Nin besitzt reichlich römische Reste

Abb. 35: Nin besitzt reichlich römische Reste.
Nicht dargestellt die kleinsten (ehemaligen)
Bischofskirche der Welt; eine Kostbarkeit
aus frühchristlicher Zeit:
Sveti Kriz (Heiligkreuz) = Santa croce

 Dritter Teil der Tour : Norddalmatien

beginnt am Ende des Velebitski-Kanal ( = Ende der Insel Pag), in der Höhe die Stadt  Starigrad Paklenica.

Nehmen wir das Stichwort auf: „Festland auf dem Zadar liegt“. Selbst vor dieser Küste liegen nochmals mehrere Streifen mit interessanten Inseln z.B. gegenüber von Zadar die Insel Uglijan mit dem Badeort Preko verspricht Linderung bei Rheumaleiden (Meeresschlamm).

Im Land liegt ein interessanter Nationalpark: Paklenica. Die Höhen des Gebirges im Nationalpark reichen über 1700 m Höhe hinaus, es gibt gewaltige Schluchten, große und kleine Paklenica (Velika und Mala). Die große Schlucht ist durch Wanderwege erschlossen. Die an ihrem Eingang bis 400 m hohe senkrechten Wände ein Anziehungspunkt für Kletterer.

Paklenica sollte nicht verwechselt werden mit dem Nationalpark Plitvicer Seen; letzterer liegt weit v on der Küste entfernt im waldigen Bergland der Mala Kapela. Das kalkreiche Wasser des Korana-Flusses lagert Kalksinter ab, der immer neue Terrassen und Barrieren bildet. Die 16 sindmiteinander verbundenen blaugrün schimmernden Seen sind eine Attraktion.Von dem markanten Punkt „Ende Velebitski Kanal/Verbindung zum kleinen Novigradsko More“ wollte ich jetzt nicht schnurstracks nach Zadar und auch nicht in Razanac hinüber nach Pag, sondern mit einem nord-westlichen Umweg an der Küste bleiben und Nin erreichen.

Abb. 36 Nin.
Eigentümliche,
wahrscheinlich
frühchristliche
Plastiken

Nin, wenige km von dem Tourismuszentrum Punta Skala entfernt, liegt auf einer Insel und wurde von den Römern Aenona genannt. Es ist wirklich paradox: Wir sind auf dem Festland, blicken auf weiteres Festland mit dem Velebit Gebirge, dazwischen liegen aber Ausläufer der Insel Pag, die sich dem Festland stark annähern; Man kann es wirklich nicht so leicht begreifen.

Eine Touristenattraktion dieser Gegend sind die Grabhügel aus der Zeit der Illyrer und zwar von einem Unterstamm, den Liburern.

Nin war für die Christianisierung offenbar entscheidend.Es hat sogar als Bischofsstadt eine Rolle gespielt und wirbt mit einer Kostbarkeit aus frühchristlicher Zeit: der kleinsten Bischofskirche der Welt: Sveti Kriz (Heiligkreuz) = Santa croce. Ganz in der Nähe liegt eine größere Kirche Sv Anselm. Überall stößt man auf  römische Reste und Darstellungen an der Stadtmauer, die an die Völkerwanderung erinnern.  An der alten Stadtmauer ließ sich gut eine Ruhepause einlegen.

Nin bietet wenig Unterkünfte. Daher inspizierte ich die Campingplätze. Auf dem ersten brieten einige Leute Fisch und luden in englischer Muttersprache zum Dableiben auf. Etwas wie eine Rezeption gab es nicht mehr. Aber nett, dass man dann nicht absperrt, sondern dem interessierten Publikum das Terrain überlässt. Der nächste Campingplatz hat richtig alles was man braucht. Eine Invasion von Franzosen ist ganz erfreut und  beruhigt französisch angeredet zu werden. Noch Tage später werde ich in verstreuten Städten auf französisch begrüßt. Die  Lagune bot sich zum Baden an, war aber – das einzige Mal in ganz Kroatien - nicht so sauber. Dazu bin ich an der Düne – ausgerechnet am Schotter – ausgerutscht und habe mich leicht am Unterarm verletzt. Es muss jemand Schuld daran sein; hier muss ein Köter herhalten, der mich bedrängt hat. Abends ein längerer Ausflug mit dem Rad; nur meine Beleuchtung war etwas schwach, genauer gesagt war es eine „Null-Beleuchtung“.

Ich habe gut ohne Schmerzen geschlafen, allerdings mit Unterstützung von  Indometazin. Bei uns gilt das Rheumamittel als unmodern, wird hier aber, wie ich am nächsten Tag in der Apotheke hörte, gerne angewendet. –

Das Tanken ist günstig und gestaltet sich in Kroatien nie als Problem.

Abb. 37: Sveti Donat in Zadar,
der Hauptstadt Norddalmatiens

 9.Tag. 84 km.

Es gibt Strecken, auf denen die Realität einen anderen Eindruck macht als die Karte. Eine der Ursachen ist vielleicht die Veränderung durch rasche Bautätigkeit.

Bis Zadar sind es 16 km, die Straße mit einige Nadelhölzern zu beiden Seiten ist flach, karg und heiß,.

In Zadar der schönen Hauptstadt Norddalmatiens habe ich frühzeitig geparkt und bin aufs Fahrrad umgestiegen. Das bedeutet, erst mal erfragen in welcher Richtung die Stadt überhaupt liegt. Ich bin noch außerhalb der zentralen Insel und komme über einen Kanal durch alte Stadttore zur  Bastion. Auf der anderen Seite der Altstadt liegt das Meer und die oben genannten „Rheuma-Inseln“. Zuerst habe ich mich falsch orientiert und eine Bucht vermutet.

Abb. 38:
Dieser Rundbau
ist eine
Kostbarkeit

 1991 bis 1995 war Zadar durch Serben vom Hinterland abgeschnitten worden und hatte schwer unter Versorgungsproblemen zu leiden.

Die lebhafte, stellenweise sehr moderne Stadt bietet ein interessantes Ensemble aus römischem Forum, byzantinischer Kirche (Sveti Donat) und der gotischen Kathedrale. Dazu gibt es venezianische Stadtmauern sowie österreichische Fortifikationen; auch hier heißt die alte Hauptstraße Dekumanus maximus.

Die Bedeutung der Stadt war im Altertum gering und hatte erst  in der Völkerwanderungszeit zugenommen, als durch Eroberungen der Awaren, die Verwaltung Dalmatiens hierher verlegt wurde.

Nach der Zeit der ungarisch-kroatischen Könige wurde von 1200 bis 1400 der venezianische Einfluss immer deutlicher. Die Stadt hieß Zara. Nach dem 1. Weltkrieg fiel Zadar nicht an das neue Königreich Jugoslawien sondern an Italien (genau wie Istrien).

Abb. 39: Entstanden um 800 n.Chr.;
dem Zeitgeist entsprechend wurden die in großer Zahl
vorhandenen römischen Steine verbaut.

Abb. 40: Auch römische Säulen wurden geschätzt

Abb. 41: Blick
in das Dach
des Rundbaus

Abb. 42: Zadar. Pforte des Doms
Sveta Soštije, das ist Anastasia

Im Einzelnen: Sveti Donat ist eine Kostbarkeit. Das Interessante, nämlich der Rundbau, entstand um 800 n. Chr. Mich hat besonders die Verarbeitung zahlreicher Reste von römischen Tempeln interessiert und fasziniert. Das war nur möglich, weil alles liebevoll freigelegt ist.

Eine andere große Kirche ist die Kathedrale. Sie heißt Sveta Stosija, das ist die Anastasia. Auch hier sind in großer Menge die Säulen aus einem römischen Tempel eingebaut, allerdings auch in ihrer Funktion verwendet, während Donat nur das Baumaterial nutzt und allenfalls die alten Steine als dekorative Elemente anerkennt.

Dann gibt es auch noch Sveta Marija, ein Nonnenkloster mit einem eindrucksvollen romanischen Campanile von 1105, die Stomorica, Ruine einer frühkroatischen Kirche und die Kirche des Heiligen Simeon (Šime). Letztere Gegend ist als Kneipenmittelpunkt für den „Absacker“ nach ausgedehnter Besichtigung geeignet. 

Abb. 43: Inneres mit vielen römischen Säulen

Abb. 44: Durch diese bewehrte Enge
kommt man zur Kathedralenstadt Sibenik

 

 Der nächste Abschnitt der Küste (28km bis Biograd) bietet wenig Kultur aber eine schöne Landschaft. Die Straße arbeitet sich zwischen Meer und Gebirge durch. 

Turanj auf halbem Wege ist mir wegen seiner schönen Silhouette aufgefallen. Biograd verehrt auch eine hl. Anastasia. Ich halte mich hier nicht auf. Lediglich ein Bad im Meer bietet sich an. Offenbar blüht die illegale Bautätigkeit. Das wirkt sich nicht auf die unverändert vorbildliche Sauberkeit des Wassers aus. Vielleicht tut die Sonne auch ihr Gutes als der große Reiniger.

Von Biograd, lasse ich mir sagen, führt eine Fähre auf die Insel Pasman mit einem interessanten Benediktinerkloster der beiden Heiligen Cosmas und Damian. Die Inseln rechts der engen Wasserstraße (Zadarski Kanal) sind ganz im Kontrast zu Krk und Raab bewaldet, sogar auf der Ost-Seite. Es gibt ein Autocamp „Frankenland“. - Das Wort „Autocamp“ könnte auf DDR-Zeiten zurückgehen.

Die Landschaft hier auf dem Festland ist nicht mehr so schön: ein paar Büschel zwischen Felsbrocken. Der Autoverkehr läuft moderat und vernünftig. Vielleicht hat die Autobahn Entlastung gebracht.

Nach Biograd führt die Straße zwischen dem Meer und einem größeren See hindurch. Es bieten sich zwischen den Inseln interessante Ausblicke auf die Adria. Weit draußen auf dem Meer liegen die Kornat- oder Kornati-Inseln, ganz kuriose Mondlandschaften aufgelockert durch wenige kleine Oasen. Dorthin kann man Bootsausflüge machen -soweit ich mich erinnere - auch vom erwähnten, kleinen Hafen Tribunj (neben Vodice).

Schließlich  führt mich meine Route etwas weg vom Meer geradlinig zur  Stadt Vodice. Der Ruf ist zu Unrecht etwas angekratzt, es soll  „touristisch“ sein. Da der Touristen-Strom in dieser Jahreszeit auf 30% reduziert ist, relativiert sich diese Charakterisierung. Es ist jetzt gerade richtig. Vielleicht nicht ganz so romantisch wie die istrischen Städtchen, aber angenehm geräumig und trotzdem charaktervoll. Es gibt einen reizvollen alten Ortskern und eine große, touristische Hafenpromenade.

Ich schreibe Moni eine Mail in dem großen Hotelklotz am Ort. Dieser ist zur Zeit leer. Zimmer gibt es also reichlich ab 90€. Daher suche ich ein privates Angebot: „Sobe“, „Apartaman“. Ich sprach einen alten „Vadder“ an, von dem ich dachte, der kann einen Gast brauchen. Er versteht mich leider nicht. Nicht verstanden zu werden ist ein gutes Zeichen, dass der Fremdenverkehr doch nicht alles beherrscht.  Eine alte Mutter auf der anderen Straßenseite versteht auch sehr wenig, hat aber gleich eine Etage mit 4 Zimmern zur Auswahl, Küche, Dusche, Aufenthaltsraum und einen malerischen Freisitz, alles für 20€. Der Mann meiner Wirtin ist vor kurzen gestorben. In dem kleinen Anwesen wird gerade Wein gemacht. Sie haben perfekte Stahltanks. Aber es wird auch mit uralten Bütten und Fässern „geschafft“. Diese sind nicht dicht und das Holz wird mit vielen nassen Decken einer Quell-Kur unterzogen. Trauben gären zuerst ungekeltert im Holz-Trog. Anscheinend wird mit nur geringem Druck gepresst. Offenbar entsteht eine Art „Vino santo“. Der Rest der Trauben wird zu Schnaps verarbeitet. In jedem Fall war es interessant zuzuschauen. Gelegentlich musste ich meiner ziemlich überlasteten Wirtin öfters mal helfen, ein Fass zu rollen. Das Besondere an der Kommunikation war, dass meine Wirtin keine Sprache sprach die ich verstand und umgekehrt.

Feigen wachsen auf dem Grundstück, wie sie herunterfallen werden sie getrocknet und zwischen Lorbeerblättern aufgefädelt.

Morgens bekomme ich – obwohl nicht vorgesehen- einen typischen Kaffee. Ich bleibe 2 volle Tage und versuche meine Rückenbeschwerden zu kurieren.

In diesen 2 Tagen unternahm ich 2 Ausflüge

Abb. 45: Etwa 5 km
vom Meer entfernt
ist die Stadt
einem Venedig
vergleichbar,
welches am Hang
liegt.

 10.Tag. 0 Auto-km, aber 2 mal 14 km Schiff mit 2 mal 1 ¼ St. Fahrzeit: Personenfähre über die Inseln Privic und Zlarin in den Fjord des Krka nach Šibenik.

Um 8°°Uhr war noch nichts los am Hafen, aber um 10°°Uhr entschloss man sich, die Schiffe fahren zu lassen. Es läuft alles etwas bedächtig am Ende der Saison.

Die Kathedralenstadt Šibenik liegt an diesem mächtiger Fjord ca 5 km vom Meer entfernt . Den Eingang des Fjord bewachen eine (barocke?) Festung und auch militärische Anlagen der Neuzeit (für U-boote?).

Abb. 46: Blick von einer der
Burgen auf die Stadt

 Šibenik liegt ausgesprochen malerisch. Venedig hat es durch eine lange Zeit der Zugehörigkeit geprägt; es ist ein „Venedig am Hang“ entstanden mit vielen gotischen Zeugnissen in Stein. Im Gegensatz zu Zadar ist es keine römische Gründung.

Abb. 47: Blick von einer der Burgen Krka aufwärts

 

 Durch die Altstadt gelangt man zur Festung aus byzantinischer Zeit (ab 1000 n.Chr). Wer hilft mir nach? Ist es Sveta Ana oder Sv. Michael. Die Festungsmauer zog sich bis zum Wasser, was den Anwohnern eine Möglichkeit zum Entspringen bot.

Im Inneren dieser etwas baufälligen Festung passierte schon viel.  Es ist auch schon mal der Pulverturm explodiert, ein gängiger Unfall im Festungsbetrieb (vergleiche Akropolis in Athen).

Es bot sich ein traumhafter Blick auf Stadt und Hafen und auf weitere Festungen venezianischen Ursprungs.

 

Abb. 48: Sibenik. Kathedrale des Jakob.

Abb. 49: Einige der 74 Portraitköpfe
an der Außenseite der Absiden
des Domes

 

 Am Kathedralenplatz steht die Stadtloggia und die Kathedrale des Heiligen Jakob mit der architektonisch wichtigen Dachkonstruktion eines Meisters Juraj Dalmatinac, dessen Standbild auf dem Dom-Platz steht. Er hat auch 74 Portraitköpfe an der Außenseite der Ostchöre (Absiden) geschaffen. Es sollen Portraits von Zeitgenossen sein.

 

 

Abb. 50: Architektonisch wichtige Dachkonstruktion
eines Meisters Juraj Dalmatinac

Abb. 51: Sibenik. Altstadt mit einer Fülle plastischer
Details vorwiegend aus der Gotik

Abb. 52: Reisegruppe in der Altstadt