscht schon Velux-Fenster gegen Schießscharten? Aber ich kann die wenigen (leider zu wenigen) Außenseiter verstehen: das Gefühl der Schlossherr zu sein; das Gefühl des Rückzugs aus der hektischen Welt in den äußersten südlichsten Zipfel Europas. Hat schon was.

< 2010 war Vathia   noch mehr verlassen; Moni und ich strichen bei einsetzender Dunkelheit nur in Begleitung zweier Katzen durch die Gassen; nur in einem Haus brannte Licht. - Das Curiosum „Vathia“   ist nicht am Leben zu halten. 04 beklagte man sich noch über das Übergewicht der Ausländer (bes. der Engländer); jetzt 2010 wären einige Engländer dringlich nötig>

Von Vathia   aus könnte man noch mehrere Kilometer weiter in den Süden vorstoßen und vor dem letzten Dorf auf einen Feldweg abzweigen, der zu den Fundamenten einer antiken Stadt führt. Dort ist eine Höhle, die im Altertum als einer der Eingänge zum Totenreich galt. Genauere Anweisungen gibt der schon häufig zitierte Reiseführer: die „Odyssee“ 10. Gesang Vers 516. – „Lasst uns umdrehen, man kann nicht alles ausprobieren, nur weil es Homer beschrieben hat; außerdem haben wir das vorgeschriebene Geldstück für den Fährmann nicht dabei; oh wie hieß er? Charon? Und sein Fluß?? Styx?“  Wenn man die Landkarte und die Leute nicht kennt, soll man da  nicht herumfahren. 

Dorfkneipe Griechenland

Abb. 62 Mani; Dorfkneipe

<War es Dichtung oder Prophezeiung. 6 Jahre später bei der 2. Reise , die wir 2010 zu zweit unternahmen,  beginnt das Totenreich schon in Lagia  und Vathia.

Zu unserer Überraschung finden wir unterhalb von Vathia   an der westlichen Küste ein modernes Hotel (Porto Mani); es ist sehr geschmackvoll im Stil des Landes aufgebaut und eingerichtet. Viele nette Details, so eine Steinbank vor dem Zimmer, Geschmackvolle Lampen, eine mächtig große Dusche. Ein Frühstück ist inklusive. Es ist schwierig in Griechenland ein Frühstück zusammenzustellen; es gibt keinerlei Vorbild; man weiß sozusagen nicht, wie sich Frühstück schreibt. Wen wollte man tadeln, wenn hier ein Phantasie-Frühstück mit allerhand Kuriositäten kreiert wurde. Sogar ein kleines Geschenk gab es zum Abschied: Öl und Salz. Ob es gelingen kann in Porto Mani, den Trend der Zeit zu stoppen? Wir würden es den Manioten wünschen.

Das Meer ist phantastisch; es gibt kleine Wanderwege und als Besonderheit die gleichmäßigsten Kieselseine, die ich je gesehen habe.

Ich muss noch erzählen, dass wir am Abend vorher, schon zur Nachtzeit, ein Lokal gesucht haben.  Das versprach in dieser unwirtlichen Steinwüste schwierig zu werden. Es gab es ein Gaststätte; freilich anders im Charakter als unser exquisites Hotel; eher so als wäre sie aus der Mancha versetzt und von Cervantes beschrieben: eine Ansammlung von Typen als hätte ein genialer Requisiteur sie zusammengestellt; Feuer im Kamin; ein origineller Wirt, nur konnte er seine eigene Speisekarte nicht lesen. Preise so günstig, dass man sich Sorgen um die Zukunft dieser Kneipe machen muss. >  

Hotel Porto Mani

Abb. 63 sehr gutes Hotel „Porto Mani“

Diese Küste im Westen des Mesa Mani ist nicht so steil wie der Osten, daher gibt es etwas Landwirtschaft.

Pyrgos dirou, dort kann man sich durch die phantastische Glyphada-Höhle rudern lassen. Bis 1895 war sie in Vergessenheit geraten. Nach einer alten Legende müssten diese Höhlen bis ... Sparta   reichen. Tatsächlich sind 14 km erkundet. Es gibt reichlich prähistorische Funde.

Bei Ag. Georgios ist die Abgezweigung von der offiziellen Rund-Tour zum Hafen des ruhigen Fischerdorfes Geroliménas.

< diese Ort hat 6 Jahren später deutlich gewonnen; hier ist die Zahl der Ruinen reduziert.>

Der Weg wird breiter, bunter, viele Ölbäume oder Macchia. Rosa und lila Blüten und Ginster säumen die Straße. Im Hintergrund ruht der unwirtliche mächtige Berg, die Fortsetzung des Taygetos in diesen südlichsten Zipfel Europas.

 

Ende Europas und Beginn der Unterwelt

Abb. 64 Mani-Eindrücke am Ende Europas am
Beginn der Unterwelt

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Aeropoli Griechenland

Abb. 65 Aeropoli; bedeutende Stadt des Mani
auch für den Freiheitskampf; Grenze Mesa-Exomani

Exomani, die Überraschung

Aeropolis auf der westlichen Seite markiert eine Grenze. Nicht nur politisch auch geograhoisch: Nördlich davon

das noch einigermaßen grünen nördlichen Exomani (gehört noch zu Messinia*).

Ich komme vom Süden aus dem kargen Messamani (dem harten Kern von Mani). Das gehört natürlich zu Lakonien, dem Spartanerland.

* so was muss man sich nicht merken, nur wissen, dass solche Zugehörigkeiten im Laufe der Geschichte sehr wechselnd waren. Man kann sich gut vorstellen, dass die munteren Spartaner gerne mal die Hand nach den Nachbarprovinzen ausstreckten.

Aeropolis ist nach dem Kriegsgott Ares benannt. Zur Stadt gehört die Burg Telepha; auch von hier aus versuchten die Türken die Manioten zu unterjochen. In der Stadt steht die Statue des Pedro Mavromihalis, der hier den Aufstand gegen die Türken und die Unabhängigkeit Griechenlands ausrief.

Die älteren Kirchen ist die vom Agios Ioannis und  Agioi Taxiarchai.

Relief in Aeropoli

Abb. 66 Aeropoli; typische Reliefs in der Stadt des Ares

Nebendran befindet sich das Kloster von Dekoulou mit farbenfrohen Fresken.

Von Aeropolis nach Norden geht es weiter an der West-Küste entlang. Die Landschaft ist immer noch gewaltig, aber deutlich lieblicher als im Mesa Mani. Zuerst führt die Straße in Serpentinen hinunter in ein Flusstal und dann wieder steil hinauf. Nach der Umrundung dieser Bucht oberhalb von Aeropolis, gelangt  man nach Itilo. (Griechisch schreibt man das natürlich ganz anders: Oitylo oder ähnlich). Es liegt sehr schön am Hang, aber „tote Hose“ was Dinge betrifft, die eine Reisender brauchen könnte; jetzt in der Mittagspause ein Getränk zu bekommen, braucht Beredsamkeit. Hier gibt es keine Gäste und wenn sie kommen werden sie schnell abgeschreckt. Das ist in Griechenland oft ganz anders. Man muss auch eingestehen, dass unser mangelhafter Respekt vor der Mittagspause auf Unverständnis stößt.

Kunst in Aeropoli

Abb. 66b Aeropoli, „Kunst“ mit einfachen Mitteln

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Blumenpracht im Exo-Mani

Abb. 67b Volle Natur im Exo-Mani;
Ende der kargen Landschaft des Mesa-Mani

Wir sind jetzt gut 100 m oberhalb vom Meer und bleiben es für ca 30 km mit Ausblick über die messenische Bucht hinüber auf die messenische Halbinsel. Unendlich weite Olivenhaine, dazwischen Steine groß wie Autos. Gelegentlich Bienenkörbe entdecke ich, dann gleich in größerer Zahl.

Nach ca 7 km, kurz nach der heutigen Grenze von Lakonien nach Messenien liegt Ag. Nikon; es liegt  heute reizvoll vor einer Silhouette von eindrucksvollen, wolkenverhangenen Bergen. Auch ein Mani-Museum ist dort in der Gegend.

Die Grenze verlief nicht immer so; die Spartaner hatten sich dieses schöne Exomani gegriffen, aber sie wurden – man glaubt es kaum – 371 v. Chr. in der Schlacht von Leuktra von dem Thebaner Epaminondas geschlagen. Um die Begehrlichkeit zu kontrollieren wurde damals im Nord/Westen von Kalamata   Archaia  Messeni gegründet. Die Ruinen sind noch sichtbar.

In Kelefa  mal wieder eine Burg; allerdings ist sie schwer zugänglich.

Zwischendurch die ehrwürdige, alte Kirche: Ag. Metamorfosi. Ich bin immer noch weit oberhalb des Meeres; est  bei Ag. Dimitrios wird es wieder erreicht. Das ist nicht so einfach, bei Platsa die richtige Abzweigung hinunter zum Meer zu erwischen. Falls das nicht gelingt, wartet man bis Ag. Nikolaos. In den Notizen habe ich aufgeschrieben: „Wenn du diese Strecke gefahren bist, geht es dir besser!“  Das Exomani hat begonnen mich in seinen Bann zu ziehen.

Von Dinitri bis Kardamili auf eine Strecke ca.13 km wieder engen Kontakt zum Meer; sehr schön;  verständlicherweise nimmt der Tourismus wieder zu.

Stoupa ein größerer geplegter Ort. Hier kann man auch ausgefallene Dinge einkaufen, wie Flickzeug für mein Fahrrad. In der Nähe von Stoupa   hat der Dichter Nikos Kazantzakis in einer Höhle seinen Roman Alexis Sorbas geschrieben. Wirkt eine Höhle anregend auf den Schriftsteller? Oder ist der Schriftsteller von seiner Idee so besessen, dass er sogar in Höhlen schreibt?

In Kalogria (kurz nördlich von Stoupa) gibt es reichlich Campingplätze, die schönen flachen Sandstrände werden als familiengeeignet gelobt.

Proastio ist ein markantes Bergdörfchen. Ca 2 km oberhalb von unserer Uferstrecke entfernt. Dorthin habe ich einen müden Landmann mitgenommen.

< bei dieser großen Reise vor 6 Jahren habe ich diesen Ort unterschätzt; heute weiß ich mehr und berichte darüber weiter unten.>