Von Lienz Drau-abwärts führen die eindrucksvollen Passtrassen über die Lienzer Dolomiten

Abb.1: Von Lienz Drau-abwärts führen
die eindrucksvollen Passtrassen
über die Lienzer Dolomiten

 Der 1. Tag: Vorbereitung und Anfahrt. (508 km mit einem Durchschnitt von 80 Km/h und einem Verbrauch von 4,8 l/100km.)

Als Camper bin ich wenig erfahren. Das angenehme Klima und das malerische Land boten sich an, sich diese Möglichkeit offen zu halten. Ich musste nicht Hals über Kopf aufbrechen, sondern konnte mich vorbereiten: ein Fahrrad, um nicht einzurosten, eine gute glatte Fläche im Auto, Luftmatratze und Schlafsack. So könnte mich auch nächtliche Kälte überfallen, wie es mir schon mal in Fejus passiert ist. Ich war also gegen den berüchtigten „Boras“ gewappnet.  Wie allerdings mein verehrter Vorgänger der Baron von Münchhausen die Nacht im Schnee wohlig geschlummert hat, bleibt mir ein Rätsel.  Verpflegung für eine Woche wurde eingepackt, das war unnötig und zeugte von meiner Unkenntnis der Länder. (In dem von mir ebenso geschätzten Griechenland wäre es kein Schaden das mitzunehmen, was man nicht auf einem Markt kaufen kann, Kroatien ist dagegen unproblematisch). Ich hatte jedenfalls einen Wasservorrat, Glühbirnen, Sicherheitsnadeln, Leukoplast, Malzeug. Interessanter für verehrte LeserInnen ist, was mir gefehlt hat: ein Anschluss für den CD-Player und eine im Auto anschließbare Lampe. Es wurde Ende September zeitig dunkel und ich hätte noch Lektüre (auch als Einschlafhilfe) gebraucht. Sicher hatte mein Auto eine Beleuchtung. Diese schaltet sich aber nach wenigen Minuten ab.

Ich startete reichlich spät am Tage. So war vor 80 Jahren mein Großvater August nach Rom gestartet. Ich habe darüber einen Bericht geschrieben, den man unter dem Stichwort "Rom" auf dieser Seite findet. Das war eine phantastisch vorbereitete Reise; aber leider fehlte etwas: die Zeit.

Im Gedächtnis an August notiere ich jeden Tag die Strecke. Ich hoffe, dass man in wenigen Jahren entsetzt ist über „solch hohen“ Spritverbrauch.

Schon in Nürnberg hemmte der erste Stau die flotte Fahrt. Den zweiten Stau in Irschensee nach München konnte ich als Pause ausnutzen. Tatsächlich war der Stau nach einer Siesta wie ein Spuk verschwunden.

Der Vorsatz war, Österreich ohne Autobahn zu durchqueren. Das geht. Es werden keine Hindernisse eingebaut, die den Verkehr auf die mautpflichtigen Straßen zu zwingen versuchen. Nicht nur von dieser Seite Lob an die Alpen-Republik, auch die Fahrt war eindrucksvoll: Die Einfahrt in die Alpen, das Tor, durch das der Inn sich aus den Bergen befreit, ist gigantisch.

Kufstein gefiel mir gut mit der überdimensionierten Festung und den malerischen Häuserzeilen. Ein Stadtbummel ist empfehlenswert.

Die Einfahrt über das InnTal in die Berge in Richtung St. Johann und Elmau leigt  zwischen mächtigen Felsen und ist ist beeindruckend; (er erinnert mich an den ersten Teil des Aufstiegs nach Klosters von Landquart aus, entlang des gleichnamigen Flusses.)

Es weckt gute alte Erinnerungen an Afenthalte am „Wilden Kaiser“.  Kitzbühl macht seinem Namen alle Ehre: Schicki/Micki,  Hahnenkamm, Spielbank, Industrie, Hofer, alles ist da.

Pass Thurn führt hinunter zur Salzach. Das war das einzige Mal, dass mich Raser belästigten. (Entlang der Salzach käme man nach Bischofshofen, Salzburg und auch nach Burghausen.) Ich wollte an diesen schönen orten nicht verweilen: rasche Querung der Salzach und Aufstieg zum Felbertauern-Pass und -Tunnel (realistische Gebühr). Am südlichen Ausgang sind römische Residuen erhalten (nicht ganz so deutlich wie am Julier-Pass in der Schweiz). Der Abstieg folgt dem Fluss Issel, der in die Drau mündet. Lienz liegt an dieser Drau und bietet mir die erste Campingstation mit schönem Ausblick durch das Tal und auf die nächtlichen Berge. Die reizvolle Stadt wird mit meinem „Rädle“ schnell erkundet und umrundet. (theoretisch: Drau-aufwärts ginge es ins Südtiroler Pustertal, Drauabwärts nach Spittal, Villach und durch ein Nebental zum Großglockner.) 

 

2. Tag. (300 km. 5.0)

Ein kleines Stück die Drau abwärts fahre ich vorbei an der Römerstadt Aguntum und dann rechter Hand über die Lienzer Dolomiten.

1. Zunächst der abenteuerliche Gailberg-Pass 

2. Danach der Plögenpass = Passo Monte Croce Carnico, eine  wildromantische Piste, mit ziemlich ausgeprägten Frostschäden.

An der Grenze gibt es eine Pause für menschliche Bedürfnisse.

Es folgt der Abstieg nach Timau mit interessanter Kalksteinkulisse. Noch 30 km bis Tolmezzo. Ein Museum bewahrt das Andenken an den „großen Krieg“. Das Tagliam-Tal  ist eine breite Kieselwüse mit  wunderbar bewaldeter Bergsilhouette. Die Dörfer wirken anfänglich verwahrlost. Dieser Eindruck verschwindet aber bald und die folgenden nicht zu großen Städte sind so bemerkenswert, dass ich mich in die Reihe der lobenden Kommentatoren einfüge.

Abb.2: Malerisches Udine;
am bekanntesten ist der Marktplatz
mit Herkulesstandbild, Uhrturm
und dem Blick auf die Burg

 Udine.

Dichter Autoverkehr mit stressiger Ein- und Ausfahrt. Es gilt Ruhe und Fairness zu bewahren. - Nach Innen wird die Stadt immer schöner. Ich nenne das den Padua-Effekt.

Es gibt viel zu entdecken im  malerischen Udine. Die Stadt präsentiert sich als lebhaft und reich. Am bekanntesten ist der Marktplatz mit Herkulesstandbild, Urturm und der Burg im Hintergrund.

Abb.3: Cividale, von Julius Cäesar gegründet;
ungewöhnlich reich an Resten
aus der Völkerwanderungszeit

 

Civedale.

Die von  Julius Caesar gegründete Stadt war später Hauptstadt der Markomannen. Sie hat sich den Reichtum an Zeugnissen aus der Völkerwanderungszeit erhalten. Die rätselhaften Reliefs und Skulpturen haben, wie viele Reisende, auch mich länger festgehalten. Besondere Aufmerksamkeit verdient der geheimnisvolle Markomannen-Tempel, ein christliches Kirchlein in der Nachbarschaft, schließlich das Franziskaner Kloster und die Teufelsbrücke.

Abb.4: Geheimnisvoller Tempel der
Markomannen,die hier die Hauptstadt
ihres Reiches hatten

Abb.5: Blick auf Gorizia von der imposanten
Anlage der Burg.
Slowenien ist schon in Sichtweite.

 Gorizia.

Präsentiert sich zunächst wenig freundlich. Kein Campingplatz, kein Hotel, kein Telefon, alles teuer und schwierig zu finden. Kein Grund, in Hektik zu geraten:  die Stadt ist schön und harmonisch.

Schließlich die einfache Lösung: Stadion, Parkplatz, Schlafsack, Silentio.

3.Tag

Neben meinem Schlafplatz öffnet ein Cafe und bereitet mir ein schönes Frühstück. Die Wirtin erklärt mir die Geschichte des Friaul .Das versöhnt mich. Strammer Marsch zur Burg. Die  imposante Anlage demonstriert die Macht dieser Fürsten.  Die Herrschaft war sicher längere Zeiten mit der Republik Venedig verknüpft. Eine hübsche italienische Mitreisende schildert ihr Heimatland in den hellsten Farben (solcher freundlicher Optimismus würde uns Deutschen schwer fallen).

Die Ausfallstraße 55 ist wunderschön, sie verläuft parallel zur slowenischen Grenze. Dann führt eine Abzweigung zur Küstenstraße, die  Felsenüberhänge und Durchbrüche aufzuweisen hat. Zum ersten Mal liegt das Meer vor mir. In 3 Zipfeln gestaffelt ragt das Festland in das weite Wasser: die Halbinsel von Triest, die Halbinsel, die noch befahren wird und Istrien. - Ich habe ein verlorenes Brillenglas wiedergefunden. Glück gehabt.

In Triest hielt ich mich nicht auf. Brücken leiten über riesige Raffinerien und Hafenanlagen; letztere sind noch größer, als die in Barcelona oder in Genua. - Erfreulicherweise erfolgt keine Grenzkontrolle.

Triest ist der eigentliche Ausgangspunkt meiner Reise.

Sie beginnt gleich mit Auslassungen, nämlich die der weit im Landesinneren gelegenen, berühmten Adelsberger Grotten und der Höhlenburg von Predjamski, hineingebaut in den Schlund einer Karsthöhle. Diese Burg galt als uneinnehmbar. Die Wehrhaftigkeit dieser alten Burgen war hauptsächlich eine Frage der Versorgung, wie ich aus der Provence weiß).

Mein Plan war, ohne „Pickerl“ Slowenien zu durchqueren; das wurde mir von den cleveren Behörden nicht leicht gemacht. Abfahrt „Muggia“ ist der Schüssel: die erste kleine Halbinsel musst du umfahren, um ohne Autobahn nach Kopper zu gelangen.

Es ist 30°C heiß. Viele Leute vornehmlich aus Triest genießen den Sonnentag am Meer.

Ein Bad im Meer tut besonders gut, da ich vielleicht von der langen Anfahrt Beschwerden im Rücken habe. Meine Dokumente sind  „meertauglich“   in einer Plastiktüte verstaut.

Zwischen Triest und Rijeka wölbt sich die große Halbinsel Istrien in die Adria vor. Sie hat eine kleine Nordseite und dort liegt der kleine slowenischen Anteil von Istrien,während die große West- und die Süd/Ost-Küste zu Kroatien gehören.

Das Vorhaben „küstennahe“ zu fahren ist an den beiden letztgenannten Abschnitten nicht immer realisierbar:

An der  Süd/Ost-Küste ist es der Limski-Kanal, der die lange Westküste halbiert. An der Südküste schneidet insbesondere der Fjord der Rasa die küstennahen Verkehrswege ab.

Trotzdem folgen ich, wo immer möglich, der Küste;„parallia“, parallel haben das die Griechen genannt.

Meine „Bade“-Halbinsel liegt zwischen Triest und Istrien. Zuerst kommt man nach romantischer Umrundung (Felsen auf der Istrien zugewandten Seite) nach sloverisch:

Koper, italienisch: Capo d’ istria; Kroatisch: Kopar. Es ist venezianisch geprägt, so wie fast die gesamte, auf dieser Fahrt beschriebenen Küste; (außer Dubrovenik = Ragusa; diese Stadt war fast immer von der Repubik Venedig unabhängig. Besonderheiten in Koper sind der Prätorenpalast, die Kathedrale und der markante Glockenturm. Der Prätorenpalast ist nichts römisches sondern ein repräsentativer Profan-Bau aus der Spätgotik und der Renaissance. 

Zwanzig Kilometer östlich von Koper liegt im Land und zwar in Hrastovlje das Kirchlein der Heiligen Dreifaltigkeit. Es gilt wegen seiner reichen spätromanischen Bemalung als besondere Sehenswürdigkeit (erinnert mich an Zilles am Hinterrhein, an der Via mala).

Abb. 6: Izola. Ein Highlight der
slowenischen Mittelmeerküste

 

 Nach Koper steigt die Straße auf 50-100 m über das Meeresniveau und gewährt großartige Ausblicke. An diesem Nord/West-Eck von Istrien „hängen“ die Städtchen aufeinander.

Izola ist eines jener Fischerstädtchen, die sich sowohl vom Land, als auch vom Meer her sehr malerisch präsentieren: Die Straße windet sich am alten Stadtkern vorbei. Ich bin ins Zentrum gefahren und wäre auf dem Marktplatz fast steckengeblieben. Das Experiment war unnötig. Die Entscheidung fällt schwer, das Auto in der Hitze stehen lassen und durch die pralle Sonne zu wandern.

Selbstredend ist auch hier alles venezianisch geprägt: Rathaus, Basilika, St. Maurus dazu zahlreiche Restaurants und  ein großer Sporthafen. Ich notiere mir die Heiligen, denn sie sind hilfreich als Gedächtnisstütze und bieten interessante Vergleiche und Querverbindungen. Wer wurde  wo und warum verehrt?