Karte von Mittelgriechenland und Peleponnes

Karte Peleponnes und Mittelgriechenland

Delphi Griechenland

Abb. 21 Delphi Faszination

5. Mail

Attika macht nicht nur den Zipfel Richtung Kap Sunion - zeigt auf die Kykladen-Inseln im Süd-Osten - sondern auch einen Zipfel nach Westen zum Isthmus von Korinth, dem Beginn der Peloponnes.

Von Lamia aus gesehen liegt Delphi 75 km streng südlich. Um dorthin zu gelangen, geht der Weg quer durch die Berge bis in die Nähe des Korinthischen Golfs, zwischen Mittelgriechenland und dem Peloponnes. Ich habe Delphi auf dieser Reise nicht besucht, erst sechs Jahre später. Richtig schade, denn es ist ein Glanzpunkt Griechenlands. Zu recht behaupteten die Griechen, dort sei der Nabel der Welt: schön, feierlich und geheimnisvoll.

Delphi Griechenland

Abb. 22 Delphi; Architektur und Natur

Zwischen Lamia und Chalkis ist man überwiegend auf die Autobahn angewiesen. Die Strecke ist sehr schön, allerdings in deutlichem Abstand zum Meer, vor allem im ersten Abschnitt.

Man gelangt zu einer klassischen Enge: links die Sümpfe zwischen der Straße und der Bucht, auf der anderen Seite das bis zu 1300 m hohe Gebirge Kalitromon: Das sind die berühmten Thermopylen.                                           Für seine Bedeutung ist der Ort reichlich ungepflegt. Die Thermalquellen haben dem Ort den Namen gegeben: Sie formen einen rasch strömenden Bach. Das heiße Wasser überzieht alles mit der von Herodot beschrieben Salzkruste. Vier oder fünf Menschen nutzten das wildromantische, stellenweise reißende Flüsschen zu einem kostenlosen Heil-Bad. Vom Salzwasser umstrudelt habe ich nachdacht, was sich an den Thermopylen abgespielt hat. 

Erzählungen zu den Thermopylen

Der Spartanerkönig Leonidas hinderte hier 480 v. Chr. den Perserkönig mit seinem übermächtigen Heer tagelang am Durchkommen. Durch Verrat wurde der kleine Haufen schließlich bis auf den letzten Mann ausgelöscht. War es nur eine grausame und unsinnige Episode?

Dort steht ein pompöses Denkmal neueren Datums. Man weiß nicht so recht, von wem und für wen. Ob einer den Leonidas vor den eigenen Karren gespannt hat? Das Original, der Stein auf dem Grabhügel, sticht dagegen ab: schlicht und klug, mit einer Inschrift, die Schiller weit über 2000 Jahre später (ausnahmsweise) ungeschickt übersetzte: „Wanderer kommst du nach Sparta, verkündige dorten du habest uns hier liegen gesehen, wie es das Gesetz befahl.“ Dass es eine schlechte Übersetzung ist, ist nicht meine Erkenntnis, es war die Meinung eines meiner Lehrer, der nebenbei ein großer Pazifist war. Übersetzen ist nun mal schwierig. Kennst du das Original, bildest du dir sofort ein, dass du den Hintersinn besser verstehst. Ich fange jetzt gar nicht mit Erklärungen an, vor allem mit Schiller konkurrieren ist unpassend.

Viele Anekdoten ranken sich um Leonidas. Der Perserkönig soll ihm gesagt haben, er solle doch keinen Ärger machen. Seine (des Xerxes) Pfeile würden die Sonne verdunkeln. Die Gesellen des Leonidas sollen geantwortet haben: Gut, dann werden wir eben im Schatten kämpfen. „Lakonisch“, nicht wahr, sie kamen ja aus Lakonien.

Sie sind in der Propaganda systematisch missbraucht worden, diese Jungs aus Sparta. Zweieinhalbtausend Jahre lang. Besonders schlimm im Ersten Weltkrieg, wo sich bei Langemark Studenten als Spartaner fühlten und mit dem Deutschlandlied auf den Lippen in britische Maschinengewehre liefen. Auch im Zweiten Weltkrieg wurden die Spartaner schlecht kopiert. Ich erinnere mich an ein charakteristisches Dokument: ein Buch von Frau von Richthofen über ihre Söhne.

An Ort und Stelle in meinem Salzwasser hatte ich das Gefühl, dass der Spartanerkönig eher ein Opfer ist, als dass er sich umbringen wollte. Er war natürlich das Kind seiner unmenschlichen, super-aristokratischen Staatsverfassung. Von Kind auf mit Blutsuppe und Kresse ernährt. Dann sehr jung und sehr unerwartet König geworden, wobei der König in Sparta nur Pflichten und keine Rechte hatte und dauernd Zoff bekam mit seinem Mitkönig. Strategisch war er völlig unbedarft. Er hatte aber eine Vorstellung, nämlich die, dass sein Gegner kein Federlesen macht (kurz später wurden auch Attika und Athen niedergebrannt).

Herodot weiß noch andere Details: dass die Spartaner gehänselt wurden, weil sie zehn Jahre zuvor bei Marathon - angeblich wegen Vollmond - nicht kommen konnten. So eine Mondphasen-Geschichte fand man bereits im Alten Griechenland genauso lächerlich, wie wir das heute empfinden.

Leonidas, der selbstbewusst seinen Stammbaum von Herakles, also direkt von Zeus, ableitete, hatte auch seine schwachen Seiten. Aber das sprengt die Sache.

Bemerkenswert bleibt, dass zweieinhalbtausend Jahre später die Thermopylen immer noch in Griechenland liegen. Der „Perserkönig“ und seine geistigen Nachfolger haben dieses Land doch nicht auf Dauer greifen können. Allerdings war es zwischendurch 400 Jahre türkische Provinz.

Thermopylen heißt ein Märchen von der Einigkeit der Griechen (Europäer?). Aber auch das Beispiel der Verletzlichkeit.  - Oh, jetzt habe ich viel gesagt, aber leider die zehn Jahre vorherliegende Geschichte von Marathon ausgelassen.

Delphi; Blick zum Tolos

Abb. 23 Delphi; Blick zum Tolos

Der Steckbrief der Perserkriege (schließt an an meine Alte Geschichte in Kurzform, siehe oben)

500 Ionischer Aufstand = Aufstand der Griechen drüben in Kleinasien gegen den allmächtigen Perserkönig.

492 Strafexpedition des Perserkönigs, aber: Scheitern der persischen Flotte am Athos.

490 Sieg der Athener bei Marathon, damit 10 Jahre Ruhe, Aufrüsten auf beiden Seiten.

480 Neue Invasion eines Perserheeres: Thermopylen, der Sieg über den sich der Perser gar nicht freuen konnte, und nur einen Monat später seine See-Niederlage bei Salamis.

Ein Jahr später Plataiai,

448 Ende der Perserkriege in einem Frieden.

Es wäre ein Märchen gewesen. Das von der Ohnmacht der Mega-Macht. Aber der Friede hielt schlappe 18 Jahre bis zu einem unsinnigen und widerlichen Peloponnesischen Krieg zwischen Athen und Sparta.   Sein Beschreiber, Thukydides, treibt seine Leser in tiefe Depressionen. Vor dieser Fortsetzung des Dramas klingen die Perserkriege so vertraut, so ein bisschen wie „Aschenputtel“.

Bewertung der Geschichte ganz knapp

-          Ein Wunder: die Perserkriege

-          Die Tragödie schlechthin: der Peloponnesische Krieg

-          Eine weitere Tragödie: das sang- und klanglose Verschlucktwerden der griechischen Staaten vom Römischen Reich

-          Eine Tragödie von europäischem Ausmaß (und sehr vermeidbar): Konstantinopel (und Griechenland) gehen 1430 für das Abendland verloren.

Da war wieder einmal ein Wunder dringend fällig. Wenn man die Fußball-Europameisterschaft 2005 nicht als Wunder anerkennt, dann doch zweifellos den griechischen Freiheitskampf zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Die Dokumente dieser Geschichte sind vielfältig und stehen überall herum. Von Mykene zum Diolkos, dem Schleppweg am Isthmus von Korinth, zur fränkischen Festung Chemoutsi und der venezianischen Festung in Methoni. Von den Kulturgütern hat ein Spaßvogel gesagt: Die meisten griechischen Kunstschätze sind in London, dann kommt Sizilien und an dritter Stelle Griechenland.

Eingedenk der Geschichte gibt man sich lieber als Philhellene und nicht gleich als Germane zu erkennen, z. B. an Wirkungsstätten der deutschen Wehrmacht.

Delphi, Griechenland

Abb. 24 geheimisvoller Ort Delphi

 

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Delphi Museum

Abb. 25 Delphi; Museum

Zurück ins moderne Griechenland

Die bewegte Pilion-Rundfahrt ging über Makrinitsa, Ag. Joannis und Milea. Eine Kurve nach der anderen, wie der Weg durch einen Zauberwald. Bergauf bis zu den Resten von Schnee. Im Winter kann man dort Ski fahren. Viel Wasser, in Wasserfällen und Brunnen. Es gibt in Griechenland viel Wasser. Es ist nur wie fast überall auf der Welt nicht richtig verteilt. Zwischendrin die schönen Ausblicke auf das Meer.

Meine Runde hat ca. 3 bis 4 Stunden gedauert. Wenn man diese Fahrt gemacht hat, mag man Thrakien vergessen.

 

Über Städtegründungen

Als sich das antike Griechenland formte, entstanden: viele Stadtstaaten, ein nationales Wahrsagerzentrum in Delphi, in Olympia ein nationaler Treffpunkt aller hellenischen warmen Brüder. Die Wirtschaft lief so gut, dass die Griechen ihre ganze Kultur exportierten (Buchstaben, Töpfe, Statuen, Schauspiele, Sportveranstaltungen, Nachhilfelehrer, Gedichte, Verfassungen, Legionäre) und eifrig Kolonien gründeten.

Eines erscheint mir klar: Die Gründung von Kolonien war nicht nur Ausdruck von Erfolg und Überfluss. Spannungen sind vorausgegangen. Die Bauern waren arm. Also wurden einige zu Händlern und haben Nahrungsmittel so billig eingekauft, dass die Bauern noch ärmer wurden. Arme Bauern wurden vom Adel geschröpft. Gegen die Aristokratie hilft dann meistens nur noch die Tyrannis. Gegen die Auswüchse der Tyrannis hatten die alten Griechen etwas erfunden, die Demokratie. Solche Gesetzmäßigkeiten wurden bereits in der Antike deutlich erkannt.

 

 

Geschichte nach der Klassik bis zur Gegenwart in Kurzfor

 

333 v.Chr. bei Issos Keilerei, da schaffte der Mazedonier Alexander der Große etwas, was dem Perserkönig misslungen war, die griechischen Staaten einzukassieren. Er bewunderte Athen; von seinem Lehrer Aristoteles haben wir schon gesprochen.   Später kamen die Römer als Besatzer; 500 Jahre lang haben sie die griechische Kultur in großen Teilen aufgenommen.  

Dann folgte 400 bis 1200 n.Chr. die oströmisch/byzantinische Zeit mit de Hauptstadt Konstantinopel. Der Ostteil des römischen Reiches hatte die Nachfolge des römischen Reiches angetreten (auch unter dem Einfluss dieser überlegenen griechischen Kultur).- Das eigentliche Rom war, stark geschwächt durch Völkerwanderung und Christentum, in der ursprünglichen Form zerfallen.

Es gab 800 Jahre lang ein großes, bazantinisch und (ost-)christlich geprägtes Weltreich. Erst seit 1050 waren die beiden Kirchen getrennt.

Man kann es sich nur schwer vorstellen: Bis bis 1200 gab es im Osten und unter christlichen Symbolen quasi eine Fortsetzung des römischen Reiches. Dann folgte für 250 Jahre sogenannte fränkische Zeit. Was das bedeutet, ist für mich sehr schwer zu verstehen. Vorwiegend französische aber auch deutsche Ritterhaben im Wechsel mit der Republik Venedig das oströmische Reich kaputt gemacht. Oder sind sie in ein Vakuum eingebrochen? Wer in Franken war, versteht, dass in einer „fränkischen Zeit“ manches zerfällt.

Und jetzt – 1452,

immer wenn ich "jetzt" schreibe meine ich 1452, sahen die Nachfolger des vor 2000 Jahren abgeblitzten Perserkönigs - die Türken - ihre Stunde, eroberten Konstantinopel und das gesamte ehemalige byzantinische Reich; dazu gehört der ganze griechische Raum. - Dieses Datum muss man sich merken: 1453 fällt diese heilige Stadt des Kaisers Konstantin nach 1000 Jahren Christentum durch eine ungeheuerliche und blinde Politik an den Islam. Obwohl ich selber der Mutter Kirche oft kritisch gegenüber stehe, empfinde ich als Abendländer. Den Fall von Konstantinopel empfinde ich als Verlust.

 

Fast 400 Jahre gab es in Hellas Kebab und dann einen griechischen Freiheitskampf mit einer erneuten Staatsgründung 1828. – Der Befreiungskampf ging über 100 Jahre hin und her. -

Dann kam wieder griechischer Übermut und ein Überfall auf die Türkei 1923.

 

Es erfolgte im zweiten Weltkrieg ein unheilvoller italienischer Angriff und eine noch unglücklichere Besetzung durch deutsche Truppen, anschließend ein Bürgerkrieg, schlimm wie immer.

 

Wagenlenker aus dem alten Griechenland

Abb. 26 Delphi; der klassische, durch glückliche
Umstände erhaltene Wagenlenker

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Thermal - Quelle und - Bach = Termopylen in Griechenland

Abb. 27 Thermal-Quelle und -Bach = Termopylen

In unseren Tagen, ( ich war zu dieser Zeit im Josefskrankenhaus in Simmern), riß eine Militärdiktatur die Macht in Griechenland an sich. So hatten es die alten Staatsphilosophen vorher gesagt.   Als die Oligarchen keinen Erfolg hatten, machten sie das alte Oligarchenspiel „Wie lenken wir das Volk ab? Welches Land greifen wir an?“ Sie besetzten Zypern, bekamen „Applaus von der Gasse“ und anschließend „den Frack voll“. Aus griechischer Sicht wollten sich die griechischen Zyprioten freiwillig Griechenland anschließen.

2002 wurde Griechenland (das sich mit gewissem Recht als Erfinder Europas fühlen darf) in die EU und der Euro wurde gemeinsame Währung. – und jetzt 04 kommt die Olympiade wieder nach Athen.

< 04 wusste ich noch nichts von den herben wirtschaftlichen Schwierigkeiten die unser Griechenland ab 2010 haben würde>

Soweit die griechische Geschichte in Kurzform.