Karte von Mittelgriechenland und Peleponnes

Karte Peleponnes und Mittelgriechenland

Fischzucht Griechenland, Poseidon

Abb. 28 Reich des Poseidon; Fischzucht

7. Mail

Ich habe erzählt, dass ich den Spuren des Odysseus und seiner zehnjährigen Irrfahrt  auf dem Landweg folge. Sein Ziel, der heimische Herd in Ithaka, liegt nahe dem Hafen, wo ich  an Bord gehe und definitiv den Heimweg einschlage. Mein Ausgangspunkt Alexandroupolis liegt recht nahe bei dem alten Troja.

Noch sind wir in der Argolis, auf der Peloponnes:

Aus Epidauros zurück zum Meer, nach Archaia Epidauros; es treten Hindernisse auf beim Versuch, den weiteren Saronischen Golfes zu umrunden. Die Küstenstraße ist mit einer Fuhre Dreck gesperrt. Einige Laster donnern so heftig durch, dass es mit der Behinderung der Durchfahrt nicht so ernst sein kann. Hier entsteht in Kürze eine schöne Höhenstraße. Ein Filmteam hat das auch gemerkt und bittet die Autos zu warten, da man gerade drehen will. Einige leichtere Erdrutsche lassen sich gut umfahren.

< 6 Jahre später war die Straße in einwandfreiem Zustand; nur haben wir uns ungeschickt angestellt, die Abfahrt in A. Epidauros zu finden, d. h. an der Küste zu bleiben.- Würde man nicht an der Küste bleiben, führte die S70 quer durch die Argolis über Ligurio und Arkadiko nach Nafplion. Wenn der Weg auch nicht direkt nach Mykene geht, so sieht man zumindest einige mykenische Brücken.>

Küste von Argolis Griechenland

Abb. 29 Schönheit der Küste der Argolis;
auf der Peleponnes gegenüber von Attika

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Insel Ägina im saronischem Golf

Abb. 30 Saronischer Golf zwischen
Peleponnes und Attika;

 

Ich bin an der Küste der Argolis. Es wird flach und lieblich, man durchquert zahlreiche Oliven-Haine. In Kalloni öffnet sich der  Blick auf die malerische Halbinsel Methana. Sie hängt an einer Landzunge, die aus  sumpfigem Terrain besteht.  Im Landesinneren der markante Fels von Trizina; dort ist auch ein archäologisches Denkmal (das ich nicht besucht habe); wie üblich wählten sich die alten Griechen schöne Plätze aus.  Bei Galatás taucht aus dem Meeresdunst das Weichbild der schönen Insel Poros auf.

< 6 Jahre später sind Moni und ich 8 Tage auf dieser Insel geblieben. -                      Wir kamen nach Poros dank der Einladung von Bernt. Wir hatten es gut und haben es sehr genossen, obwohl wir im April noch zu feige waren im Meer zu schwimmen. Ich will es nicht weiterfühen, denn „Insel“ ist nicht mein Thema.>

Festland, Inseln und Umwelt

Die Grundregel heißt: Inseln sind schöner, sauberer, freundlicher als das Festland. Leider ist es so, vermutlich hat es was mit dem Wohlstand zu tun. Bau-Ruinen gibt es auf den Inseln weniger häufig.

Strandverschmutzung Griechenland

Abb. 30b Meeresküste und ihre Gefährdung

Man muss ein Problem nennen, das Festland und Inseln gleichermaßen betrifft, auch wenn es unseren griechischen Freunden nicht gefällt: der Dreck an vielen Stränden ist unverständlich. Wir wissen nicht wie weit wir Touristen schuld sind. Die Politik ist schwer verständlich, die vor diesem Dreck die Augen zumacht. Plastikmüll ist der Hauptübeltäter. Eigentlich ist der Übeltäter das fehlendes Flaschenpfand.

Hätte es diese Plastikflaschen im alten Griechenland gegeben, würden wir uns heute auf einer 2 m hohen Müllschicht bewegen.  - Unter den Regulierungen ist auch das Rauchverbote ein Segen  für ein  Land, wo große Liberalität herrscht und jeder, überall alles fallen lassen darf.

Blick von Poros nach Galatas, Griechenland

Abb. 31 Poros; Blick aufs “Festland” nach
Galatas

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Blick von der Insel Poros nach Methana, Griechenland

Abb. 32 Blick von der Insel Poros auf Methana

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Blick von Poros nach Methana

Abb. 33 Gleiches Thema,
veränderte Komposition

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Hafen von Hydra, Griechenland

Abb. 34 Hydra, Glanz und Reichtum
der Inselwelt

Auf der Weiterfahrt , Argolis, Hydra, Didymon

Zum ersten Mal  sehe ich die großen Opuntien mit den tennischlägerartigen Armen, dazu viel Schilf und Zypressen.- 20 Kilometer nachdem ich Galatas hinter uns gelassen habe, erreiche ich Ermioni, einen malerischen Naturhafen. Von dort kann man die geheimnisvolle Insel Hydra   ansteuern. Wieder geht ein heftiger Landregen nieder.  In Kosta   gibt es sogar einen Flugplatz (ein Hinweis auf Reichtum und Bedeutung von Hydra).

Didymon, Gebirge auf der Argolis

Abb. 35 Didymon, Gebirge auf der Argolis

Hydra hat im Altertum und auch in der Neuzeit an seinem Ruf gearbeitet:   1957 spielte Sophia   Loren in einem Film „Der Knabe auf dem Delphin“ eine Schwammtaucherin und frischte den Weltruf auf. Melina Mercuri machte die Insel im Film „Phädra“ erneut zum internationalen Schauplatz. Seit 1966 steht die Insel unter Denkmalschutz: keine Autos, keine Betonburgen, nicht mal Plastikstühle oder Satellitenschüsseln. Das klingt interessant, besonders, wenn dir das ewige Geknatter der Zweiräder auf die Nerven geht. Ich will mich nicht in Hydra vertiefen, da es nicht mein Thema ist. Die Jugendlichen auf der Insel jedenfalls haben keinen Schaden genommen, obwohl sie nicht rumlärmen dürfen.

Porto Heli (im Original schreibt man Cheli, „chi“) ist ein sehr schöner Naturhafen, der von Kapitänen aus aller Welt geschätzt wird. Wegen seiner ungewöhnlich schönen Sandstrände auch ein beliebter Badeort. Die Baupolitik des Demos (= Gemeinde) ist zu loben (Klötze nein danke).

Und dann wird man über Kravidi wieder ins Landesinnere gezwungen und zwar durch das Didymon-Gebirge.

Didyma, Griechenland

Abb. 36 Didyma, Höhle durch Einsturz
von der übrigen Welt abgetrennt

Vor dem Aufstieg in dieses wilde, heroische Gebirge  erreiche ich Didyma. Die Sensation des Ortes habe ich zufällig entdeckt, nachdem ich irgendwo etwas gelesen hatte:

2 gewaltige Löcher im Erdboden. Drunten eine scheinbar unberührte Welt; eineeigentümliche Vegetation, als wäre dieser Flecken, von der übrigen Erde unendlich lange abgeschnitten gewesen.

Es sind eingebrochene Höhlen. Sie müssen eine Größe gehabt haben, wie sie von keinem menschlichen Bauwerk erreicht wird. Selbst die Hagia   Sophia   kann man bequem in eines dieser Löcher hineinstellen. Es soll einen geheimnisvollen Eingang in diese Schluchten geben. Fast so berühmt wie einer der Eingänge zur Unterwelt, die sich nach Homer am Südende von Mani befinden sollen.

In der Tiefe hat man sogar eine kleine Kapelle gebaut.Tatsächlich: Eine Gruppe Jugendlicher zeigt mir den Einstieg. Aber die Vernunft ist stärker als die Neugier. Es sieht so aus, als sollte man zu zweit sein, Seil und Schlafsack haben für den Fall eines ungewollt verlängerten Aufenthaltes.

< 6 Jahre später ist der Eingang sehr schön und weitgehend sicher eingefasst; wir besuchten die Kapellen in der Tiefe; diese waren auch damals nicht so unzugänglich wie es für mich den Anschein hatte. Trotzdem ein wunderbarer Ort, gerade weil er – zwar nicht unbekannt – aber nicht von Reisenden überlaufen ist.>

 

Nafplio Griechenland

Abb. 37 Nafplio; Sicht von Akronafplia/Palmidi auf
die schöne Stadt

Dann kam der Aufstieg ins Gebirge mit Marmorbrüchen und dem Blick über das Meer auf die Fortsetzung der Peloponnes nach Süden. Fern im blauen Dunst, das Land  Arkadien. Manche sind von dort nie mehr zurückgekommen.

Nach Norden wäre ich wieder zurück nach Epidauros gekommen; biege aber ab nach Süd-Westen zum nächsten Golf, Richtung erster Hauptstadt des modernen Griechenlands, Nafplio (geschrieben: Nauplion).

Die Verehrer dieser Stadt sagen, sie sei die schönste im ganzen Peloponnes, wenn nicht in ganz Griechenland. Es gibt hier alles, von der Universität bis zu Camping-Plätzen (Tolon). Auch für mich war ein Plätzchen dabei: unter einem Eichenbaum mit Meerblick und Meeresrauschen – keine Beschwerden.

Nauplio hat 3 Festungen:

·      Palamidi, auf dem Berg

·        Akronafplia, ebenfalls oberhalb der Stadt

Burdzi oder Bourtsi im Hafen von Nafplio

Abb. 38 Nafplio; Burdzi oder Bourtsi, die kleine
Festung im Meer. Von dort konnte man mit
einer Kette den Hafen absperren.

Geschichte von Nafplio in starker Vereinfachung

Nafplion ist so geschichtsträchtig, dass wir kurz zurückdenken müssen.          Die ominösen „Franken“ haben den Byzantinern das Leben schwer gemacht. Nachdem diese „Saubazis“ von Franken schließlich erreicht hatten, dass Konstantinopel und ganz Griechenland von den Türken einkassiert wurde, haben die Venezianer im Laufe der Zeit die Verletzlichkeit des Riesenreiches ausgenutzt und sich an strategisch wichtigen Plätzen festgesetzt. So auf der Festung Palamidi.

Während die Briten Gibraltar bis zum heutigen Tage halten, ging Palamidi nach einem einzigen Jahr verloren und es wurde wieder die Kopftuchpflicht auf der Burg eingeführt. - Allerdings kam irgendwann die griechische Befreiung.

Hier in Nafplion wurde 1832 Otto, der Sohn des Bayernkönigs Ludwigs I zum König von Griechenland gekrönt. Er residierte zuerst auf Palamidi. Ein guter Mensch, erfüllt von seiner Aufgabe als neuer "Chef". Leider war er  schlecht beraten. Er konnte sich nicht lösen von der Vorstellung eines  "Königs von Gottes Gnaden". Ich hätte ihm mal die "Perserkriege" erklären müssen: Hatten die Griechen doch mehrfach mit Erfolg  ausländische Könige von „Gottes Gnade“ verjagt. - Otto musste gehen und hat später in Bamberg residiert; er hat immer bei offenem Fenster geschlafen, in der Hoffnung, dass man nach ihm ruft und ihn  zurückholt. Seine griechischen Hofdamen blieben ihm treu, er und seine Amalie haben diese nach Bamberg mitgenommen und mit fränkischem Landadel verheiratet. So gibt es in Franken einige tüchtige Leute mit griechischen Vorfahren.

Grenze Zeus, Poseidon

Abb. 39 Grenze Zeus und Poseidon

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Bahnlinie Nafplio - Pelepónnesos

Abb. 40 Bahnlinie Nafplio - Pelepónnesos

In der Stadt gibt es türkische und byzantinische Bauten und einen venezianischen Palast. Alles wirkt lebhaft und bunt; malerisch. Für weiträumige Parkplätze ist am Meer nahe dem witzigen Bahnhof (Siderodromos) gesorgt. Es gibt Züge

- nach Athen und

- über Tripolis tief nach Arkadien. Ob und wie es dann weitergeht, versuchte der nette östereichische Schwede Albert rauszukriegen. Er hatte Erfolg; das gelingt nicht immer, denn dieser Zug hat seine Geschichte und seine Probleme. Albert jedenfalls hat mir zuletzt aus Kuba geschrieben; „Sage nie es geht nicht weiter“.

< leider war 2010 anscheinend endgültig Schluss mit der Bahnlinie.>

Türkisches Bad in Griechenland

Abb. 41 Nafplion; türkisches Erbe (Bad)

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Altstadt von Nafplion, Griechenland

Abb. 42 Durchblick Nafplion

Leider ist Nafplion nicht toll in Schuss; einiges wirkt ziemlich baufällig; Die Sicherheit ist eingeschränkt. Es war aber eine Einstimmung für das, was ich (leider auch) in anderen Städtchen sehen muss (Githio). Die griechische Küste leidet unter der Landflucht, Mangel an Perspektive und Geld. 

Soll man nicht Nafplion unterstützen? Ist es nicht ein interessanter Studienplatz? Mein favorisierter Studienort bleibt Padua.

 

Exkurs: Archäologiegeschichte von Mykene

Aber ein anderer Abstecher ist fast zwingend: nach Norden zu einem Denkmal Griechenlands -  einem Denkmal der Menschheit. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind die Schlossherrn von Mykene die Akteure der Ilias des Homer.

Interessant, wenn Dichtung auch an Zeit und Ort festgelegt werden kann; sie ist allerdings nicht darauf angewiesen. Sie braucht keine Hardware. Sie kann im Kopf eines einzelnen Menschen erhalten und weitergegeben werden. So hat Homer die Zeiten gut überstanden, obwohl man Mykene lange vergessen hatte.

Wie kamen Homer und Mykene nach dreieinhalbtausend Jahren wieder zusammen?

Die Vorgeschichte ist etwas länger:Die mittelalterlichen Kirchenväter haben das Interesse an der griechischen Literatur, besonders am griechischen Denken (Aristotheles), belebt. Dann setzte in der Renaissance ein Boom ein, der Kunst und Literatur einbezog und auch nicht vor den Ideen (Demokratie) Halt machte.

Das Interesse wurde erst im 18. Jahrhundert mit Winkelmann und seinen Nachfolgern richtig belebt. Diese führten den Beweis, dass das antike Griechenland nicht wie Atlantis vom Erdboden verschluckt sei, sondern dass es dieses noch gibt. Viele, sogar mein alter Freund Schiller, haben (nur) in der Phantasie die alte Welt wiederbelebt. Er ist nie auf den Parthenon steigen oder hat das Theater in Epidauros  besuchen können. Das stand ja seit mehr als 200 Jahren unter türkischer Herrschaft. So wie in Schillers Gedicht – wurde die Frage lauter, ob Hellas für immer verloren sei; andere Dichter, wie der vom Weltschmerz gequälte Lord Byron, waren sogar bereit, nicht nur demonstrativ über den Bosporus zu schwimmen, sondern die Waffen zu ergreifen. Ein gefährliches Unterfangen.

Wie sollte das gelingen, was 400 Jahre lang nicht versucht wurde? -Diese Zeit erweckte einen Heinrich Schliemann. Er lebte in der Überzeugung, dass die Ilias kein Märchen, sondern ein knallharter Kriegsbericht sei. Er  hat sich im Wesentlichen auf den Geschichtsschreiber Pausanias aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. (Perichegesis) gestützt.  –War die Ilias eine Anleitung zum "Graben" ? Was als „dunkle Phantasien der Seele einer werdenden Menschheit“ galt, sollte das ein historisches Faktum sein?

Heinrich Schliemann wurde der Sieger und Verlierer eines Phänomens. Die Psychologen beschreiben es: Einstellung färbt die Wahrnehmung.

Er hat das gefunden, was er gesucht hat und das gesucht, was er gefunden hat. Seine Einstellung war unseriös, aber sie hat ihm Glück gebracht. –

Er erinnert mich  an "Bär und Tiger" von Janosch, die sich aufmachen, Panama zu entdecken.

Schliemann hat sich nicht nur im kleinen Kreise der Homerkenner, sondern auch vor der ganzen Welt gerechtfertigt. "Ich fand unermessliche Schätze, die genügen würden für sich allein ein großes Museum zu füllen, welches das wunderbarste der Welt sein wird". - Inzwischen ist gesichert, dass einer seiner spektakulären Funde die „Goldmaske des Agamemnon“ diesem nicht gehörte, sie ist trotzdem großartig, genauso wie das Löwentor und das Schatzhaus des Artreus.

Durch seine Kunstfunde (auch in Troja) hat Schliemann die Märchen – manchmal gewaltsam - in die Wirklichkeit zurückgeholt. Es gab  tatsächlich ein mächtiges Königschloss nahe dem strategisch wichtigen Isthmus von Korinth, und da   war eine heilige Stadt Ileon (=Troja) nahe dem Übergang von Europa   nach Asien. Dass die "schöne Helena" der Kriegsgrund gewesen sein soll, behauptet Homer mit solch übertriebener Ernsthaftigkeit, dass es ihm noch nie jemand geglaubt hatte.

"Zur schönen Helena" heißt jedenfalls die Pension in Mykene, in deren Zimmer Nr. 3 Schliemann sein Quartier hatte. Das war zu der Zeit, als ihn noch alle Welt für verrückt hielt. - Mir fällt Kolumbus ein. Seine Unternehmung war gefährlich. Röntgens Entdeckung war gefährlich. Es hätte sein können, dass diese Strahlen das Leben des Experimentierenden vernichten. Die Landung auf dem Mond war gefährlich. Für die Astronauten und auch für die übrige Menschheit.

Homer hat eines verstanden, und  allen seinen Nachfolgern vom literarischen Fach weitergegeben. In beiden Kriegsparteien gibt es Leute mit  sympathischen Zügen;auf beiden Seiten finden sich auch üble Lumpen. Homer hat einen  pazifistischen Zug. Der Tag der Heimkehr (ein fester Begriff) wird zum Tag, wo Opfer ihren Mördern begegnen. Homer entschuldigt das mit den sowieso schwierigen Familienverhältnissen bei den Artriden. Urgroßvater Tantalus hatte schon psychopathologische Experimente gemacht. Wer sie nicht kennt, dem muss ich sie nicht schildern.

Alter Balkon in Nafplion

Abb. 43 Nafplion, es bleibt Arbeit im Städtchen

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