Karte von Mittelgriechenland und Peleponnes

Karte Peleponnes und Mittelgriechenland

Landschaft südlich von Kalamata

Abb. 82 Heroische Landschaft südlich von
Kalamata

Jenseits von Kardamili und Mistras

Nach dem zauberhaften Ort Kardamili geht die Straße weg vom Meer. Unser berühmter Taygethos reicht so hart ans Meer heran, dass ich ihn nicht um- sondern überfahren muss. 25 km  sind beschwerlich. nur der letzte Teil, schon im Dunstkreis von Kalamata, schon am Meer ist vergleichsweise flach und unspektakulär.

< 2010 war die Straße sehr gut ausgebaut; von wegen beschwerlich konnte keine Rede sein; im Gegenteil: sehr eindrucksvoll die ca. 35 km bis Kalamata;.>

Noch vor Kalamata   finde ich eine Unterkunft am Meer; das ist – obwohl nicht spannend – eine gastliche Gegend. Auch Camping wird reichlich geboten. Der Touristenrummel wird erst in wenigen Wochen einsetzen. Zur Zeit beschränkt er sich auf mich. Jetzt habe ich den riesigen Strand für mich alleine. Er ist  meine große Bühne; ich kann ihn bevölkern mit  den Soldaten des Landvogts und mit den Eidgenossen; oder mit Richard dem III im Gefängnis, oder soll ich lieber Julius Cäsar begraben oder Julia mit Romeo...

In Kalamata   ist der mittlere Finger der Süd-Peloponnes bewältigt; wir sind in der Tiefe des Messenischen Golfs und in der großen und lebhaften Hauptstadt des Nomos messenia. Der Flughafen hat jedenfalls eine Lage, die man sich merken sollte. Wie viele andere Städte wurde Kalamata 1986 durch Erdbeben übel zugerichtet; sie wurde wieder mit der griechischen Variante von „Heidelberger Zement“ sehr schnell hochgezogen. Es gibt in der Stadt ein Kastro mit einem herrlichen Ausblick und ein Kloster des heiligen Konstantin, in dessen Mauern Nonnen seit Jahrhunderten die Seidenraupenzucht und Seidenspinnerei pflegen.

Bergstraße Taygetos

Abb. 83 Aufstieg in den Taygetos

Jetzt könnte es mit Schwung um den letzten Finger der Süd-Peleponnes, nämlich um Messenia   herum gehen, und dann an der sehr sandigen Westküste des Peloponnes hinauf bis Patras. Aber es wird mit Hilfe französischer Ingenieurskunst (Renault Twingo) ein „verwegener“ Plan verwirklicht: die Überquerung des verwunschenen Taygetos vom Westen her. Nicht, um die  alten Spartaner zu besuchen, sondern, um in den ehrwürdigen, byzantinischen Kirchen der Ruinenstadt Mistras zu meditieren.

Aufstieg ins Gebirge im frühen Licht. Ein überwältigender Eindruck, diese „Anabasis“. Die Katabasis in die lakonische Ebene ist nicht minder eindrucksvoll. "Wenn du dieses Licht gesehen hast - sagt der Dichter- weißt du, welches Geheimnis in den Dingen steckt“. Dieser Dichter Katamzakis ist in Kreta begraben und hat wunderschön über die griechische Landschaft geschrieben.

< 6 Jahre später waren wir zu zweit und ich war unverändert vom Taygetos fasziniert; allerdings bei km 25 – Artemisias – Reste schwerster Waldbrände; auch Häuser waren zerstört und noch nicht aufgebaut. Auch eine „heroische“ Kulisse ist nicht gegen Zerstörung gefeit.>

verlassene Klosterstadt Mistras

Abb. 84 Mistras, die grandiose, verlassene Klosterstadt

Mistras, die byzantinische Ruinenstadt, ist von vielen begeistert beschrieben worden. Nicht zu Unrecht. Diese vielen Kirchen mit ihren strengen, symbolisierenden Fresken sind vielleicht nicht so vollendet wie die Kunst der Renaissance in Italien; aber ich war  sehr beeindruckt. (Vergleiche Fresco in Padua zu Beginn des Mailes auf der Anreise). Auch im Kloster beherrschte eine wunderbare ausgeglichene Stimmung den Raum.

byzantinischen Ruinenstadt

Abb. 85 In der byzantinischen Ruinenstadt

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Klosterruine Mistras

Abb. 86 Mistras; Fülle weiterer Klosterruinen

Nachdenken unter den byzantinischen Kuppeln

Das mächtige Bild des Gottessohnes in der Apsis. Der Pankrator. Der Mächtige, der sich der Schwachen erbarmt hat. Der den Schwachen alles gab, leider auch seine Macht.

Die Idee des Monotheismus hat einen großen Nachteil gegenüber den Karnevalsgottheiten im alten Griechenland. Der eine große Gott ließ sich vereinnamen und vermarkten. Kann es sein, dass Jesus  Fehler gemacht hat, indem er nicht öffentlich vor allen Institutionen zu Protokoll gegeben hat: „Du bist Petrus und  ich will überhaupt auf keinem Felsen irgendeine Kirche bauen. Und wenn ihr auf Erden irgendwas binden werdet, werde ich mich in der Ewigkeit überhaupt nicht daran halten. Das für den Fall, dass ich in der Ewigkeit zu irgendwas Stellung zu nehmen genötigt sein sollte.“ gezeichnet mit einem Fisch. Jesus (Wir wissen nicht, wie gut und in welcher Sprache Jesus geschrieben hat; es spricht viel für die Vermutung, dass er es ungern tat). Stattdessen hat er nicht verhindert, dass so was in die Schrift gemogelt wurde, mit dem Tenor: Wir sind die Alleininhaber des Monopols auf Gott. Wir halten das Patent.

Dabei ist das Patent im Jahre 20 unserer Zeitrechnung ausgelaufen.

Jesus hat sich identifiziert mit den Armen; das war eine überwältigende Fähigkeit und auch die Fähigkeit, seine Sicht der Welt zu formulieren. Nur wurde seine Depression zwischendurch so stark, dass er  anfing, mit Schuld, Rache und Höllenfeuer zu drohen. Diese Drohungen galten nicht nur seinen Widersachern, sondern auch ihm selber. Sein Opfer war mutwillig und unnütz. Aber er wollte und musste auf der Seite der Verlierer stehen. Er hätte es sich nicht verziehen auszusteigen. Ein Deal mit Pontius Pilatus? Klares Bekenntnis zu Rom, dafür Freispruch, römische Staatsbürgerschaft und eine Professur für multikulturelle Kommunikation in Damaskus.  Am Schluss den Reibach zu machen, Berater am Institut für Wasserverwandlung, Fischfang-Cooperative für Gesamt-Genezareth. Er wäre in Frieden alt geworden; man hätte ihn vergessen.

Solcherlei häretische Gedanken kamen mir auf der harten Kirchenbank in den kühlen Ruinen von Mistras an einem eher schwülen Abend Anfang Mai.

 

byzantinisches Fresco

Abb. 87 Mistras; byzantinisches Fresco

Von Mistras heimwärts

Ich musste ins moderne Sparta fahren, um zu tanken. - Kaum ein Tourist hat sich je in diesen Ort verirrt. Man versteht nur die Landessprache. Das reicht aus, um satt zu werden. Die Frauen sind noch schöner als anderswo. Niemand weiß warum. Die Orientierung in Sparta ist einfach. Es ist einer der ganz wenigen Vorteile, die man vom jahrelangen Studium der antiken Sprachen hat: Man kommt auf Odos Lykurgou rein und muss Odos Leonidou links abzweigen, falls man auf der schönen Straße nach Norden die arkadische Hauptstadt Tripolis besuchen will.

König Otto der Bayer hat sich dafür eingesetzt, nicht nur Athen zu verschönern, sondern auch – gering verschoben – Sparta wieder aufzubauen.

< 6 Jahr später - 2010 – sind wir tatsächlich Richtung Tripolis abgebogen und fanden eine wunderbar ausgebaute Autobahn Richtung Kórintos/ Atheana. Folgt man dieser modernen Verführung, kommt man durch Lakonien und Arkadien. Das Land ist klassisch; wenn man hustet, fallen die Zitronen von den Bäumen.

Der Weg führt vor dem lustigen Nemea  zwischen 2 Felsen hindurch; hoch auf dem einen von beiden ein Kloster. – Die Stadt  ist einerseits archeologisch interessant, andererseits Zentrum einer sehr aktiven Weinregion. Nach Hause zurückgekehrt kann ich mich im Supermarkt immer wieder an „Nemea" erinnern. >

Natur in Mistras

Abb. 88 Die Natur erobert Mistras zurück

Auf meiner Original-Fahrt 2004

verließ ich Sparta bei der alte, ihres Belags verlustigen Brücke über den  Efrotas. Eine Platanenwald verhalfen mir zu einem völlig unspartanischen Mittagsschlaf.

Die Passtrasse brachte mich zurück über den Taygetos. Dann ging es  nach  Kalamata   und dann um den messinischen Golf herum. Zuerst öffnete sich eine unspektakuläre Ebene mit dem schon erwähnten Flughafen, –dann an der Ostküste von Messenien eine Landschaft, die an die Halbinsel Kassandra erinnert. Die Berge sind nicht so brutal hoch wie bisher. Viele lebhafte Dörfer mit Märkten und  zahllosen uralten Zugmaschienen. Man kann Messenien gut beschreiben, als ein riesiges  Freilicht - Bulldog- Museum.

Petralidi ist  ein sehr lebendiges Dorf. In der Nähe gibt es wieder ein antikes Denkmal. –

Exkurs über Campingplätze;

Von ihnen gibt es hier viele. Sie bringen mich dazu, meine schon angedeutete, nicht ganz ernste Tourismus Theorie zu verraten:

Campingplätze sind  immer die Vorreiter.

Hotels und die feinen Leute kommen erst viele Jahre später.

Zuallererst – noch vor den Campingplätzen - kommen die Wohnmobile. - Als Gott die Welt erschaffen hat, am allerersten Tag, als noch alles wüst und leer war, tauchten am Horizont im Schwefeldampf die ersten Wohnmobile auf.

Wieso sind die Besitzer solcher bequemen Gefährte so unternehmungslustig und mit dem ersten Hahnenschrei auf Achse? Weil sie so gut ausgeschlafen sind? Weil sie sich nicht bis zum Abwinken mit der Hotel-Suche stressen müssen? Spart die wunderschöne Siesta im Schatten von Pappeln und Platanen viel Nachtruhe ein? Dieses und die Quadratur des Kreises sind noch nicht gelöst.

 

Am untersten Teil des westlichsten der 3 Süd-Peleponnes-Zipfel-  sind gleich zwei markante venezianische Festungen:

Koroni spioniert nach Südosten und

Metoni kontrolliert aufmerksam den Südwesten.

Besonders Koroni ist ein  hübsches Fischerstädtchen. Es kann sich messen mit Nafplion, Monemvassia   etc.

Auf dem ca. 40 Kilometer lange Stück zwischen den beiden Festungen gab es heute ein griechisches Drama: einen  wilden Sturm. Es war eindrucksvoll, wie Schiffe auf dem Meer  zu versinken schienen, wenn sie in ein Wellental abtauchten. - Für die Besitzer war es wenig schön, was die Brandung mit den an Strand gezogenen Booten trieb. Da ging vor meinen Augen manches zu Bruch. Man möchte zu Hilfe eilen, hat aber keine Chance.

Methoni ist eine gewaltige Festung. Der postkartenwirksame Teil - ein ins Meer vorspringendes Fort -  ist nur ein kleiner Teil des gesamten Baus. Dieses Fort war heute nicht zugänglich wegen Dauerbeschuss. Meterhohe Brecher riegelten den Zugang ab. Trotz der Mächtigkeit der Festung hat das Meer auf einer Breite von 20 Metern die Mauern geknackt.

1827 die Wende im Freiheitskampf

Von Metoni geht’s weiter an der Küste, auf landschaftlich sehr schön Straße zur Bucht von Navarino;am südlichen Ende dieser Bucht liegt an einem phantastischen Naturhafen das ebenfalls hübsche Städtchen Pilos. (Beide Namen kann man synonym verwenden). Zur Kontrolle der Hafeneinfahrt haben  die Türken eine  sechseckige Burg, das Neokastron, gebaut.  - Die Bucht wird durch eine 4 Kilometer lange Insel abgeschirmt. An diesem Tage  merkte man wie nötig solcher Schutz ist : Trotz dieser Anschirmung entstehen immer noch Wellen, welche das Straßenniveau erreichen. Ein Seeschiff im Hafen (die Rex) erscheint mir nicht so richtig befestigt und knallt mit Karacho regelmäßig an die Kaimauer. Man muss sich um alles kümmern! -

Schlacht von Navarino 1827. Ein Zeit-Artikel gibt sehr gut Auskunft http://www.zeit.de/1997/42/Navarino_-_die_Schlacht_die_keiner_wollte

Im Oktober 1827 verlor der Sultan seine Flotte - Obwohl keine Griechen mitkämpften, wurde ihr Land endlich frei.  Geschichte ist ja oft schwer zu verstehen. Beim griechischen Freiheitskampf ist das Merkwürdige, dass die Griechen im osmanischen Reich eine überaus privilegierte Stellung einnahmen. Daher waren längst nicht alle Griechen begeistert von der Idee eines - wie auch immer  - freien Griechenlands. Aber auf der Peleponnes war die Idee der Freiheit lebendig und hier spielen sich auch an verschiedenen Ecken Kriegshandlungen ab. Die Europäer waren begeistert, allerdings auch mit sehr unterschiedlichen Auffassungen: Der Zar wollte sein siegreiches Banner in Konstantinopel aufrichten. Sitz des einen christlichen Glaubens, Hauptstadt aller Griechen und des wiederhergestellten Reiches von Byzanz; freilich wollte in diesem das russische Reich ein Wörtchen mitsprechen. Andere Europäer erhofften sich in Griechenland endlich die Demokratie, die sie selbst vermissten......

Es kam in diesem Krieg zu schrecklichen Massakern, die in grausamen Kontrast stehen zu der (scheinbaren) Symbiose von Griechen und Osmanen. Tief gekränkt von der Treulosigkeit seiner (geliebten?) Griechen machte Sultan Mahmut einen kapitalen Fehler, er ließ den Patriarchen von Konstantiopel hinrichten, Das brachte den eher schlappen griechischen Freiheitskampf deutlich nach vorne. Diese Seeschlacht, die beide Parteien und sämtliche Mitglieder der Koalitionen eigentlich vermeiden wollten, brachte die Wende zugunsten des  griechischen Staat Ursprünglich.

Weiterhin entscheidend war der russisch-türkische Krieg, der 6 Monate später ausbrach, und der sämtliche Truppen des Sultans band. (Literaturbeispiel: Katzanzakis: Tod oder Freiheit) -

Olympia, der Hera-Tempel

Abb. 89 Olympia, der Hera-Tempel

Weiter nach Norden;

Nestor, Ilias, Vasses und Olympia

Der Reisende darf nicht erschrecken bei allem was in Griechenland "fast food" oder "sandwich" heißt.. Man muss sprachlich soweit kommen, dass man sich nicht alles in ein Brötchen oder in ein Pita verpacken, sondern auf einem Teller servieren lässt. Dann sieht es besser aus, und schmeckt auch gut.

< Dieses Problem hatte sich 2010 von selbst gelöst; man bekam nicht mehr die Pommes frites in ein aufgeschnittenes Brötchen geknallt>

Bei Pomanops habe ich  die kleine Küstenstraße verpasst. Statt dessen gelangte ich abseits meines lieben Meeres zur Ortschaft Chora.  Hier wird jeder Fremde noch mit Interesse und/oder Argwohn betrachtet. Auf abenteuerlichen Wegen wird man durch das Weichbild der Stadt geschleust, wahrscheinlich dezent vorbeigeleitet an den Geschäften aller ortsansässigen Notablen.

So gelange ich zum Palast des Nestor. War das jener alte Knacker, der schon längst zur Reserve gehörte, aber noch mal am 10-jährigen Krieg gegen Troja   teilnehmen musste? Er ist im Gegensatz zur Mehrzahl der anderen am Leben geblieben.

Telemachos, der Sohn des Odysseus, aufgeschreckt durch Bildzeitungsnachrichten aus Mykene, hat sich bei ihm nach seinem Vater Odysseus erkundigt. Zuhause würden die Mäuse auf den Tischen tanzen und schmierige Typen würden seine Mutter anbaggern. -  Aber nein, auch Nestor wusste nichts. Der Hausherr auf Itaka blieb verschollen im Bermuda-Dreieck vor der Insel Hydra.   -

Diese Bauwerke sind alle lange vor der Einwanderung der Dorer errichtet. Eine versunkene Kultur. Die Nachfolger haben aber die Geschichten ihrer Vorgänger übernommen, und so werden sie bis zum heutigen Tag weitererzählt.

Im berühmten Tumulusgrab habe ich die Akustik ausprobiert. Überhaupt nicht die Intension der Erbauer. Im Tumulusgrab des Nestor konnte man  ein Heine Gedicht hören . Es hallte gewaltig. „Alle Menschen gleich geboren sind ein adliges Geschlecht“. Dieser Satz wurde zu nationalistischen Zeiten wild  angegriffen; als wenn Heine die schrecklichste Untat begangen hätte. -

In der Ilias mischen die Götter heftig mit. Mit allen (menschlichen) Leidenschaften nehmen sie teil am Kampf um Troja. Dahinter steckt der Wunsch, den Helden, vielleicht sogar den Göttern, gleich zu werden. Die Ilias hebt das adelige Bewusstsein, allen Bestrebungen zum Trotz, dass man sich nur adelig fühlen könne, wenn man andere runtermacht.

Dann geht’s durch Hügelland zurück zur Küste und sandig weiter auf der Bundesstraße 9. Zuerst nach  Kuparissia , ein Küsten-Städtchen, von dort führt die Eisenbahnlinie die Küste hinauf nach Patras. Im folgenden halte ich mich an diesen Schienenstrang mit Ausnahme der beiden Abstecher nach Vasses und Olympia.

15 Kilometer nördlich dieses Städtchens finde ich in Giavvitsochori einen Campingplatz, der von sich behauptet, der schönste in ganz Griechenland zu sein. Wie so oft im Leben klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Er ist verwahrlost. Mein griechischer Wirt formuliert in sophistischer Tradition: „Zum Glück geht die Arbeit nicht aus bis im Mai die Touristen kommen“. 

Gleich am nächsten Morgen entlang dem nächsten Tal folgt ein Abstecher ins Landesinnere nach Vasses. Jeder schreibt diesen ungewöhnlichen Ort anderes: Basses, Bassia, Bassai, Bassi.....Schon die Fahrt dorthin ist ein Abenteuer; es geht Kurve an Kurve durch eine Gartenlandschaft hinauf auf immerhin 1100 Höhenmeter. In den Dörfern führt die Straße beinahe durch die Wohnzimmer und Küchen. 50 Gründe hätte es gegeben, die Straße auf 20 Jahre für den Verkehr zu sperren.

Dieser Apollo-Tempel (Epikuräischer Apoll) von Vasses gilt als der besterhaltene in Griechenland. Der Baumeister ist der gleiche, der den Panthenon in Athen gebaut hat. Man sieht hier, was in einem Tempel drin war: Die Cella   und ihre Aufteilung. - Der Tempel ist  der Aktion "Reichtagsverhüllung" anheim gefallen. Um ihn vor weiterer Verwitterung zu schützen, steht er in einem Zelt. Drinnen messen ihn fleißige Doktoranden aus alles Welt zum 78sten Mal aus. Die Friese dieses Tempels finden sich im Britischen Museum.

Der politische Hintergrund solcher Tempelbauten ist für uns schwer zu rekonstruieren. Soweit ich es verstanden habe, hat eine Rivalität zum benachbarten Sparta   eine Rolle gespielt. Wer Spartaner zu Nachbarn hattte, musste sich oft zur Wehr setzen und musste sich an jedem Tag wundern, wenn er nicht als Spartaner aufwachte. Aber immerhin haben es  Nachbarstämme - hier die aus ELIS, aber auch die Messenier  und sogar die eher friedfertigen Arkadier- gelegentlich geschafft, sich gegen diese Spartaner durch zu setzen.

Bei der Abfahrt von den Berghöhen von Vasses nach Olympia geht esnicht zum Meer zurück, sondern über das malerische Bergdörfchen Avdritssina  (wirklich schön, aber nicht ganz so toll wie beschrieben), und Kalithea   (Meerblick). Diese Fahrt zieht sich sehr lang hin; sie ist zwar sehr abwechselungsreich, aber echte Arbeit am Lenkrad. Zum Glück lädt ein mächtiger Eichenbaum zur Siesta ein.

Vor Olympia steigt die Busdichte auf den Straßen stark an. Olympia   liegt  in einer gesegneten, wunderbaren Landschaft. Der Ort ist schmuck und reich. Er hat vom Rummel kurz vor der (modernen) Olympiade 2004  profitiert und nicht nur gelitten.

Diese Spiele gab es ab 776 v. Chr. 1000 Jahre lang. Phantastisch. Ob es wirklich gelang, die andauernden Bruderzwiste zu vermindern?

Es gab weitere solche panhellenische Einrichtungen:

·        Isthmische Spiele in Korinth,

·        Emeische Spiele in Emea  in der Argolis,

·        Phytische Spiele, bei denen die Sänger im dichterischen Wettkampf eifern. (Vorgänger des Sängerfestes von Bockenheim in der Pfalz).

Wenn man durch diese wirklich gelungene Anlage von Olympia spaziert, bekommt man eine Vorstellung von einer großen und wichtigen Kultur. - Vom mächtigen Zeustempel liegt leider keine Trommel auf der anderen. Ich habe schon erzählt von Zeus und Hera und von den Erdbeben, die mehr verwüstet haben als sämtliche „Vandalen“. Zu Hause, in Würzburg wird die Kenntnis von Olympia durch die Forschungen von Prof. Sinn bereichert.

Griechische Schrift

Abb. 89b Griechisch; einfach und genial

Exkurs. Griechischer Glaube vom Ursprung der Welt

Mehrfach sind mir auf dieser Fahrt die kulturellen Leistungen der Hellenen klar geworden:

Die Griechen entdeckten das Ich,

begründeten die Gesetzgebung,

verbesserten die Rechtsprechung,

das wissenschaftliche Denken,

die das Maß wahrende Baukunst.

Es besteht aber ein merkwüdiger Kontrast zwischen dieser klugen Kultur und dem naiven Götterglauben . Aber auch in Griechenland hat es schon gekriselt: Da gab es den radikalen Hexagoras, der keine Götter mehr anerkannte und  die Sonne für eine glühende Steinmasse hielt. - In der gleichen Zeit waren die Propheten im alten Israel tätig, predigten den einen Gott, - Gleichzeitig mit Zarathustra   im Perserland, Buddha   und Konfuzius In Asien.

Die Helden- und Göttersagen sind farbig und vielgestaltig: Dieser Zentaur hat jenem Zentauren einen Stein auf den Fuß fallen lassen und dieser Titan hat jenem Giganten ein blaues Auge gehauen. Wer soll sich das merken?

Interessant ist, was zwischen den Zeilen steht. Bemerkenswert (und nicht ganz unähnlich in verschiedenen Kulturen): Der Beginn der Götterwelt.Es ist offensichtlich, dass man sich Gedanken machte über den Ursprung der Welt und über den Ursprung der Menschen.Praktisch denkend haben die Griechen die Naturphänomene benannt, personifiziert und dann die Personen gleich verheiratet:

Am Anfang war eine Gottheit namens Chaos. Das ist eine Erkenntnis, die der Prüfung der nächsten dreitausend Jahre erstaunlich gut standgehalten hat. Chaos wurde verheiratet und es kam heraus:

Die allmächtige Mutter Erde und der weite Himmel.Das Schöne ist, dass sie im Griechischen wunderbare Namen haben, die gleich für eine Automarke herhalten könnten, nämlich Gaia und Uranos. Aus dieser Verbindung entsteht die (männliche) Zeit Kronos.

Während die „Zeit“ in germanischer Vorstellung die "Wunden heilt" und "Rat kommen" lässt, waren die Griechen von der segensreichen Natur des Gottes Kronos nicht überzeugt. Diesen lassen sie seine Kinder auffressen:     Prägnante Kurzfassung einer pessimistischen Geschichtsauffassung.

Damit die Göttergeschichte, kaum begonnen, nicht abbricht, haben sich die MärchenerzählerInnen eine Therapie für den bösen Kronos ausgedacht. Er erhält eine Substitutionstherapie. Statt eines Kindes kriegt er einen Stein zu schlucken. Das errettet den Zeus. Er entgeht dem Heißhunger des bösen Vaters in einer Höhle auf Kreta, die der gemeine Tourist auch heute noch gegen ein saftiges Eintrittsgeld aufsuchen kann (Stichwort "baby Zuus").

In reiferen Jahren präsidiert Zeus einer außerordentlich farbigen Götterfamilie, sorgt dafür, dass die Ressorts verteilt werden. Die emotionale Vielfalt wird von ihm nicht niedergebügelt, sondern gefördert. Er hält zu den Menschen, insbesondere zu den Menschentöchtern, gute informelle Kontakte. Was uns die Griechen sagen wollen, ist ganz klar:

·        Götter sind auch Menschen und

·        Menschen sind schon beinahe Götter.

·        Die wichtigste Aussage: Der eine Mensch ist nicht unbedingt göttlicher als der andere. Damit schauten die Griechen etwas kritisch auf das Gottkönigtum, welches sie ringsherum umgab (der allmächtige Perserkönig, der Pharao von Ägypten etc.).

Zusammengefasst haben die griechischen Mythenschöpfer  ein preiswürdiges Konzept:

Die Menschen sind wichtig, und

sogar der einzelne Mensch, ob Mann oder Frau, ist wichtig und richtig.

Das musste zu Konflikten führen, wie unter dem Stichwort „Thermopylen“ und „Marathon“ bereits geschildert (aus einem geheimnisvollen Grund schreiben manche „Thermophylen“).

Kloster bei Nemea

Abb. 90 Kloster bei Nemea (Weinstraße)

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Hafen von Patras

Abb. 91 Hafen von Patras

Weiter chronologisch

Pyrgos ist 17 km entfernt; dieses kann man umgehen und einen kleiner Ausflug zum benachbarten, auch nicht spektakulären Hafen Katakolon einplanen. Geeignet zur Landung von Kreuzfahrern um Ausflüge nach Olympia zu machen.

Dann muss man sich sechs Stationen weit von der Autobahn leiten lassen, um in das etwas verkommene Heilbad Lutrakyllinis abzubiegen. Nördlich davon liegt der Hafen Kyllini; er verschifft die Touristen auf die benachbarten Inseln und erhält vom benachbarten Flughafen Nachschub.Auch eine fränkische Burg Chlemoutsi liegt an diesem Zipfel der Peleponnes. Ich hoffe, niemand versucht, sich das zu merken. Aber gesetzt den Fall, es verschlägt jemanden dorthin, so könnten diese Notizen helfen. 

Dann sind wieder vier Stationen Autobahn angesagt. Hier darf lediglich die Eisenbahn noch näher am Meer dampfen.

Kalogria   wäre wegen seiner schönen Küste einen Abstecher wert; aber der Flughafen Araxos ist nahe und sorgt für Lärm , so halte ich mich nicht auf und bleibe auf der Autobahn.Patras bietet zuerst einmal den sehr schönen Ausblick auf den "Stenon“.

Stenon ist die Enge zwischen dem Golf von Patras und dem korinthischen Golf. An der Enge liegen sich die Ortschaften Rion und Antirion gegenüber. Mich fasziniert diese Art der Benennung. Sie nimmt Newtons Theorie vorweg; auch zur Kraft gehört eine Gegenkraft.-  Zu meinem Erstaunen überspannt eine gewaltige Hängebrücke die Stenose. Ich suche die Auffahrt wie eine Stecknadel im Heu. Endlich verstehe  ich: Es fehlen noch 100 Meter. In einem Jahr sei es soweit. Solange will ich nicht warten.

 < 2010 war die Überfahrt natürlich kein Problem, die Brücke ist gewaltig, aber auch schön; 12€; das gefällt weniger. Ob die Brücke ausgelastet ist? Sie wäre es nur, wenn es Fahrwege durch Albanien gäbe.>

Patras ist die drittgrößte Stadt Griechenlands. Wer  sich nicht auskennt, findet zuerst in Hafennähe viele Cafes, aber nichts herzhaftes zu essen. Erst mit einigem Abstand zur Hafenregion, jenseits des großen Platzes mit dem schönen Brunnen kommen originelle Lokale. Dort wimmelt es von jungen Leuten, offenbar ein auch bei den Studenten beliebes Viertel. Dort ist es zum Castell nicht weit.

Die Überfahrt nach alter Manier mit der Fähre aufs mittelgriechische Festland erfolgt schweren Herzens, denn die Nordküste der Peleponnes wird ausgelassen. Genauso eine Fahrt mit der Dampfzahnradbahn nach Kalavryta, einer der entscheitenden Orte, wo 1821 die Befreiung von den Türken eingeleitet wurde. Leider ist es der Ort eines schrecklichen Massakers, welches von der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg an griechischen Zivilisten  verübt wurde.

< 2010 bin ich von Kórinthos nach Patras gegefahren und habe so diese Nordküste der Peleponnes nachgeholt.  Genauer gesagt ging es in Elenohorio am Ende der „Weinstraße“ noch mit Blickkontakt zu Akrokorinth los. Das Meer war ruhig. Es war dunstig. Die andere Seite (Mittelgriechenland) konnte man erst in Patras sehen;

Dimeniou gab sich ungastlich, nur Kirchen und Apotheken, aber keine Unterkunft für den müden Wanderer. Über Melissi sind wir in Xylochastro doch noch gut untergekommen und können die gute Küche von Sikia  nur loben. Die ganze Küstenstraße ist dicht besiedelt. Man findet alles, wenn man nicht so anspruchsvoll und unverschämt meckert, wie ich in dem von mir verleumdeten Dimeniou.

Kalutro imponiert geologisch interessant. Bei Paralia platanou ist der Schienenstrang der Schmalspurbahn nach Patras zugeschüttet. Hoffentlich bleibt dieses lustige Bähnchen erhalten.Bei Diakopo kommen die malerischen Berge wieder heran ans Meer.>

 

Mein Lieblingsstädtchen

2 Tage Aufenthalt in Naupaktos. Venezianische (Festung) heißt es Lepanto. Hier fand die berühmte Seeschlacht statt.

Exkurs:

Fast eineinhalb Jahrtausende war Konstantiopel eine von beiden hervorragenden christlichen Städten. Nachdem es an die Türken verloren war, hat sich der Papst doch geschämt und eine Koalition gezimmert. Die vereinigten „europäischen“ Seestreitkräfte  haben bei Lepanto gesiegt. Sonst wären wir heute alle Muslime, und es ginge um die Frage, ob Irland der vereinigten Türkei beitreten darf.

Schlachten sind etwas Scheußliches. Das hat auch ein Teilnehmer erfahren: Miguel Cervantes der Dichter des Don Quijote. Er erlitt eine qualvolle Verletzung; er hat sein Leben gerettet und nur den Verlust eines Auges zurückbehalten. Der Chef der vereinigten Seestreitkräfte war ein uneheliches Kind: Don Juan d'Austria. Er ist in Regensburg geboren. Das bleibt mir so gut im Gedächtnis, weil sich die Griechen fast umbringen, um Regensburg zu schreiben: das b wird zu mp. Für Sprachbegabte, wie  Moni eine ist,  ist die griechische Schreibweise logisch. B wäre ja   ein w; also brauche ich eine Schreibweise für das klassische B, die Lösung ist MP. Genauso schreiben die Griechen so wichtige Worte wie „Beer“ und „Bakon“ mit MP. MPEER und MPAKON.  Ich will es nicht vertiefen, sonst fangen wir an unter Extras die griechischen Buchstaben zu suchen, und das wäre selbst bei meiner kleinen Sammlung mühselig. 

 Naupaktos hat mir  spontan gefallen. (ich kannte es aus dem Jahre 1976 als Moni und ich auf unserer 2,5 Tage Rundfahrt hier durchgekommen sind. Unsere gemeinsame "klass. Rundreise", aus dem Sonderangebot, wo wir mehr mit der Therapie unserer mitreisenden Alkoholiker, als mit Griechenland befasst waren. Klass. Reise = Klass. Mechanismus eines Missverständnisses: Kein Wort Griechisch = kein Alkohol = Entzg = Anfall. Unsere Gruppe hinterlies in Griechenland eine Spur stark verminderter Wertschätzung gegenüber den Deutschen.)

Auch 2004 fand ich in Lepanto spontan ein schönes Hotel, ein Stammlokal und ein Stamm-Internet-Café. Der schöne Blick hinüber auf die Peloponnes, die witzige kleine Burg am Hafen waren die Kulisse eines harmonischen Tages.Vie l getippt, wie man sieht. Freilich auf fast jeder Insel ist mehr los. Dort ist alles feiner. Naupaktos ist ein Festlandsstädtchen am Meer, es ist offen für seine Gäste, aber es quillt nicht von Gästen und von Reichtum über. Es ist lebhaft; es gefällt. Übrigens habe ich nicht erwähnt: die wunderschöne Wegstrecke von Naupaktos nach Osten, wenn man nach Delphi fährt! So lange es das griechische Festland gibt, brauche ich keine Inseln mit Flughafen, einem Sack voll Diskoteken etc.

Aufbruch zur letzten Etappe entlang der Westküste (bis in den Norden nach Igioumenitsa). Zuerst 34 Kilometer bis Mesologgi; eine phantastische Küstenstraße mit dem Blick hinüber zum Peloponnnes.

Dann zwingt wieder ein Vorgebirge zu einer kleinen "Detour" weg vom Meer.

Messologgi ist ein Heiligtum des griechischen Freiheitskampfes ab 1823. Da   gab es eine scheußliche Belagerung und verzweifelte Belagerte. Wir fühlen mit, wenn alles etwas verklärt wird. In einem schönen Park sieht man türkisch bekleidete schnautzbärtige "Griechen" mit Fes und Krummschwert, die sich ihrer Besatzer erwehren. Es war keine Verkleidung; das war ihre Tracht seit 400 Jahren. (Ich versuchte es zu schildern unter „1827 die Wende im Freiheitskampf“ ). Im Park sieht man auch die zahlreichen europäischen Sympathisanten der Griechen. Allen voran der edle Lord Byron, der in M. starb und dessen Herz hier begraben ist. Die Türken empfinden es als ungerecht, dass man ihnen die Rolle der Unterdrücker zuspielt. Eine bestimmte Schicht der Griechen waren im osmanischen Reich gut angesehen und hielten besonders im Handel alle Fäden in der Hand. 

Die Weiterfahrt folgt zuerst einer der seltenen Eisenbahnlinien. Dann ist in Aitoliko eine Bucht zu überqueren. Ein großes Flussdelta  liegt wieder im Weg. Die großen Hindernisse bei meinem Küstenprojekt sind die Delta großer Flüsse. (Das größte und unüberwindlichste in Europa  ist das des Guadalquivir an der Grenze von Spanien und Portugal.) - Ein Flussdelta   wurde zum ersten Mal von Herodot beschrieben und wegen seiner an den griechischen Buchstaben angelehnten Form so benannt. Er erkannte seine Entstehung als Schwemmland und seine Besonderheiten mit Sumpf, eigener Flora und Fauna.

Kleine Sträßchen teilweise entlang der Kanäle führen durch das flache Land. Prompt verfahre ich mich hoffnungslos. Schließlich lotsen mich barmherzige Bauern nach Astrakos. Es geht weiter durch die fruchtbare Kultursteppe. Später wird es steinig mit schütterem Baumbestand. Lebhaft sind die Märkte in den zahlreichen Dörfern. Aus allen Winkeln bewegen sich die Uralt-Traktoren den Marktflecken zu. Sie liefern die Früchte des Feldes ab; und laden wertvolles Kulturgut auf: Plastikeimer, Plastikstühle, Schaumstoffkissen und wertvolle gestickte Teppiche. Was die Wandbehänge betrifft: Hier gibt es nicht den lieben Papst Johannes den 23. und auch nicht J.F. Kennedy, aber einige Freiheitshelden, die ich leider nicht so gut auseinanderhalten kann und die Entführung aus dem Serail.

Die genannte Stadt Astrakos liegt an einer markanten Bucht, die das Ende des beschriebenen Deltas markiert. Von dort führen Fährschiffe nach Kephalonia   und Ithaka.  -  Also, wenn Odysseus mit mir gefahren wäre, hätte er nicht mehr weit gehabt und hätte sich hier verabschiedet (freilich nicht ohne mir herzliche Grüße an Euch - Ihr daheim Gebliebenen - aufzutragen).. Penelope hätte gesagt: „Was, jetzt kommst du schon, ich habe dich erst in 10 Jahren erwartet“. Also es wäre in der gesamten Odysee ein großes Durcheinander entstanden.

Von dort folgen ca. 50 Kilometer einer sehr markante Steilküste. Vorausgesetzt, dass es gelingt in Astrakos die richtige Ortsausfahrt zu finden. - Rechts wieder einmal hohe (1500 m) Berge und links im Wasser mehrere kleine Inseln. Weiter im Nord-Osten die mächtige Insel Leukada. Ich besitze lediglich eine Karte mit griechischer Schrift; daher meine Unsicherheit bei den lateinischen Umschriften: Lefkada?

Nach Palairos gehts wieder in die Ebene. Weg vom Meer (wegen Schwemmland) und weiter nach Aktio. Man muss sich wirklich nicht merken, welche Seeschlacht dort stattfand. Sonst gewinnt ihr noch den Eindruck, ich wollte hier eine Sammlung von Seeschlachten vorlegen.(Oktavian gegen Antonius + Cleopatra, die Sieger von "bei Philippi sehen wir uns wieder" diesmal gegeneinander. Cleopatra war so schlau bei sich abzeichnender Niederlage Freund und Schlachtfeld zu verlassen.).

Geographisch ist dieser Punkt höchst bemerkenswert. Hier trennt eine Meerenge von 2 km den mächtigen Abrasischen Golf ab.

Etwas müde geworden bin ich in Gedanken bei der "guten alten Zeit"; wie von selbst bringt mich mein Automobil zum Fährhafen, wo ich mich  gegen ein Handgeld nach Preveza   übersetzen zu lassen gedenke.

Da   höre ich, das Schiff sei im Orkan vor Aktio gesunken, der Fährmann  unehrenhaft seines Amtes enthoben und der Hafen versandet. Auf meine Bestürzung, den Abrasischen Golf umrunden zu müssen, besänftigt man mich mit dem Hinweis, ob ich denn die Schilder nicht gesehen hätte. Wo sind die  Schilder und was verheißen sie?  Ein Wunderwerk verbände das Festland zu beiden Seiten der Meerenge; was vormals geteilt, sei jetzt  durch eine Röhre tief unter dem Meeresboden verbunden. Ein wahrhaftiger Tunnel, der auch dem gemeinen Wanderer gegen Entrichtung eines Obulus (mit dem Abbild der Europa) das Geleit gibt.

 Nach einem griechischen Kaffe werde ich wieder munter, finde den Tunnel und gelange schnell nach Preveza. Das ist eine Industriestadt und hat einen guten Ruf bei allen Freunden der KP Ellados. So nahe dem Ende meiner Reise und frisch gestärkt, hält es mich jetzt nicht mehr. Ich fahre die nächsten, sehr schönen 50 Kilometer bis Parga   in einem Rutsch.

Auf dem Meer ein heller Schein ,

wir fahren in ein Wetter rein.

Viele Campingplätze habe sich hier angesiedelt. Straße ist nicht nur landschaftlich voller wunderbarer Ausblicke, sie ist gut. <2010 hat die Qualität der Straßen weiter zugenommen>

 

Parga   ist das Bad Neuerahr von Epirus. Diesen Ort soll man sich merken!

Ein Haufen munterer Leute; traumhafte Lage an einer kleinen Bucht. Einige Inselchen in der Hafeneinfahrt, wie vom Designer eingeplant oder sogar besser. Leider bekomme ich keinen Telefon-Kontakt mit Igioumenitsa   (Rückgabe meines Autos und Schiffsverbindung). Also fahre ich dorthin weiter.

Diese Bemerkung „....von Epiros“ ist ziemlich dumm. Dieses Land ist etwas besonderes, etwas geheimnisvolles. Bad Neuenahr passt nicht nach Epirus.