Karte von Mittelgriechenland und Peleponnes

Karte Peleponnes und Mittelgriechenland

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Ihr Lieben zu Hause,

Obwohl ich schon am Ionischen Meer bin, stecken meine Aufzeichnungen noch bei den Thermopylen fest! – Um von dort nach Süden zu kommen, muss auf die Autobahn (aftokinetodromos). Die Seen Ylki und Paralimni , umgeben von schroffen und kahlen Bergen, sind faszinierend. Diese , glaubt man,  müssten zum Meer gehören, aber es sind Binnenseen. - Es regnet wieder; wie so oft im April.                                                                                                                   Ein nasser Hund erinnert mich an meine eigenen Empfindungen in Thessaloniki, und ich gebe ihm etwas von meinem Feta  (als ausschließliches Nahrungsmittel nicht geeignet). Es ist schon erstaunlich, wie der arme Hund nach 2 Minuten darauf besteht, mich niemals wieder zu verlassen. Ich musste ihn mit sanfter Gewalt abhängen. 

Endlich bei der Ausfahrt Theben, heute etwa gesprochen Thivä, fahre ich nicht nach rechts hinaus zur alten Stadt, sondern nach links über das Dörfchen Murkion nach Chalkis (vor a  und o ist das chi so ein gehauchtes schwiezerisches ch, wie Docht. Ansonsten ist es ein ch wie ich).

Chalkis hat zwei Gesichter:

- Das eine ist Industrie, verrottete Schiffe und Müll; nicht so schlimm wie angekündigt, nur landesüblich.

- Das andere Gesicht ist gefällig, richtig mondän: Die Uferpromenade in Chalkis ist die große Bühne, auf der  Schauspieler und Zuschauer die Rollen tauschen.

Der Blick auf diese Meerenge ist reizvoll, die Preise für den Kaffee von 3 Euro ist ungewöhnlich. –

Diese Stadt hatte in der Antike natürlich eine große Bedeutung als Zollstadt. Viele Schiffe mieden das offene Meer und suchten den (schon mehrfach angesprochenen) Kanal zwischen Euböa   und Mittelgriechenland.

Sehr fraglich erscheint mir die Anekdote, dass sich Aristoteles im Zorn, dass er das Geheimnis der vielfachen täglichen Strömungsänderung in dieser Wasserstraße nicht lösen konnte, in die Fluten warf. (Hat er einen epileptischen Anfall bekommen und ist dabei abgestürzt?).

Es gibt jetzt eine 2. Brücke über die Landenge, hinüber nach Euböa, eine moderne Hängebrücke.                                                                                         2 schwere Unfälle. Ein Sportwagen und ein Betonlaster. Beide offenbar ohne weitere Beteiligte.

Der Touristen-Magnet Chalkis hat einen Nachteil: Ich finde in der Umgebung kein Quartier. Ich solle zurück nach Chalkis ins "Eagle Palace" oder "Britannica. Das will ich aber nicht.                                                                                        Am Schluss blieb ich im "Aftokineto Paraglia" mit Laternenbeleuchtung und fließend Meerwasser. Habe in dieser sehr günstigen Hotelkette  5x übernachtet, wobei der Renault-Konzern nicht so bequem ist, wie in  guten, alten Zeiten die Firma Citroen mit den beiden Pünktchen auf dem e. - Das war noch Komfort. Damals gab es auch immer zum Frühstück die italienische Salami, die man hier überhaupt nicht anbietet.

Am neuen Tag führt der Weg an der Küste entlang bis Amphiareon. Dieses Heiligtum ist weniger bekannt als die 3 wichtigsten klassischen Gesundheitszentren Epidauros, Pergamon und Kos. - Dieser Tempel  ist nicht dem bekannten - für die Heilkunde zuständigen - Gott Apollo oder der Göttin Hygieia   geweiht, sondern einem Amphiaraos.  Der Heilschlaf spielt in diesen Mauern eine große Rolle.

Ich muss dazu sagen, dass dieses Heiligtum  zu Recht weniger bekannt ist, es taugt nichts. Ich bekam Zahnweh. Das war einer der Gründe, warum ich mich im folgenden Reise-Etappe so unmöglich verfahren habe und in Marathon ganz vom Weg abgekommen bin.

Marathon liegt im Hügelland, hat aber eine Dependance am Meer. In der findet sich ein Stausee, der Athen mit Trinkwasser versorgt.

Der Ort steht für  die Fassungslosigkeit des Perserkönigs, dass die Athener es wagen konnten, sein heiliges Heer anzugreifen. (Wie ich bereits fleißig geschildert habe).                                                                                              Die Athener, unterstützt von einem Häufchen Platäer, hatten  merkwürdigste Sitten eingeführt, nämlich den Wechsel des Oberbefehls, sogar an jedem Tag; und ein frecher Miltiades (offenbar aber auch ein genialer) sorgte an jenem denkwürdigen Morgen für eine Veränderung der Geschichte in Europa. Freilich konnten es die Atener kaum selber glauben. Einer ist in seiner Rüstung nach Athen gerannt. Diesen Unsinn macht man seither immer wieder nach. Sagt nicht weiter, dass er mit Rüstung gerannt ist, sonst haben wir demnächst noch mehr Einweisungen (siehe Überlastungsschäden am Knochen und Gelenken; der erste Beitrag auf meiner site).

Glaubt bitte nicht meinen ironischen Ausführungen. Sicher gilt die orthodoxe Auffassung: Die rasche Information der Athener war aus strategischen Gründen erforderlich –                                                                                                     Unstrittig ist: Maraton hat das athenische Selbstbewusstsein gewaltig angehoben. Gleichzeitig war man aber sauer auf die Spartaner, die gesagt hatten, bei einem gewissen Stand des Mondes könnten sie leider nicht kommen. Dieses Argument erschien schon in der Antike außergewöhnlich dumm.

Wrawrona, (=Brauron) ist ein landschaftlich reizvoller Platz am Meer mit den Resten eines Heiligtums des Artemis.                                                              Das  Bild der Göttin (die Ikonentradition wurzelt in der Antike) hatte nach der Sage Iphigenie aus ihrer Verbannung in Tauris hierher gebracht. - Mit den Göttern und ihren Bildern wurde immer Politik gemacht. So schmeichelte sich der Athener Diktator Peisistratos (zufällig in Brauron geboren) bei den Athenern ein, indem er den Kult der Artemis brauronia  auf der Athener Akropolis einquartierte. Damit hatte Athena   Gesellschaft. Sie, die kühle Jungfrau für den klaren Verstand, zuständig für den wohlberechneten Erfolg (Sieg),               Artemis dagegen für die Leidenschaft, aber auch die glückliche Geburt zuständig. Artemis hat mehr weibliche Züge, ist aber trotzdem mit Pfeil und Bogen unterwegs und tummelt sich auf der Jagd. -                                               Leider stehen jetzt nochmals einige Berge mit Klöstern im Weg.

Von der angeblich landschaftlich sehr schönen Straße bis Kap Sunion habe ich nichts bemerkt vor lauter Baustellen. Die klassische Marathon- Athen -Strecke wird vierspurig ausgebaut. Das muss sein. Falls diese Bauten zu den Sportanlagen gehören, darf man bemerken, dass der Ausbau nicht sonderlich fortgestritten ist. Aber die Griechen sind zuversichtlich, zumal dieses Jahr ein Schaltjahr ist, und folglich ein zusätzlicher Tag zur Verfügung steht.

Auch der Marathonlauf ist selbstverständlich ein griechisches Prestige-Projekt. Es erhielt Aufwind, als 1896 der Grieche Spiridion Louis unerwartet "Gold" gewann. Er war der einzige, der bei der Hitze nicht kollabierte. -

Lauter S charakterisieren das folgende Wegstück:

Stop an’ go; Schlaglöcher, Sauwetter, GeStank.

Ich kann es trotzdem noch nicht fassen, dass ich plötzlich in Athen bin.           Bei dieser Fehlleistung hat eine Rolle gespielt, dass meine Vorstellung vom Kap Sunion zeitlebens falsch war: Man kann so eine dumme Geschichte überhaupt nicht erzählen: Im Osten von Griechenland ist doch die Ägäis. Über dem Meer geht auf allen Postkarten die Sonne so schön unter. Also hat sich bei mir die Überzeugung festgesetzt, dass die Sonne hier einmal eine Ausnahme gelten lässt und im Osten untergeht.                                                                             In Wirklichkeit ragt Kap Sunion ins Meer hinaus, sodass wir nach Westen sehen: Die Abend-Sonne versinkt blutrot im Meer und die Fischer werfen im hohen Bogen ........den letzten Müll über Bord.

Also ich kam mitten rein in dieses  Konzentrat aus 8 Millionen Autos und einer Million nicht genehmigter Bauwerke ( ich erkläre gleich warum). Der Smog ist so massiv, dass er einen eigenen Namen hat: Nefos.                                         Autofahren in Paris ist gemütlich, im Rom unterhaltsam, in Chicago entspannend. Ich sage es aus Erfahrung. In Athen ist es anders. Der Autoverkehr in Athen ist nicht gut für die Koronarien. Wenn ein dummer Tourist sich wagt ein Schild mit diesen ehrwürdigen aber ungewöhnlichen Buchstaben zu entziffern, geht hinter ihm ein vielstimmiges  Hupkonzert los: Hier geht es schon seit 4000 Jahren nach Korinth.

Also habe ich einen Plan gefasst, nämlich den Vorort Daphni anzusteuern. Von dort fährt eine traumschöne U-Bahn durch sämtliche archäologische Schichten mitten in die Stadt.

Ich habe "Daphni" auch gefunden. Aber dort gab es keine Bleibe.- Ich ließ das Auto dort stehen.                                                                                          Mitten in der Stadt fand ich ein Hotel in der  Nähe des Omonia-Platzes   (kann ich mir leicht merken). Diese Strasse ist touristisch  wenig bekannt und gilt als Tipp der Einheimischen: Themistokleu Odos.

Die Akropolis ist ein Ort, an dem manche Besucher beschließen, ihr Leben zu ändern. -Auch die Altstadt, die Plaka und das archäologische Nationalmuseum sind Weltklasse; das letztere  besonders dann, wenn es geöffnet ist. Mir haben sie nicht gezeigt: die Goldmaske des Agamemnon, die in Wirklichkeit Agamemnons Urgroßvater gehört und auch nicht die am Kap Artemision aus dem Meer gefischten Statue. Schon länger ist die Fachwelt sicher, dass es sich  nicht um Poseidon sondern um sein Bruder Zeus handelt, der keinen Dreizack, sondern Blitze schleudert.   

Orientieren in Athen

Mit den Himmelsrichtungen in Athen hatte ich leichte Schwierigkeiten. (Diagnose: „Kap Sunion Syndrom“). Manchmal hast du eine falsche Vorstellung, die dann nur mit Mühe zu korrigieren ist.                                                             Ein schöner und nützlicher Orientierungpunkt ist der Lykavithos-Hügel mit seiner  Kapelle des Heiligen Georg. Man kann vom Süden mit der Seilbahn hinauffahren. Zwischen diesem Hügel und der Akropolis ist der große Park am Syntagma-Platz. Da   findet man auch die große Mitropolis, die klassizistische Nikolauskirche und eine Menge Museen.

Ein weiteres Hilfmittel zur besseren Orientierung ist eine 1. Runde um die Akropolis über Plaka   und Agora. Der Hephaistos Tempel wird zu wenig beachtet und gewürdigt.

Eine 2. Runde durch die Stadt ist lehrreich, und ich empfehle sie als „Schmitt’sches Dreieck zum Verständnis von Athen“ und lasse sie als Warenzeichen schützen. Jeder der diese Runde macht, darf kostenfrei in den Thermopylen baden.                                                                                             Nach diesem Rundgang fällt es den Reisenden wie Schuppen von den Augen und sie überschütten mich mit Bezeugungen des Dankes in Form von Postkarten der Akropolis.

Das Dreieck besteht aus:

Synthagma, Omonia   und Monaseriou (= ist die U-bahn-Station der Akropolis).

 

Exkurs: Was man aus dem Leben in Athen erzählt

Ein fester Begriff ist in der griechischen Soziologie die Prika, die Mitgift. Eine Tochter hat ein Haus oder mindestens eine Wohnung mit in die Ehe einzubringen. Und sie muss Jungfrau sein. Die Immobilie bleibt oder blieb während der Ehe im Besitz der Frau und sicherte dadurch ihre Rechte und ihren sozialen Status. - Gäste die ein Zimmer suchen, werden meistens von der Mutter in Empfang genommen. Der Mann darf zuhause nicht ohne weiteres die Wände herausbrechen; er darf ins Cafe-Haus gehen und irgendwie Geld verdienen (was er aber in die Ehe mitbringen soll ist eine Ausbildung).

Wenn so ein armer Grieche - 4 Töchter hat, gerät er unter Druck. Schliesslich bleibt nichts anderes übrig: die Baugenehmigung wird nicht abgewartet. < schon 2004 waren diese Regeln durch Gesetz verboten oder zumindest stark gelockert.>

Eine wichtige Funktion hat in Griechenland der Trauzeuge, er muss bei der Hochzeit das zun, was man schwäbisch, "zemme-mache" nennt (in klassischem Deutsch: "Etwas bieten").                                                                                     Dafür bekommt er, falls er Arzt ist, sein ganzes Leben lang, die Krankenscheine von der ganzen Großfamilie, als Politiker bekommt er die Stimmen, als Architekt die Aufträge etc. Oder man geleitet zumindest zimmersuchende Fremde zum Trauzeugen.

Als ich jetzt Zahnweh hatte, hat der Portier vom Hotel keine Mühe gescheut, mich über 8 Straßenkreuzungen zum Sohn seines Trauzeugen zu bringen.     Der hat mich gut behandelt. Erst hat er - für mich einleuchtend - gesagt: den muss man extrahieren. Dann hat er sich doch überreden lassen: den Zahn aufgebohrt und gekillt (wenigstens zu 90Prozent). Das gibt dem Besitzer des Zahnes die Illusion, dieser sei wieder gesund. - Er hat ein digitales Rö-Bild gemacht (2004). Diese Technik habe ich jedenfalls am Zahn noch nie gesehen. Das habe ich auch gesagt. Verschwiegen habe ich, dass das Bild verbessert werden könnte.  < Mit Sicherheit ist es heute besser, denn die Griechen sind auch als Ärzte gut>

Griechen helfen weiter. Sie sind viel zu pragmatisch: der Gast braucht ja  was zum Essen und man kann ihm was verkaufen.Arbeit ist für die Griechen Erhaltung des Lebensunterhaltes.                                                                      Die Menschen erkundigen sich regelmäßig bei mir missbilligend nach dem Verbleib der Ehefrau. Nach der Zahl der Kinder. Nie hat jemand nach dem Beruf gefragt. Ein Wort für Beruf soll es nicht geben. Man macht das, was man gelernt hat oder etwas ganz anderes.

Die Griechen arbeiten gerne weit draußen in der Welt und sparen für das „Häusle“, das alte, ganz tief drinnen in Griechenland – auf dem Pilion, auf dem Mani...... Das individualistische und demokratische Element macht sich gelegentlich (scheinbar) störend bemerkbar: Wenn einer den Weg erklärt, kommt bestimmt ein Zweiter, der ihm heftig widerspricht und den Weg ganz anders beschreibt.

Die griechisch-orthodoxe Kirche ist in vieler Hinsicht sympathisch, die Priester heiraten vor der Priesterweihe. Es gibt die Orthodoxie seit 1000 Jahren. Sie hat sich im Jahre 1000++ von der heiligen römischen Mutterkirche abgespalten; es ging um eine dieser tiefsinnigen Fragen, ob der heilige Geist nur von Gott Vater oder von Gott Vater und vom Sohn zugleich ausgeht. (Konzil von Nizäa; ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Trennung war der Bann 1066).

Einen genauso possenhaften Streit hat sich die Christenheit ja   bereits 700 Jahre früher mit der Frage geliefert, ob Gott drei Naturen mit einer Person oder eine Person mit drei Naturen sei. Die Sache wurde damals vom Typhusbazillus entschieden. Der weitaus klügere Arius bekam bei dem Konzil einen scheußlichen blutigen Durchfall und verstarb; sein Gegenspieler Athanasius triumphierte. Deshalb sind wir Athanasianer und verachten die Arianer. - Bei vielen von uns hält sich die Verachtung in Grenzen. Ja ich fürchte sogar, dass einige heimlich mit Arius sympathisieren.

 

Verlauf des Aufemthaltes und Abschied von Athen

Ich habe einen Fisch gegessen für 27 Euro. Nachher ist mir schlecht geworden. - Das war nicht geschäftstüchtig mir diesen Fisch zu verkaufen. Seither bin ich nicht mehr in ein Restaurant gegangen. Das ist überhaupt ein  Problem. In Attika ist alles ziemlich teuer, wenigstens in Athen. Diese Entwicklung läuft nicht gut. Der Fremdenverkehr entwickelt sich nicht richtig. Zu wenig Gäste außerhalb der Hochsaison. Besonders in den weniger privilegierten Gebieten.

< 6 Jahre später war ich weit weniger pessimistisch. Inzwischen habe ich auch die spanische Küste bereist; dass dort etwas sehr ungesund läuft, war offensichtlich. So viele Urbanizationen können gar nicht anständig finanziert sein. Von daher scheint mir 2010 die Entwicklung des Tourismus in Griechenland deutlich vernünftiger.  Hoher Preise fielen mir bei diesem 2. Besuch weit weniger auf. Ich war mit Griechenland zufrieden; hoffentlich auch umgekehrt. Im klassischen Land des Gastfreundes müssen wir mithelfen, dass wir positiv in Erscheinung treten. >

Von Athen geht’s noch weiter am Saronischen Golf entlang der attischen Küste und zwar 40 km auf sehr schöner, küstennaher Straße, parallel zur Autobahn. Wenn man Korinth erreicht, hat man die Hälfte dieses Golf umrundet.             Vor Korinth liegt Eleusis (spich Elefsina), Schauplatz eines geheimnisvollen Kultes der Antike. Diese Mysterien standen tatsächlich allen Menschen, auch den Unfreien, offen. Allen Teilnehmern wurde ein Schweigegelübde abgenommen. Daher wurde das große Geheimnis von Eleusis (Elefsini) bis auf den heutigen Tag gewahrt.                                                                                 Es ist - neben Olympia   und Delphi - eines der gesamtgriechischen Heiligtümer. Im Zentrum des heiligen Bezirks steht das Telesterion. Ein 50 x 50 m messendes Quadrat, teilweise in den Felsen hineingehauen. An den Seiten fanden die Teilnehmer der Mysterienspiele auf treppenförmigen Sitzreihen Platz.

Schiller, der nie nach Griechenland reisen konnte, hat das Mystische eingefangen:                                                                                                      "So singend tanzen sie den Reigen                                                                   Und Stille wie des Todes Schweigen liegt überm ganzen Hauseschwer,                als ob die Gottheit nahe wär".

Göttliche Chefin der Mysterienspiele war Demeter, die Göttin der Natur, des aufkeimenden Lebens (heute würde man sagen, die Göttin des bei zunehmendem Mond geschlagenen Holzes).

Exkurs:

Lassen wir die modernen Verdummungen beiseite;                                            im Ernst: Demeter ist  die Göttin, die den Übergang des Menschen vom Jäger zum Ackerbauern symbolisiert. Nach meinem Gefühl ist sie es, die dem Menschen das „Samenkorn“ (Saatgut) gebracht hat und damit eine außerordentliche Vermehrung des Menschengeschlechts möglich machte.

Demeter hat die negativen Nebenwirkungen verschwiegen, als sie feierlich den Menschen - wahrscheinlich den Frauen - das Samenkorn in die Hände legte. Ich glaube, es waren die Frauen, denn die Männer mit ihren leichten körperlichen Vorteilen bei der Jagd hatten plötzlich weniger zu sagen. Die weibliche Erfahrung gewann an Bedeutung; es kam jetzt auf den langen Atem an, den die Frauen von Schwangerschaft und vom Aufziehen der Kinder verinnerlicht hatten.

 Mit dem Ackerbau gab es neue Probleme, aber auch Lösungsversuche.

Ein Problem war die Notwendigkeit, Vorräte anzulegen. Wie baue ich Vorratsspeicher, halte sie wasserdicht, und wie schütze ich sie vor Mäusen? Also musste sich Demeter z.B. auch um die Zucht der Hauskatze kümmern. Diese genoss im alten Ägypten Verehrung als tüchtige Mäusefängerin.       Große weitere Probleme war mathematischer Natur. Die Zahl der Menschen in einem Gemeinwesen wuchs über die Zahl der Finger und Zehen hinaus. Wie sollte man über 20 hinaus zählen?  - 5000 Jahre lang hielt man das Problem für unlösbar. Dann kamen zuerst verlachte, dann langsam akzeptierte Lösungsvorschläge.

Es waren plötzlich auch "Leute mit zwei linken Händen" gefragt, wenn sie nur z.B.ausrechnen konnten, wie viel Getreide 489 Menschen über 237 Tage an Vorrat brauchten, wenn man jedem jeden Tag 2 Hände voll Getreide zubilligte. Wie bilde ich  Leute mit solchen Kenntnissen aus, und sorge für Nachwuchs?

Das war das Samenkorn und seine Folgen.- Ein anderer Fortschritt war das Feuer. Nach der Sage brachte Prometheus den Menschen die Segnung des Feuers. Es bekämpfte den Hunger, da die Nahrung besser ausgenutzt wurde, aber er schaffte auch bisher nicht gekannte Probleme. -

Erst Kaiser Konstantin hat sich von diesem alten Götter-Glauben abgewendet. Das wird von christliche Mythen ausgeschmückt und ausgesponnen. (Sieg an der Milvischen Brücke, siehe meinen Aufsatz über August Buxbaum www.wolfgang-g-h-schmitt.de/abuxbaum-rom/

Konsequent verboten die Nachfolger des Kaisers das heidnische "Theater".  Seit 1500 Jahren müssen die Eleusischen Mysterien ruhen; freilich ohne ihr Geheimnis preisgegeben zu haben.

Ich habe auf diesen mystischen Steinen sitzend, weiter nachgedacht.

Der griechische Verstand  hat den Einzelmenschen entdeckt. Das heißt, man hat sich die Aufgabe gestellt, den Einzelmenschen als Größe X anzunehmen. Dann ging es darum verstandesmäßige Aussagen zu machen über den Wert des Individuums, seine Möglichkeiten zu Erkenntnis, seine Verantwortung.

Man hat auch die Gefühle der Menschen erforscht z.B. in den griechischen Tragödien und Komödien. Gibt es den guten Menschen? Gibt es das Schöne?“ Antigone im Drama   des Sophokles soll ihren Bruder nicht beerdigen, weil das Gesetz es verbietet. - Sie kommt zu dem Schluss, dass es etwas gibt, das wichtiger ist als Macht und Staatsräson, nämlich die Menschlichkeit.  Menschengesetze sind von Menschen gemacht, aber im Gegensatz zu Locke erkennt sie jenseits von menschlichen Eitelkeiten einen Wert, der unantastbar ist. - Ein Geschenk, ähnlich dem Samenkorn der Göttin Demeter.               Andere nähern sich dem Zwiespalt zwischen Verstand und Gefühl anders. So Sokrates, den die eingeschränkte Möglichkeit der Erkenntnis bedrückt: "Ich weiß, dass ich nichts weiß. Jene aber wissen nicht, dass sie nichts wissen, also weiß ich mehr als diese". - Na, jetzt verstricke ich mich zu stark in die Mysterien von Eleusis.

 

Zur Geographie der Pelopónnes:

der Saronische Golf trennt Mittelgriechenland (Attika) und die Argolis (Peloponnes).

Noch sind wir an der  südlichen Begrenzung von Mittelgriechenland  - auf dem Weg von Athen bis zum Isthmus von Korinth - später kommt die Küste der Argolis.

Die Argolis ist der östlichste und nördlichste der vier Finger der Peloponnes, sozusagen der Daumen. Es ist eine Frage der Definition, ob wir 4 Finger benennen oder 3;

man kann auch die Argolis getrennt sehen und von                                           drei Fingern der Süd- Peloponnes sprechen.- Diese Nomenklatur wird im „Lonly planet“ verwendet. Nur die Süd Peleponnes wird ins Auge fassen (Argolis und wird beim Zählen ausgeschlossen

Ob drei oder vier, wie benennen wir diese „Finger“ der Pelopónnes?

- Der erste Finger oben und im Osten ist klar, benannt nach der Stadt Argos.

- Der zweite hat keinen Namen, benennt sich durch die Städtchen Monemvassia   (***) und Neapolis (so heißen alle griechischen Städte, wenn die Namen ausgegangen sind).

- Dritter ist Mani und

- der vierte Messenia   (von dort wurde das sizilianische Messina  geplant und  gegründet; der Gleichklang ist also nicht zufällig:)

Mani ist dann der zentrale Zipfel der Süd- Peleponnes; umrahmt vom westlichen und östlichen.- Wenn man dort war ist alles so einfach und logisch; man braucht kein Wort mehr verlieren!

Zurück zum Landzipfel, an dem die Peleponnes hängt, dem Isthmus. Man kann diese gewaltige Halbinsel  trockenen Fußes erreichen.                                     Auf der westlichen Seite dieses Isthmus von Korinth liegt der Golf von Korinth. Auf der östlichen Seite der Saronischen Golf.

Nahe dem Isthmus liegt Akrokorinth, ein Punkt der ins Auge fällt, eine natürliche Festung aus Kalk (Aphrodite Heiligtum). Modifiziert durch Römer, Byzantiner, Franken, Venetianer und Türken.                                                                     Paulus predigte mit wechselndem Erfolg gegen die verderbten Sitten.

Mittendrin im Saronischen Golf liegt ein Schmuckstück, die Insel Ägina.       Leider überspringen wir sie, weil sie nicht zum Thema „Küste/Festland“ gehört. Schade, wer hat denn diesen  Plan gemacht? Schade wegen des gut erhaltenen Aphaia-Tempels (480 v. Chr. erbaut, also ungewöhnlich alter dorischer Tempel). Auch der Hera-Tempel in Olympia   ist so alt .                                    Man bekommt den Blick dafür. Du kannst dem erfahrenen Griechenland-Besucher eine Säule zeigen, und er sagt: "Hera - Olympia!".

Ägina   besitzt die merkwürdige Ruinenstadt Paliochora  (das ch wie bei „Docht“; Geisterstadt seit 1800), die so viele Kirchen besessen haben soll, wie das Jahr Tage hat. (Das glaube ich gerne seit dem Besuch von Proastio auf dem Mani).Die Preise auf der Insel sollen allerdings der Fülle der Urlauber angepasst sein. -

Es gibt in Griechenland eine Straße des teuren Kaffees. Sie verläuft von Chalkis über Athen nach Ägina.   Ausgenommen sind Medikamente, Arztbesuche und Benzin.

< 2010 habe ich eine Regel gelernt: Auf dem Markt ist es günstig, im Supermarkt teuer. Bei uns ist es umgekehrt. Und Medikamente sollte man nur in Griechenland kaufen.>

Ägina   hat die Form einer Schildkröte.  Die Insel besaß in der Antike auch ein besonderes Geldstück in Schildkrötenform, was sehr bekannt, beliebt oder verhasst war. Geld ist nur verhasst, wenn man etwas missliebiges damit macht. Die Äginesen haben billiges Getreide eingekauft. Wo?

In Ägypten natürlich. Und die griechischen Bauern, denen der Nil nicht beim Wässern geholfen hat, haben noch weniger verdient. - Solche Sachen machen verständlich, warum es zwischen Athen und Ägina Zoff gab. Andererseits hat dieser Streit die Athener zu Seeleuten gemacht.

Zurück zum Thema und zur Route:

Am Kanal von Korinth ist Attika zu Ende. Hier beginnt das Landleben der Pelopónnesos (weiblich!). Merke: Kórinthos (Betonst du dies nach deutscher Art auf dem i, kennt kein Grieche dieses Wort, man schickt dich ohne böse Absicht.... in die Pampa).

Im Altertum gab es einen Schleppweg (Diolkos), um Schiffe auf dem Landweg über den Isthmus zu wuchten. Grausame Arbeiten hat man den Menschen zugemutet. - Bereits in der Antike versuchte man die Landdurchstechung. Gerade die großspurigen Cäsaren hatten Gefallen an einem solchen Projekt: Cäsar, Caligula und Nero. Trotzdem ist der Kanal erst 1893 fertig geworden. Um es Euch – liebe Leser – und mir selber noch mal einzuschärfen:  er verbindet den Saronischen Golf mit dem Golf von Korinth, also im weiten Sinne mit dem Jonischen Meer.

 

Exkurs: Sagen und Mythen der Pelopónnesos

Sie ist die Insel des Pelops, eines Urvaters jener Könige, die den Trojanischen Krieg angezettelt haben (sollen). Einer in der Ahnenreihe heißt Artreus; deshalb heißt die ganze blutrünstige Familie die "Artriden".

Ein berühmter Artride war der übermütige Sisyphos.                                         So menschlich sich die griechischen Götter benahmen, mussten sie Strenge zeigen, sobald die göttliche Hausordnung verletzt wurde. Götter sind Götter, sie dürfen sich einiges erlauben; Menschen dagegen sind und bleiben sterblich.

Sisyphos - der Freche - hat die Liebesabenteuer des Göttervaters verraten. Erschwerend kam noch hinzu, dass er den "Tod" Thanatos eingekerkert hat . So hat er die göttliche Ordnung verspottet. Das konnte nicht ungestraft durchgehen.

Auch Agamemnon wurde am „Tag seiner Heimkehr“ nach 10 Jahren Trojanischem Krieg von seiner  Klytämnestra   ermordet. - Ich will euch jetzt nicht die ganzen übrigen Mordgeschichten auftischen. In einer Aufführung des Würzburger Theaters wurde dieser Dramenzyklus die "Orestie"  eindrucksvoll dargestellt. War es 1990?

<2009 erneut auf die Bühne gebracht; 3 teilig, 5 Stunden Dauer; leider spielten alte Blechkanister bei dieser Inszenierung eine überwertige Rolle. Bei aller Liebe zu phantasievollen Requisiten, sollte man das Stück nicht mit Müll zudecken; es ist nämlich ein Erbe der Menschheit.>

Was wollten die alten Märchenerzähler  mit derartigen  Geschichten sagen? Wahrscheinlich:                                                                                                     - Die Könige da   ganz oben, denen geht’s auch nicht anders;                              - auch sie können nicht ungestraft Unrechtes tun.

Oder wollten sie sagen:

- Die da  oben können dem, was vorbestimmt ist, auch nicht entrinnen. Sozusagen eine moralistische und/oder eine fatalistische Sicht. -    

 

Was mein Thema - das Umfahren der Küste -  betrifft, so ist die Peloponnes die reine Pleite. Bei der Argolis geht es noch so einigermaßen. In der Mitte wird das Straßennetz von oben und unten abgeschnürt, d.h. man muss in der Mitte fast auf eine gemeinsame Route ausweichen: die beiden Fahrwege berühren sich beinahe bei  Trahia.  Dieses Nest liegt südöstlich von Epidauros.

Bei der Umfahrung des 2. „Fingers“ beginnt das Chaos Hier ist die Küste nur auf Sackgassen zu erreichen.

Korinth hatte bereits im Altertum einen ganz bestimmten Ruf.

Korinth war ein gutes Beobachtungsfeld für den Zyniker Diogenes. Es galt als oberflächlich, kunstsinnig (Korinthische Kapitelle), lebensfroh, sprich: grenzenlos unanständig. Dazu beigetragen haben die Stadtgottheiten:

·        Apollo, der Gott des Lichtes, und

·        Aphrodite, die auf dem 575 m hohen Felsen Akrokorinth ein riesiges Heiligtum hatte, über das allerhand Geheimnisvolles gemunkelt wurde.

Auf diesem Akrokorinth, diesem strategisch wichtigen Klotz, der den Zugang zum Peloponnes kontrollierte, haben sämtliche Herrscher ihre Spuren hinterlassen. Römer, Byzantiner, Franken, Venezianer und Türken. - Schon wieder diese ominösen Franken? Es sind offenbar Kreuzfahrer, die mitgeholfen haben, das Byzantinische Reich zu zerschlagen. Nach sechsjähriger Belagerung haben diese Franken den Byzantinern Akrokorinth abgenommen.

Vom Apollon-Tempel in Kórithos ( - ich mache zu gerne den Akzent drauf, weil ich beeindruckt bin, dass man Korinth in unserer Betonung nicht kennt! -) stehen noch sieben Säulen. Fast ein Wunder in diesem erdbebengeschüttelten Land.                                                                                                                  Die altertümlichen dorischen Säulen haben teilweise die Erdbeben der Jahrtausende besser überlebt als ihre kunstvollen Nachfolger, die Ionischen und Korinthischen -. In Olympia   haben dem Zeus selbst seine gewaltigen dorischen Säulen nichts genutzt. (Dach zu schwer ? Muschelkalk zu weich?). Vom ebenfalls dorischen Tempel seiner Hera stehen noch ein paar Säulen: Späte Rache am untreuen Ehemann.

Das schlimmste Erdbeben traf Korinth 1858. Was das Erdbeben stehen ließ, erledigte 1933 ein Großbrand. Den lebensfrohen Korinthern blieb  nichts erspart.

 

Exkurs: Städtegründungen der Antike

Sisyphos hin oder her; historische Tatsache ist, dass Kórinthos vom benachbarten Argos aus gegründet wurde.

Die Griechen hatten die Angewohnheit, bei steigender Bevölkerungszahl keine Wochenendhäuser sondern ganze Wochenendstädte zu gründen. Korinth seinerseits hat fleißig weitere Kolonien auf Sizilien, Korfu und in Ägypten gegründet. - Ganz so leicht wird das Städtegründen nicht gegangen sein. Dem Entschluss zur Gründung von Kolonien müssen soziale Auseinandersetzungen vorausgegangen sein. Jedenfalls hat man soziale Zerwürfnisse nicht mit "ethnischer Säuberung", sondern mit organisierter Auswanderung beantwortet.

Auch die häufige Tyrannei in Korinth könnte für Konflikte sprechen. - Nach alter griechischer Theorie kommen die Tyrannen, sobald der Adel allzu mächtig wird und das Volk verarmt.

 

Chronologisch weiter auf die Pelepónnes!

Jetzt sind wir durch das muntere Kórinthos vom Hundertsten ins Tausendste gekommen. Die  Pelepónnes übertrifft vieles bisher Gesehene auf der Reise, - vielleicht abgesehen vom Pilion und von Delphi (und vom Tempetal und Metheora – na, es kommt doch was zusammen).                                             Hier in der Argolis sehe ich zum ersten Mal viele Orangenbäume, Zitronen, satte grüne Wiesen und im Hintergrund mächtige Berge mit Schneefeldern.

Ich übernachte in Loutro Elenis (muss man sich nicht merken) in einem überdimensionierten Cafe Galaktika. Zuerst fragte ich auf einem Campingplatz. Dort wird nicht selten auch ein günstiges Zimmer vermietet.                             Im weiteren Verlauf der Reise um die europäische Mittelmeerküste bin ich (öfter als in Griechenland) auf Campingplätzen geblieben. Die findet man leicht. -

Hier in Griechenland sind Zimmer recht günstig. 30€ war der Standard für das Privatzimmer. Ein weiterer Grund nicht oft zu campen war mein Auto, es war zu klein, um als gemütlicher Schlafplatz herzuhalten. (Ein sich selbst aufstellendes Zelt, wäre gut gewesen; dazu sollte man in dieser Jahreszeit warme Decken in Reserve halten).

Jetzt halte ich mich an die Nordostküste der Argolis. Zuerst durch romantische Waldstücke, ganz ähnlich dem nettesten Teil der Sithonia-Halbinsel. Es eröffnen sich grandiose Ausblicke auf den Golf und die Fischzuchten in den Buchten.     Ich stelle fest, dass ich mit dem Tempo ein bisschen zulegen muss, um mein Vorhaben zu erfüllen und in absehbarer Zeit meine Familie wiederzusehen.

Ich bekomme zwischendurch am Rastplatz eine freundschaftliche Zigarette aufgenötigt.

Dauernd ändert sich die Trigonometrie der Inseln. Ägina  bleibt wuchtig im dunstigen Hintergrund. Schiffe von dieser Insel und aus Athen kommen regelmäßig nach Palaia Epidauros, meiner nächsten Station.

Jetzt ist ein Abstecher ins Landesinnere unumgänglich, um den Lieblingskurort der alten Griechen nicht verpassen. Das antike Kurtheater und Seelenheilzentrum Epidauros ist das High-light der Argolis. Es wird treffend beschrieben als das „antike Lourdes“. Wie der Polyglott-Reiseführer richtig sagt, war Askepios, der Sohn des Apoll, der erste „Chefarzt“ in Epidauros. In das Klinik-Konzept hat er Bäder, Sportveranstaltungen, Heilschlaf und viel viel Theater eingebaut. Es war echt griechisch, die Heilungssuchenden auch ins Theater zu schleppen. Dazu wurde noch etwas Mystik geboten (Schlangen, die Vermittler zwischen der Ober- und Unterwelt).                                                 Das Logo von Epidauros war die Schlange und der Stab und hat sich -ebenso wie das Therapie-Konzept-  bis zum heutigen Tag erhalten.

Nach einer lange Zeit akzeptierten Meinung wurden lebendige  Schlangen in dem höchst merkwürdigen Rundbau gehalten, den man auch heute noch besichtigen kann: dem Tholos (einen solchen gibt es noch in Delphi). Bei  meinem ersten, sehr kurzen Besuch vor 30 Jahren - damals durfte man über die Mauern turnen – schien mir diese Deutung mit der Schlangen-Zucht stichhaltig. Man konnte dem Touristen etwas Spektakuläres zu zeigen.

Nach der aktuelleren Literatur ist diese Theorie  nicht zu halten. Ich habe das von einem Franzosen gehört, der mit einem ganzen Bücherstapel das Ausgrabungsfeld besuchte und versuchte, seiner Familie längere Texte vorzulesen. Alle waren erleichtert, dass er mich als ein williges Opfer für alle Theorien der neueren Forschung gefunden hatte. Ich habe mich für die Unterrichtung bedankt, indem ich ihm versicherte, dass es immer ein Genuss ist der Musik der französischen Sprache zuzuhören.

Inzwischen darf niemand mehr auf den (nicht unempfindlichen) Steinen klettern; sie haben ringsherum Material verloren. Daher versucht man aus Steinen  ihre ursprüngliche Größe zu rekonstruieren, um Teile dieses Tempels wieder aufzubauen. Von Fundstücken werden Abdrücke hergestellt und aus diesen der „Schwund“ in allen Dimensionen berechnet und korrigiert, um ein  identisch geformtes Marmorteil herzustellen. Dies lässt sich dann funktionell und optisch einpassen: Solche Methoden wurden mit Unesco und EU- Unterstützung am Parthenon in Athen erfolgreich angewendet. - Es ist schade, dass man die Aufrichtung des Zeus Tempels in Olympia noch nicht in Angriff genommen hat.

 

Was ist der Unterschied zwischen Epidauros und Eleusis?

In Eleusis ging es um die innere Einkehr, um die tiefen Geheimnisse menschlicher Existenz.                                                                                      Hier in Epidauros ging es um praktische Probleme: um Furunkulose, ausgerenkte Schultern, wie sie Hippokrates sehr gut einzurenken verstand, Kopfschmerzen, Verstopfung, im schlimmeren Fall auch um die Pest.

Die große Mehrzahl der Tempel in Griechenland sind ganz oder teilweise zerstört (im Gegensatz zu Sizilien und Paestum). Aber das Theater in Epidauros, mit seinen 14000 Sitzplätzen, ist in phantastischem Zustand.         Es ist heute nicht nur funktionsfähig, sondern immer noch architektonisch unübertroffen.

Exkurs:

Die Stücke der drei großen Dichter Sophokles, Äschylos und Eurypides haben vor zweieinhalbtausend Jahren Standards gesetzt.  Richtungsweisend war die Aufteilung in die Akteure und in den Chor. Der Chor ist das einfache Volk, es beobachtet, reflektiert, analysiert die Leidenschaften der Mächtigen.Auch Shakespeare kennt diese Aufteilung und lässt gerne nach den Königen die Totengräber zu Wort kommen.       Shakespeares dramatische Erfindung war ein schnelles Springen über Ort und Zeit, wie es in Griechenland nicht erlaubt war. Das braucht beim Publikum eine gewisse Übung. Kinder können das leichter.                      

Ich habe vor vielen Jahren in diesem Theater ein Gedicht  vorgetragen. Schiller. Der Wiederhall ist geheimnisvoll, als ob das Theater mit dir sprechen wollte.   Mir nachgefolgt ist eine Gruppe von Popen mit frommem Gesang.  

Auch Anke hat hier schon mal die „Kraniche des Ibikus“ vorgetragen. Schade, dass ich nicht dabei gewesen bin. -  Schiller ist mit der Kraft seiner Genialität in die Athmosphäre dieses Ortes eingedrungen; er war nie dort gewesen.

Wer zählt die Völker, nennt die Namen,

die gastlich hier zusammenkamen,

von Theseus Stadt, von Aulis Strand,

von Phokis, vom Spartanerland..........

Wo liegt Aulis? Ich weiß es nicht. Nahe der Schwarzmeerküste? Aber Phokis ist uns begegnet als die Region Delphis. Theseus Stadt ist Theben. -

Warum ist es am Rhein so schön?

Es ist schon zu spät, Euer ssssschorschsssssss...........ssssssschsch schsch