Split ist eine Sensation durch den erst vor wenigen Jahren ganz freigelegten Kaiserpalast. Hier die Ostseite im frühen Licht

Abb.48: Paestum, Schatztruhe griechischer
Baukunst www.wolfgang-g-h-schmitt.de
/europaeische-mittelmeerkueste/

Das Interesse für Paestum, dieses "Denkmal der Menschheit" enstand in Griechenland. Der Bericht über die Küste des griechischen Festlands geht dem Bericht von Kroatien und Italien voraus. Dort gibt es auch einige einfache Ausflüge in die Geschichte, Philosophie und Geographie. Schaut mal rein! 

Durch Aeropoli (nicht den Weg verlieren!) kommen wir schon bald nach
Paestum, in die Stadt des Poseidon, eines der gewaltigsten Zeugnisse
griechischer Baukunst. Jedenfalls das wichtigste auf dem italienischen
Festland. Ein ehrwürdiges Denkmal der Menschheit. Es kann mit der
Akropolis in Athen, mithalten.

Von meiner ganzen Fahrt entlang der europäischen Mittelmeerküste wird dies Kapitel ammeisten beachtet. Leider habe ich da die wenigste Zeit verbracht.

Es gibt auch eine neue Reise "entlang der Küste Nordspaniens". Vielleicht treffen wir uns dort wieder.

Split, Zum Meer gewandte Seite des Palastes des römischen Kaisers Diokletian

Abb.49: Paestum, dorische Tempel im Überfluss

Paestum ist eine Kolonie der Achäer. Das ist ein uraltes Volk in der Argolis
und Teilen der Peloponnes, auf das die einwandernden Dorer trafen. Bei
Homer sind die Achaer synonym mit den Hellenen = Griechen. Der Baustil in
Paestum ist sehr alt. Die dorisch Bauweise hat überall den „Test der Zeit" am
besten bestanden. Nach wechselhafter Geschichte wurde der Ort im 9.
Jahrhundert n. Chr. nach immerhin 1500 blühenden Jahren verlassen
(Überfälle von Sarazenen?).  

Split, Jahrhundertelang verschüttete Kellerräume des Kaiserpalastes

Abb.50: Paestum,
abendländisches Erlebnis

Es gibt natürlich nicht nur Tempel in der Mehrzahl (drei große, mehrere
kleine), sondern noch viel mehr Residuen dieser versunkenen Stadt: die
gewaltige Stadtmauer, das Amphitheater.
Leider haben wir uns nicht zum Verweilen entschlossen, sondern fahren an
der nun flachen Küste nach Norden: dicker Pinienwald unmittelbar am Meer.
Die Unterkünfte sind wenig ansprechend, sodass wir schließlich in einem
Vorort von Salerno gelandet und gestrandet sind.

Abb. 50b: Paestum als Skizze von WGHS
mit blauem und rotem Filzstift.

Split, Dimensonen, wie wir sich nicht mal aus Rom kennen

Abb.51: Dom von Salerno, der ehemaligen medizinischen
Hochschul-Stadt

Im Dom von Salerno sind 28 antike Säulen aus Paestum verarbeitet.  - Bei solcher Vorarbeit kann man schöne Dome bauen. Dieser Säulengang vor dem Dom fällt besonders ins Auge durch seine umwerfender Harmonie. Das Innere etwas perfektionistisch barock ausgestaltet und dadurch viel von einer uralten Baugeschichte zugedeckt. Die Altstadt ist für mich sehr sympathisch. Über der Stadt ragt das langobardische Kastell. Also auch    diese Langobarden hatten  ein beachtlich großes Reich.

Eigentlich ist Salerno eine großartige, sehr malerisch Stadt am Berghang, wenn nicht die wirtschaftlichen Faktoren so ungünstig wären. 
Der Verkehr ist heftig. Mit dem Auto (selber schuld) findet man schwer den
Zugang zur Stadt. Moni ist enttäuscht besonders von unserer Bleibe in der Vorstadt. Wir haben Schwierigkeiten, etwas zum Abendessen zu finden.  Die Leute haben gar nicht das Geld, groß auszugehen. Man trifft sich zwar am Samstag Abend in der Stadt. Viele Menschen, aber kein Restaurant. Man holt sich etwas in der Pizzeria. Wir sind die einzigen Gäste, die sich setzen.

Wir Scheinheiligen wettern gerne gegen die Auswüchse des Tourismus, hier fehlen ein paar Tausende, die auch etwas Geld dalassen. Alles strömt weg in den nächsten Küstenabschnitt bis Sorrent; die Halbinsel von Sorrent ist der große Magnet. Hier im alten Salerno fehlt das Geld, ein paar Stühle
anzuschaffen, und es fehlen Gäste, sich auf die Stühle zu setzen, und
Einheimische, die ihre Familie einladen können. Alle Faktoren beißen sich in
den Schwanz.

Bekannt war Salerno durch eine hoch angesehene, medizinische
Hochschule, gegründet von einem, der uns oft begegnet, dem Staufer
Friedrich II., diesem ungewöhnlich begabten Herrscher. Diese Gründung
passt zu ihm, der eine Leidenschaft für das Experiment hatte. Seine
Hochschule ist 18.. eingegangen. Zu wenig Drittmittel. Das hängt nach:
Salerno ist kein Aufsteiger, der alles geworden ist. Es war einmal und ist
nicht mehr.  Salerno lebt nur als Ausgangspunkt. Die nächsten 50 Kilometer sind der Renner. Alle diese Orte liegen hier phantastisch. Der ganze Küstenabschnitt
wurde als Weltkulturerbe anerkannt – sehr zu Recht.
 

Split, Festspiele

Abb.52: Ravello oberhalb der Amalfitea,
der Garten der Villa Rufolo
inspiriert die Künstler

Ein Ort, der außerordentlich von der Natur bevorzugt ist, und noch dazu ein
normannisch-maurisches Gepräge zeigt, ist Ravello. Zur Zeit der
Normannen im 11. und 12. Jahrhundert residierten hier Könige und Päpste.
Daher die vielen Palazzi. Der Garten der Villa Rufolo inspirierte Richard
Wagner zu Klingsors Zaubergarten. Daher gibt es Wagner-Festspiele.
Alles in dieser Gegend liegt schön. Ein Vorgeschmack auf die beiden
nächsten Örtchen.
Moni ist geschafft von einem barbarischen Sonntagsverkehr. Besonders
neapolitanische Motorradfahrer machten schlimme Experimente und
gefährdeten ihre zukünftigen Ehefrauen, andere Menschen und die
allgemeine Laune. Alle chauvinistischen Vorurteile flammen auf.
Wahrscheinlich spielen auch die Ausländer mit ihren italienischen Leihwagen
eine schlechte Rolle. Dazu rollen unzählige Busse auf dieser engen, oft in
den Fels gesprengten Straße. Helfer sind erforderlich, diese kurzfristig in einer Richtung abzusperren, damit Busse eine Chance haben weiterzukommen. Um das ganze noch weiter ins Groteske zu treiben, sind auch noch Reiter auf dieser
schönsten, aber sicher lebensgefährlichsten Straße Italiens unterwegs.


Mit Gewalt und List kämpfen wir uns durch zu den beiden Lieblingsstädtchen
der Maler und Dichter: Positano und Amalfi. Hier klettern die Häuser und
Gärten wie Ranken am Felsenhang hinauf.
 

Split

Abb.53: Idylle eines mediterranen Parks
in gewagter Nachbearbeitung
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/neues-verfahren-bildbearbeitung-nachbearbeitung/

Amalfi hatte im Mittelalter eine starke Stellung als Seerepublik. Man ließ
arbeiten, so wurde das Portal des Domes um das Jahr 1000 in
Konstantinopel gegossen. Dieser Dom, außen übereifrig renoviert, innen
ehrwürdig langobardisch-romanisch. Der Bedeutung der Republik
entsprechend musste mindestens ein Apostel hier begraben sein: Die Wahl
viel auf Sankt Andreas.
60 Treppenstufen führen zum Dom hinauf. Da spielt sich das Leben ab. Auf
dieser Treppe finden sich jeden Tag mindestens drei Paare fürs Leben.
Mindesten zwei beschließen, ein ganz neue Menschen zu werden. Mindestens
einer bricht sich den Außenknöchel.

In Amalfi studieren wir die zahlreichen geheimen Gässchen, die sich über
zahlreiche Treppchen („Stäffele" sagt man in Schwaben) und Tunnel eng
durch die Behausungen ziehen. Alles ist nicht einfach nur gebaut, sondern
in wechselvoller Geschichte gewachsen. Wir steigen über schwindelnde,
aber feste Pfade hinauf in den Nachbarort, dann Rast auf einer Terrasse mit
frischem Zitronensaft und Nüssen tun uns gut. An der Kante der
Terrasse scheint es Hunderte von Metern tief ins Meer herunter zu gehen.
Eine Situation, wie sie  romantische Maler auch sehr treffend
wiedergegeben haben. Ganz so steil ist es in Wirklichkeit nicht. Immerhin
aber so, dass man sich oft wundert, wie hier Autos hinkommen können, und
wie hier jemand etwas bauen konnte, und warum es gleich ein paar Dutzend
Kirchen sein mussten. Der Abstieg ist schattig und lieblich. An manchen
(Rast-)Plätzen müssen sich alte Flaschen und allerlei Unrat sammeln, selbst
in Amalfi.

Auch ein Ausflug in das „Mühlental" wird empfohlen. Wir entschließen uns zu
einem etwas einfacheren Hotel. Es zeichnet sich durch eine angenehme
Besonderheit aus: Die Hauptstraße verschwindet an dieser Stelle in einem
Tunnel. Es ist das letzte Zimmer. Wir bleiben zwei Tage und hätten auch
länger ausgeharrt, wenn unsere Bleibe nicht so schlecht belüftet gewesen
wäre, nichts trocknet. In Italien wird man  nicht nervös, wenn
es irgendwo reintropft, oder irgendwo feucht ist. Immerhin haben wir einen
eigenen kleinen Strand und eigenen Parkplatz – für Amalfi ein umwerfender
Luxus. Ehe es anfängt störend zu werden, ziehen wir weiter.

Vorbei oberhalb der Smeraldo-Grotte. 20 Busse verrammeln bereits den Weg.

Split, Sveti Gregur

Abb.54: Positano
am schönen Küstenabschnitt
der Amalfitea

Ein Städtchen weiter ist Praiano, bekannt durch seine Clubs und Jazz-
Konzerte. In der Ferne die drei Galli-Inseln. Auf der Straße keine Schwer-
sondern nur noch Leichkriminalität. Kaum habe ich diesen Satz geschrieben,
kommt es zum „Darmverschluss". Alles verrammelt, hoffnungslos. Ein
Mechaniker tritt aus seiner Werkstatt, die er unmittelbar am Straßenrand
betreibt und macht  als Schuldigen einen ausländischen, Leihwagenfahrer aus. So wird auf der Amalfitea Psychotherapie betrieben.
In dieser Landschaft gibt es sogar an der Oberfläche der Felsen Stalagmiten.
Und Gartenzwergidyllen fehlen nicht.

Positano, das nächste berühmte Städtchen, ist zum Verlieben. 

Split, Lebhafte Stadt mit malerischen Parks

Abb.55: A. Böcklin schildert in dem
romantischen Bild (Köln) die Gefährdung
der Küstenregionen durch Seeräuberei

Aber der Verkehr und die hier immer noch unerträgliche Dichte von uns Reisenden ermuntert uns zum Weiterfahren. Früher war die Seeräuberei eine Geisel dieses   (und anderer) Küstenregionen. Heute ist es eine brutales Vekehrrschaos.

 

Split, Blick aus dem Kellergeschoß des Palastes

Abb.56: Ausblick von der Panoramastraße über Fontanelle
und Sant’ Agata sui Due Golfi

Der Verkehr entspannt sich anschießend in wunderbarer Weise. Vielleicht ist das
der Grund, warum wir nicht direkt nach Sorrent fahren, sondern an diesem
unbeschreiblich schönen Küstenabschnitt verweilen. Wir durchmessen auf
kleinen Sträßchen die Halbinsel: die sogenannte Panoramastraße über
Fontanelle, Sant' Agata. Die Richtung ist die Insel Capri, was ganz nahe,
felsig im Meer aufragt.
 

Split, römischen Bauten ist einiges erhalten und integiert in die christliche Architektur

Abb.57: Insel Capri, die felsig aus dem Meer aufragt.
Schloss des Tiberius wiedererstanden
durch den Zeichenstift von C. Weichardt,
mit Modifikationen abgezeichnet von Buxbaum.
Einhorn-Verlag Leipzig, ohne Jahreszahl,
geschätzt 1910

Bleiben wir nochmal bei diesem Karl Weichardt,

er schrieb sich gerne Carl Weichardt, so wie auf vielen seiner Bilder.
(* 10. Dezember 1846 in Nermsdorf; † 5. Oktober 1906 in Dresden). Er war ein deutscher Architekt und Architekturmaler. Er unternahm in den 80.er Jahren des 19.Jahrhundert  Studienreisen nach Rom. war farziniert von der antiken Baukunst, die fortan seine Tätigkeit als Architekt prägte.
Er lehrte  an der Königlichen Kunstakademie und Kunstgewerbeschule Leipzig,
von 1900 bis 1906 war er Professor  an der T H Dresden.
Das regte ihn bei seiner alltäglichen Arbeit an Z.B. Gestaltung seines Wohnhauses Villa Tiberius in Dresden an.
ZU dem Thema "Architekten empfinden Bauwerke der klassischen Antike nach" habe ich zusammen mit Eva Schmitt auf dieser Seite einen Artikel geschrieben:    "Buxbaum: Rom".-

Wir bleiben (vor Sorrent) in Massa Lubrense und entschließen uns zu
einem Ruhetag (was retrospektiv noch öfter sinnvoll gewesen wäre). Im
Hotel findet sich eine Gruppe älterer Franzosen aus Dijon. Gut organisiert
und diszipliniert fahren sie in aller Frühe nach Capri weiter. Diese
benachbarte Insel zu sehen, wäre schön gewesen, zumal wir ein Buch mit
einer interessanten Rekonstruktionen des Palastes des Tiberius in unserem
Literatur-Fundus haben. Wahrscheinlich ist Capri eine Fortsetzung der
Amalfitea, was die Schönheit betrifft, und reduziert  durch seine Insel-
Lage den irrsinnigen Schwerlastverkehr.

Vom festen Quartier aus machen wir einen Ausflug nach Sorrent. Sorrent ist
nicht zu groß, aber fotogen, auf einem steilen Felsen am Meer gelegen. Der
Fels wird von einer schwindelerregend tiefen Schlucht durchzogen, die
Kulisse zahlreicher Filme. Es gibt viele Geschäfte und viele Engländer: Dieses schlaue und reiselustoige Völkchen hat mehrere gute Punkte am Mittelmeer entdeckt und gefördert und schätzt die Amalfitea seit Menschengedenken ganz besonders.
Ein Denkmal erinnert an den Renaissance-Dichter Torquato Tasso (dem
Goethe ein weiteres, ein literarisches Denkmal gesetzt hat). Auch Ibsen,
Nietzsche und Alexandre Dumas waren hier.
Unser Quartier Massa Lubrense ist quasi ein Vorort von Sorrent: Alles ist
nicht so reich und so lebhaft, daher ist dieser Ort attraktiv für manchen, der hier wohnt und in die mondänen Nachbarorte ausfliegt oder ausgeht oder ausschwimmt.
Moni entdeckt die Besonderheiten. Alles ist hier mehr versteckt, muss
gefunden werden: alte Gewölbe, vergammelte Palazzi, normannische
Portale. Und auch eindeutig römische Plastiken, Mauern, Säulen. Wir haben
kunstgeschichtlich nur eine dünnen autodidaktischen Hintergrund – mehr Vorkenntnisse wären günstig, weniger wäre schlimm.

Wir fahren weiter um den Golf von Neapel herum. Von Sorrent über ganz
Neapel bis Pozzuoli: Der sich an die Amalfitea anschließende Abschnitt ist
sehr eng besiedelt. Insgesamt eher unattraktiv. Genauer gesagt beginnt
dieser neue Abschnitt in Castellammare, der letzte sehr schöne Ort,
malerisch am Fuß eines immerhin 1000 Meter hohen Berges gelegen, Kurort
mit Thermalquellen (Vesuv ist nicht weit). Bis Mitte September kann man mit der
Schwebebahn in Bergeshöhen gleiten und dann noch drei Stunden zum
onte Sant'Angelo wandern.
Von Castellammare aus soll man den Vesuv mächtig im Norden aufragen
sehen. Malerisch breitet sich im Nord-Westen der Golf von Neapel aus.
Heute verschwindet alles im Nebel.

Torre Annunziata: schlechte Straßen, schlechte Beschilderung, Touristen ohne Vorkenntnisse. Eine ungünstige Trias.

Pompeji

Abb.58: Pompeji (lateinisch und italienisch: Pompeii),
besonders durch die Malerei beeindruckend

Was diesen dichtbesiedelten Golf von Neapel doch sehr attraktiv macht, ist
Pompeji. Der erste geschichtliche Ausbruch des Vesuv war gleich ein
verheerender. Die griechische Gründung Herkulaneum ging im Schlamm
unter. Der sich daraus entwickelnde, harte Bimsstein hat diese Stadt vor gößeren Ausplünderungen geschützt. Allerdings sind die Ausgrabungen, die der Menscheit so viel bringen können, so schwierig, dass der größere Teil bis heute die Sonne nicht wiedergesehen hat.

Die Einfahrt nach Pompeji gelingt uns erst im zweiten Anlauf. Leichter geht
es sicher mit der Autobahn, die unmittelbar am Eingang zu den
Ausgrabungen eine Auf- und Abfahrt hat. Auch die Eisenbahn hat eine
Station. Es waren ein paar Tausend Besucher sond schon da.

Pompeji wurde von Asche zugedeckt.Pompeji ist zu 3/5 ausgegraben. Ich habe den Band einer Pompeji-Ausstellung, der besonders durch die Malerei beeindruckt. Ich war hier schon vor 34 Jahren. Der jetzige Eindruck ist intensiver und positiver. Viel Neues wurde ausgegraben und vieles besser präsentiert. Von der Malerei sah ich damals gar nichts, jetzt wird einiges gezeigt. Das Schönste ist im Museum in Neapel. Neben der Malerei sind auch die Gebäude interessant:
drei Theater, Forum, Basilica, zwei Palestra, Portae, Brunnen, Stadtmauer.
Tiefe Einblicke in das Leben der Menschen. An anderen archäologischen
Plätzen ist alles über endlose Zeiträume verwittert und zerstört, hier ein
überraschender, fast bedrückender Erhaltungszustand. Die Vorstellung wird
hier in Pompeji sehr erleichtert. 

Bei Makarska gibt einem 50 km langen Strand

Abb. 59: Pompeji. So sah das
“vornehme” römische Leben in der
Vorstellung von A. Buxbaum aus.
www.wolfgang-g-h-schmitt.de
rom-1929-abuxbaum/

Man muss trotzdem viel erklären lassen, um die Phantasie zu schulen und
den Mauern mehr Leben zu geben. Zu Hause haben wir ein Bild „Sala
Poetae". Es ist eine phantasievolle Interpretation, wahrscheinlich hat der
Großvater dieses Bild von seiner Italienreise mitgebracht. Wir haben
versucht, es zu lokalisieren.
Warum ich beim ersten Mal so wenig Erinnerungen gespeichert habe? Eine
Rolle spielt sicher auch, dass die Erfahrung am Bau den Blick schult.

Dieses Neapel lasse ich aus, zu vieles wäre hier aufzuschreiben. Von
Griechen gegründet, bedeutende Stadt im Römischen Reich. Der
Hohenstaufer Friedrich II., der uns schon vielfach begegnet ist, dessen Grab
ich in Palermo besucht habe, hat hier die Universität gegründet. In der Kirche
Santa Chiara ist Robert der Weise begraben.


Geheimbündelei, Kriminalität und Korruption werfen in unserer Zeit ein zwielichtiges Bild auf die diese bedeutende Stadt.
Mancher fromme Brauch wirkt befremdlich. So soll sich das Blut des Hl.
Gennaro (das ist der gleiche wie Rio de Janeiro), das in zwei Gefäßen im
Dom aufbewahrt wird, zweimal jährlich unter feierlichem Pomp verflüssigen.

Die Umfahrung von Napoli gelingt problemlos. In Solfatara besuchen wir ein
Naturschauspiel.  Es ist ein Konglomerat von Fumarolen, die
Dampf und zeitweilig heißen Schlamm ausstoßen. Dieses ist viel interessanter, als ich es mir vorgestellt hatte. Durch ein altes Gebäude fährt man ein in den mächtigen Krater (es gibt noch einige andere in der Gegend).    Ungemütlich, aber
eindrucksvoll. Man kann hier sogar kampieren, falls man gute Nerven hat, denn
die Erdkruste klinkt  eindeutig  „hohl".

Wir sind unmittelbar nördlich von Neapel ganz nahe bei Pozzuoli. Die Lage der
Stadt auf der Halbinsel Bacoli ist phantastisch. Hier gibt es ein riesiges
Amphitheater. Ebenso groß ist das Kolosseum in Rom und das Amphitheater
in Capua, an der Autobahnstrecke von Rom nach Neapel, wo wir gleich
vorbeikommen. Dort gibt es auch ein berühmtes archäologisches Museum.
Ich habe an diesem Tag ein scheußliches Kopfweh, ab Solfatara sehr
verstärkt – vielleicht etwas starke Einwirkung der Sonne in Pompeji –
Insolation kann man das nennen oder man nennt es von der Ursache her: Unvernunft.

Die meisten Auto-Reisenden nehmen von Neapel nach Rom nicht die Küste,
sondern die Autostrada del Sole.
Abstecher von hier aus wären:

Montecassino, das Kloster des Benedikt,
529 gegründet  und Caserta, die
Residenz der Könige von Neapel, im Zweiten Weltkrieg blutig umkämpft, und in jüngerer Zeit Sitz des alliierten Mittelmeerkommandos.

Nicht gesehen haben wir die auf romantischen Bildern gerne gemalten
Wasserleitungen von Scauri und eine Fülle von weiteren römischen
Ausgrabungen in dieser Gegend.

Aber nein, wir bleiben an der Küste. Die Weiterfahrt geht vorbei an Cuma,
älteste griechische Kolonie, 9 bis 8. Jahrhundert v. Chr., noch älter als
Paestum. Also ein frühes Zeugnis vom Beginn einer Erfolgsgeschichte, der
Gründung zahlreicher griechischer Kolonien im gesamten Mittelmeer (und
am Schwarzen Meer). Vergil beschreibt – erheblich später – hier die Höhle
der Sibylle. Sibyllen waren jene weisen Frauen, die im Altertum die Zukunft
vorhersagen konnten. In der Renaissance wurden sie gerne den
alttestamentarischen Propheten gleichgestellt. So zeigt die Sixtinische
Kapelle eine erythräische und eine delphische Sibylle. Die erstere hängt in
meinem Arbeitszimmer. Allerdings handelt es sich nicht um das Original von
Michelangelo. Das hat der Papst und er will es behalten. Aber ich spreche
noch mal mit ihm.

Die Weiterfahrt an der Küste oberhalb Neapel ist ein Reinfall.
Tourismusindustrie auf niederem Niveau. Moni meint, man merkt es an den
vielen schwarzen Nutten, die hier gestrandet sind. Ich bin so angeschlagen und interessiere mich für gar nichts mehr. Schließlich irren wir ins Landesinnere.

Auf der Suche nach einem Agriturismo oder etwas Ähnlichem schicken uns
in Castelforte barmherzige Frauen den Fluss Garigliano aufwärts. Dieser
Fluss trennt die Campania von Lazio. Wir finden schließlich (schon auf der
päpstlichen Seite) in Suio Terme eine LVA-Klinik, ein dunkelbraunes
Hochhaus kleinen Fenstern  und überhaupt äußerst sachlicher Architektur.  Es ist
nicht das klassische Klischee mediterraner Romantik. Die Kurgäste sitzen
schon beim Abendessen und man setzt uns dazu. Die meisten sind ehemalige ANgehörige der christlichen Seefahrt oder der Kriegsmarine, die einen Herzinfarkt durchgemacht hatten. Vielleicht traue ich mir sprachlich auch zu viel zu. Zwei bis drei Gänge werden gereicht und zusätzlich noch nach dem Nachtisch die Torte à la Chef. Das ist die Zuwendung des Hauses, weil sich nicht alle Tage Freiwillige hierher verirren. Es war des Guten viel, wenn nicht sogar zu viel. Wir versuchen, es am nächsten Morgen im Thermalbad wett zu machen.
Bestimmt zwei Tag lang war der würzige Duft des Schwefels auf der Haut
und im Auto unverkennbar. In dieser Gegend gibt es eine besondere Sorte des Mozzarella, den Bufala. Er wird aus der Milch dieser besonderen Rinderrasse erzeugt.

Am nächsten Tag geht es programmgemäß zurück zum Meer. Mächtige
Berge (Monti Aruni) drängen sich jetzt nahe ans Meer heran. Oft ist das ein
gutes Zeichen dafür, dass die Küste wilder und steiler wird und den
Touristenstrom im Zaume hält. Denn Touristen brauchen zu ihrer
Fortpflanzung offenbar viel Sand und Sonnencrème. Unter diesem Angebot
steigt ihre Population exponentiell an. Entzug von Sand führt nicht zum
Aussterben, aber zum signifikanten Rückgang der Überbelegung.
Wenn Außerirdische das beobachten, vermuten sie sicher, dass sich die
Touristen von Sand und Crème ernähren, dass sandarme Küsten darauf
hindeuten, dass diese Ressourcen aufgezehrt wurden, und die Reisenden
weitergezogen sind. Moni ergänzt die Theorie noch dahingehend, dass die
Außerirdischen vermuten, dass nur dunkelhäutige Frauen in diesen
verwahrlosten Gegenden überleben. Dass diese so arm sind, dass sie ganz
kurze Röcke tragen und mit ihrem Handtäschchen auf der Suche nach dem
verknappten Sand an der Straße auf und ab gehen. Die Außerirdischen
favorisieren sicher auch die Theorie, dass die Touristenströme den
Heuschreckenwanderungen folgen. Noch so eine Theorie und Berlusconi
beruft uns in sein Kabinett.


Formia bietet eine Menge römischer Reste, zum Beispiel Wasserleitungen
und einen stattlichen Hafen. 

Zivogosce an der Makarsca.

Abb.60: Gaeta schmiegt sich an den Berg.
Auf seiner Höhe thront die Zitadelle
und der Anjou-Turm

Gaeta: wieder mal eine kleine Stadt mit einer phantastischen Lage auf einer
hohen Felsenhalbinsel. Im Felsen: die Montagna spaccata, ein
Naturdenkmal, ein gespaltener Berg (ähnlich Sorrento oder Sisteron in
Frankreich). Inzwischen sind wir landeskundig und ahnen, wann dieser Riss
entstanden ist: in der Todesstunde Christi. Daran erinnert eine
Wallfahrtskirche. Heute, zu dieser Jahreszeit, ist die Schlucht nicht
zugänglich. Geöffnet erst wieder in der nächsten Saison.
Auf der Südseite des Felsens liegt der große Hafen. Herrlicher Blick – ich
glaube – bis zum Cilento hinunter. Am Hafen liegt auch unübersehbar die
berühmte romanische Erasmuskirche. Das Thema „Alt und neu kombiniert"
ist aufgenommen und schön dargestellt, nämlich mit zwei antiken Säulen im
Hauptportal. Innen romanische Skulpturen und Reliefs. Im romanischen
Campanile fließen maurische Elemente ein. Erasmus ist der Heilige der
Seefahrer.
Unglaublich, was hier alles an römischen Residuen herumliegt. Wir sind
unzweifelhaft seit kurzem im Kernland des alten Rom. Sogar in Privatgärten
oder mitten im Café sind Säulen eingebaut. Ein Glück, dass man den Wert
der alten Dinge fast immer verstanden hat.
Auch Gaeta schmiegt sich an den Berg. Auf seiner Höhe thronen die
Zitadelle und der Anjou-Turm.
Noch weiter oben steht ein vorchristliches, römisches Grabmal, der
sogenannte Torre di Orlando. Wir haben uns zu wenig Zeit gelassen und
dieses Bauwerk nicht aufgesucht. Auch unser Spazierweg durch die Altstadt
hätte besser vorbereitet noch mache Kostbarkeit entdecken lassen.
Aber wir werden mit Kaffee und Auberginen-Brötchen gestärkt. Moni hat
einfach gefragt, ob wir auch Brötchen mit Auberginen bekommen können.
Manches, ja sogar vieles ist in Italien kein Problem. Und wir bekommen im
Park auf der Nachbarbank noch ein Kinostück: „Er kam, als sie erst 18 war,
von großer Fahrt zurück ... ."
Gaeta spielt heute eine Rolle im Bereich der NATO. Man hat sich einen sehr
guten Platz ausgesucht.
Auf der Ausfahrt sehen wir einen schönen Sandstrand und vornehme Villen,
nur einzelne Hotels. Die Berge in der Nachbarschaft sind kahl und etwas
abweisend. 

Letzter, kontrastreicher Abschnitt der Makarsca

Abb.61: Auf dem Marktplatz Terracina

Letzte Station vor Terracina ist Sperlonga, auch dieses Städtchen nutzt
einen Felsenvorsprung aus, damit die Postkarten nicht langweilig sind.

Terracina ist etwas größer als Gaeta und liegt sehr markant zu Füßen eines
kalkigen Monte Sant'Angelo. Auf diesem Berg blieben von einem
(wunderbaren) Jupitertempel nur noch Reste und die markante Aussicht. Die
moderne Stadt liegt teils flach und etwas eintönig am Meer. Auf dem Weg in
die Oberstadt begrüßen den Wanderer zuerst zwei verwitterte lebensgroße
Löwen, die seit Völkerwanderungszeiten hier die bösen Geister
abschrecken. In dieser Oberstadt treffen wir wieder die phantastische
Situation von Syrakus an: in die Kathedrale St. Cesareo (ziemlich romanisch)
ist der Tempel der Roma und des Augustus eingebaut. Auf dem Marktplatz
steht man auf den Steinplatten des römischen Forums.
Bei dieser Form der Wiederverwendung bekommt der Architekt wenig
Prozente, aber es wird viel bewahrt auf dem Weg durch die Jahrhunderte.
Weitere römische Reste an einer Station der Via Appia. (Diese haben wir
schon mehrfach gekreuzt und ihr Ende in Brindisi registriert). Eine schöne
Stadt.
Nicht nur Goethe, auch ein gewisser Herr Seume hat ein berühmtes
Italienbuch geschrieben. Dazu füge ich demnächst noch einige Zeilen ein. Dieses Buch, ein Gegenstück zu Goethe liefert neben vielem anderen Blicke
hinter die Fassaden von Terracina.  

Makarsca,  Typisches morgendliches Licht

Abb.62: Oberhalb von Terracina
stand ein mächtiger Jupiter-Tempel.
Hier wird gezeigt:
Jupiter-Tempel Roms in der
Zeichnung von Buxbaum

Ich habe mich immer gefragt, was eigentlich ein „Vorgebirge" ist. Es ist nichts
weiter als ein Berg, der nahe am Meer liegt. Das Wort ist eine Übersetzung
vom Lateinischen „Promontorium". In der Medizin gebrauchen wir das Wort
häufig. Da ist es für uns einfach ein Buckel, eine Vorwölbung, weiter nichts.

Vor Terracina, 20 Kilometer nördlich an der Küste, liegt eine solches
Promontorium: der malerische Monte Circeo, in meinem Plan „Cicero". Das
ist falsch, das merkt sogar der Legastheniker. Hier hat in der homerischen Sage die Zauberin Circe ihr Schloss gehabt.

Diese sagenträchtige Landschaft und das Geschick der Circe hat viele Maler inspiriert. Böcklin hat ein Bild entworfen: die Zauberin in warmen
roten Tönen, die Leier in der Hand, am Ausgang der Felsengrotte, und in
einiger Entfernung der von Zweifeln gequälte Odysseus in dunklem Blau mit
abgewendetem Blick.