stimmungsvoller Morgen in Österreich.

Abb. 94: Nach der Autobahn Zagreb,
Maribor, stimmungsvoller Morgen
in Österreich.

 

 Ich schildere noch schnell das letzte, ausgelassenen Wegstück. Was hätte es da zu sehen gegeben?

Die Fortsetzung des Weges führt unterhalb von Mlini vorbei; der Name bedeutet Mühlen. Ihre Motore und ihre Wasserströme sind versiegt, aber die schöne Lage in einer Bucht und die Nähe zu Dubrovnik (10 km) bei einer prächtigen Vegetation machen den Ort bekannt. Liegt Mlini schon auf bosnischem Gebiet?

An der Uferstraße steht eine 100-jährige Pappel.

 Cavtat (gehört noch zu Kroatien), ein bekannter Badeort in markanter Lage mit charaktervollem Leuchtturm. Das ist ausnahmsweise mal eine griechische Kolonie. Die Mutterstadt ist Epidauros. Von diesem Ort aus wurde wiederum das benachbarte Dubrovnik gegründet und zwar schon in der Zeit der Völkerwanderung. Hier trieben auch slawische Volksstämme ihr (Un-)wesen und Dubrovnik war eine sicherere Felseninsel als Cavtat. Störend sei die Nähe des Flughafens. Jetzt zu meiner Zeit war jedenfalls in Dubrovnik der Flugverkehr nicht mehr wahrnehmbar.

Vom Flughafen bis zur Grenze kann man auch ein kleineres küstennäheres Sträßchen nehmen und die Hauptstraße meiden.

Bei Gruda (Hauptstraße) kann man sich an einem Naturdenkmal, nämlich ein Wald 100-jähriger Lorbeerbäume, erfreuen. Der Ort ist ein gastronomischer Magnet.

Wir verlassen Kroatien und sind im letzen Abschnitt, in der kleinsten ehemaligen Teilrepublik Jugoslawiens, Montenegro. Die Küste reicht von der Bucht von Kotor (schönster Fjord der Adria) bis zum Delta des Bojana-Flusses (Grenze zu Albanien).

Eine wechselvolle Küste, nicht zu viel Sand und Kies sondern viele Felsen, was ja bekanntlich die Auswüchse des Tourismus im Zaum hält. Der Name Montenegro verspricht eine ideale Kulisse des baumbestandenen bergigen Hinterlandes. Was anders ist, als in Dalmatien: das Fehlen der zahlreichen Inseln vor der Küste. –

Man schreibt kyrillisch zur Abwechselung. Das deutet auf oströmischen Einfluss hin.

Die Bucht von Kotor wird allgemein gelobt.

Unsere Fahrt geht los an der Nordküste dieser Bucht in Herceg-Novi. Dort wird Anfang Februar bereits die erste Blüte, nämlich die Mimose, mit einem Fest gefeiert. Man weiß die südliche Lage zu schätzen. In unmittelbarer Nähe liegt das orthodoxe Wallfahrtkloster Savina. Die älteste der drei Kirchen ist aus dem 11. Jahrhundert - Maria Himmelfahrt –die eine wundertätigen Ikone birgt; auch gibt es nicht ganz so alte Fresken.

Die Fahrt ums Mittelmeer ist auch eine Fahrt von Wundern zu Wundern und solche konnten tatsächlich Wunderbares vollbringen bei der Stärkung der eigenen Religion.

Zwei Felseninselchen liegen in der Bucht und tragen heilige Kapellen. Sie wurden bei der Errettung von schiffbrüchigen Seeleuten gespendet.

Die Bucht ist schon fast umrundet in Risan, dem ältesten Ort der Region, der bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. Zufluchtsort der illyrischen Piratenkönigin Teuta war. Also es gab im Mittelmeerraum auch Kräfte, die dem Römischen Reich längere Zeit Wiederstand boten.

Kotor selber ist von wuchtigen Mauern umgeben, an denen Römer, Byzantiner, Serben, Türken und Venezianer bauten.

Eine Rundfahrt von Kotor aus zum Mausoleum und zur alten Hauptstadt Cetinje wird sehr empfohlen. Man kann den Weg offenbar nicht verfehlen. Die schon erwähnte Passstraße hat 40 Haarnadelkurven und überwindet einen Höhenunterschied von 1500 m.

Das genannte Mausoleum ist das des Königs Petar Petrovic Njegoš 1813 bis 1851, Despot und Bischof. Dazu war er der größte Dichter Montenegros. Er hat es verstanden, sich durch sein markant gewähltes Mausoleum in Erinnerung und auch posthum seine Besucher in einem Treppentunnel mit 460 Stufen auf Trab zu halten.

Von diesem schwarzen Koloss blickt man über die schwarzen Berge.

Die ehemalige Hauptstadt Cetinje liegt auch noch 680 m hoch und bietet Kloster, Schatzkammer, Bibliotheken und ein Fülle von Museen,. - Die Tara-Schlucht sei die tiefste Schlucht Europas.

Südlich der Bucht von Kotor, also nach dem Ausflug in die schwarzen Berge, kommen wir zu einem vergleichsweise geradlinig von Nordwesten nach Südosten verlaufenden Küstenabschnitt, der sich bis nach Albanien erstreckt. (Die albanische Küste verläuft mehr in Nord-Süd-Richtung).

Budval, ein touristischer Mittelpunkt, schaffte es schon vor vielen Jahren auf über 4000 Hotelbetten. Bei den vielen Schlafplätzen muss man leider eine meistens wenig gelungene Hotelarchitektur vermuten. Viel beschrieben wird die Altstadt mit einer bevölkerten Hauptstraße und kleinen Nebengässchen, dazu ein Wehrgang, auf dem man das ganze Städtchen umwandern kann. Das klingt nach römischer Planung. Touristische Satelliten sind in der Nachbarschaft aufgeschossen.

Ganz in der Nähe und noch interessanter ist das Inseldorf Sveti Stefan. Ein 100 m langer Damm führt zum Festland.

Das Ensemble drohte zur Ruine zu verkommen und wurde deshalb zu einem einzigen großen Hotel umgestaltet. Es ist geschmackvoll mit alten Laternen ausgestattet. Die Preise hier gelten als stolz, beim Publikum dominieren die Senioren.

Weiter der Küste folgend, im Schatten des Pastrovici-Gebirges (Grenze zum Skutari-See) gibt es zwei weitere Orte ohne extreme Zahlen bei den Hotelbetten, beide sind Familien- und Kinder- geeignet:

Petrovac na Moru;

(die Beschreibung erinnert mich an den Übergang von der Halbinsel Mani zum restlichen Peloponnes mit der dominierenden Kulisse des Taygetos-Gebirges.) Das ganze ist in seinen Resten römisch.

Der zweite im Profil ähnliche Ort ist Sutomore; geschützt in einer Bucht oberhalb des Ortes erhebt sich die Thekla-Kirche mit einem katholischen und einem orthodoxen Altar, sowie mit den Ruinen der türkischen Festung Haj Nehaj. Einheimische Besucher bevorzugen den Ort, das erinnert mich an die italienische Riviera, mit den Geschlechtertürmen.

Der nächste Ort liegt etwas im Land, Stari Bar. Ein orientalischer Markt mit für den vom Norden kommenden Touristen ungewöhnlichen Geschäftsgebaren und oberhalb des Ortes die Ruinen einer türkischen Stadt.

Der nächste Ort liegt wieder am Meer: Ulcinj, orientalische Einflüsse sollen diese südlichste Stadt Jugoslawiens prägen. Entsprechend wimmelt es von Schleiern, fast so wie in Köln-Mühlheim. Die Minarette dürfen nicht fehlen und es erschallt der Ruf des Muezzin.

Oben erwähnt habe ich den im Binnenland liegenden größten Binnensee des Balkans, den Skutari-See. Das fischreiche durchschnittlich 6 m tiefes Gewässer ist  zu einem Drittel albanisch.

Das einzige größere Städtchen am See, bekannt durch seinen bunten orientalischen Markt ist Virpazar. Im Nordosten des Sees dehnt sich eine Ebene mit Sumpf- und Ackerland aus. Der See selber wird durch das schon genannte Gebirge vom Meer getrennt. Ein Abfluss zum Meer besteht nach meiner Kenntnis nicht. Der Bojana-Fluss fließt knapp am südlichen Rand vorbei, umgeht sozusagen Fluss und Gebirge auf seinem Weg ins Delta des albanischen Grenzlandes.

Bis zur albanischen Grenze erstreckt sich ein sandiger Strand, der heftig aufgewirbelt werden kann und  dieses Städtchen mit einem Grauschleier überzieht.

Im Meer soll die Einmündung des großen Flusses Buene durch seine Strömung lebensgefährliche Probleme verursachen können. Der lang gezogene Strand sorgt natürlich für ein touristisches Highlight ganz im Süden des ehemaligen Jugoslawien.

 Das angrenzende Albanien wird in neueren Reiseführern nicht mehr so rechtsfrei geschildert, wie es noch vor 10 Jahren der Fall war. Für uns bleibt es gewöhnungsbedürftig, wenn Konflikte mit Hilfe der Blutrache „gelöst“ werden. Immerhin kenne ich 3 Menschen, die Albanien bereist haben. Ich könnte mir vorstellen, für Albanien müsste man sich Zeit nehmen, sich sprachlich und sicherheitstechnisch sehr gut vorbereiten. Die Entwicklung ist günstig: der Lebensstandard wird etwas besser und gleichzeitig sind Kameras nicht mehr solche Kostbarkeiten. R.S. schildert die Menschen als ehrlich: man hat ihm sogar verschiedentlich, das Trinkgeld hinterhergetragen. Antonie L. war so begeistert, wie man sich in Albanien über Dinge freuen kann, die bei uns selbstverständlich sind. A.F. will einen Fahrrad-Reiseführer machen. 

 

 

Spätes Licht in Passau

Abb. 95: Spätes Licht in Passau

Ja ich wollte noch kurz über den Heimweg berichten. Er erfolgte ohne nennenswerte Phantasie:

Von Dobrovenik bis Autobahn waren es 139 km. Vom Neretva Delta ging es noch 40-50km über die Dörfer bis ich Anschluss an die Autobahn hatte. In der Enklave Neum (bosnisch) wirkt alles etwas ramponiert. Es war nicht klug zur frühen Tageszeit dort Spaghetti zu essen, der den Kalorienbedarf eines Schwerarbeiters decken sollten und konnten. Alle kauften Schinken und Käse (Sir) ein.

Als die Autobahn erreicht war, ging es 450 km weit und bequem vorbei am schönen Fluss und großen See Maslenica nach Zagreb. Ein Anhalter Alexander hat mich beim Fahren abgelöst. Er ist Messeaufbauer in Mostar und wollte zum Geburtstag seiner Mutter nach Maribor.

In Maribor habe ich mich in der hereinbrechenden Nacht hoffnungslos „verfranst“. Ein Hotel musste als rettender Hafen fungieren. Ein gutes Frühstück hat aufgebaut. Es gelingt problemlos die Ausfahrt und sogar die Landstraße zu finden um die Maut zu meiden. Wunderbare Morgenstimmung an der österreichischen Grenze. Es geht durch Gramlitz, Ehrenhaus und Altdorf (Festspielstadt, nicht zu verwechseln mit Altdorf in der Schweiz, was auch Festspiele macht und zwar Schillers Tell auf die Bühne bringt).

Dann folgt eine klassische, nicht zu bergige aber trotzdem wunderschöne Österreichdurchquerung, entlang der Mur bis Graz (10 km langer Plabutschtunnel.

Östlich der Niederen Tauern führt der Weg Richtung Wels. Ich fahre bequem durch mehrere Tunnels: Gleinalm mit 8,3km, Bosruck 5,5 etc. Von Wels komme ich nach  Passau und gönne mir einen einem sonnigen Stadtspaziergang. Über Regensburg gings nach Hause. Rückenschmerzen wurden im Oktober des gleichen Jahres drastisch gebessert, nachdem mir Reinhard Dehnungübungen bestimmter Hüftmuskeln (besonders M. piriformis) beigebracht hat.

Es war eine kompakte, konzentrierte Fahrt. Ordentliche Vorbereitung war später sehr hilfreich. Die Fotodokumente sind gut.

Die Ausrüstung war in Ordnung. Ein Problem war – wie so oft - etwas Banales: Es wurde früh dunkel, ich wollte aber nicht früh schlafen. Es fehlte die abendliche Leselampe und der nächtliche CD-Player.

Es gibt alles in diesen schönen und aufstrebenden Ländern. Der Gast ist willkommen. Der Krieg hat keine für uns erkennbare Fremdenfeindlichkeit hinterlassen. 

Auf Wiedersehen in diesem schönen Land mit seinen netten Einwohnern.