14.Carl Fried: berühmter, aber vergessener Arzt am
„Klinikum Worms“

„Die Entzündungsbestrahlung von Fried und Heidenhain“,
Bestandsaufnahme

W.G.H.Schmitt

 

 

 

Der Referent: Wolfgang G. H. Schmitt ist der Sohn des 2000 verstorben Wormser Radiologen Heinrich Georg Schmitt. Dieser kam 1939 ans Stadtkrankenhaus Worms. Zunächst hatte er zwei Chefs: den Chirurgen für die Therapie und den Internisten für die Diagnostik. Später war er Leiter einer eigenständigen Abteilung bis 1972.

W. G. H. Schmitt ist im Stadtkrankenhaus Worms geboren, war dort Krankenpfleger, Patient, Famulus und Medizinalassistent. Er wurde Radiologe und war leitender Arzt der Strahlenabteilung am Juliusspital in Würzburg.

H.G. Schmitt hat in seinen späten Lebensjahren öfter gesagt: „Worms“ das war nicht irgendwo! In Worms waren Fried und Heidenhain; sie haben die Entzündungsbestrahlung begründet.

Später Grund mich zu interessieren, Interesse zu wecken und der „Dammnatio memoriae“ (siehe Kap.9) entgegenzuwirken.

 

Der Kennnisstand über C. Fried ist niedrig; so heist es in einer Liste aus der "Strahlentherapie u. Onkologie" von 2013 betreffend Ärzte, denen 38 die Approbation entzogen wurde:

Fried, Verbleib nach 1933, soweit bekannt : Breslau

 

Wer sich mit Carl Fried beschäftigt, den nimmt eine außerordentlich gewinnende und vielseitig begabte Persönlichkeit gefangen. Neben einer ausgedehnten Tätigkeit als Klinikarzt und Wissenschaftler war er als Vorsitzender einer jüdischen Vereinigung am Wormser politischen Leben beteiligt. Außerdem verstand er sich – zu Recht – als deutschen Dichter.

Carl Fried war tief in der deutschen Kultur verwurzelt und beruflich sehr erfolgreich, aber er verlor durch die Vertreibung seine Heimat und seine Stellung.

Die von ihm und seinem Chef Heidenhain eingeführte Entzündungsbestrahlung ist in die Medizin integriert. Sie wird in den letzten Jahren sogar vermehrt durchgeführt. Aber einige Indikationen wurden verlassen, gerade die Entzündungen durch Infektionen, welche Fried besonders interessiert haben.
Gerade diese verlassenen Indikationen interessieren mich im Folgenden besonders.
Hat Fried auf das falsche Pferd gesetzt? Hatte er das Schicksal, das jedem droht, der Neuland betritt? Hat er sozusagen „Pech“ gehabt, durch den medizinischen Fortschritt (Antibiotika, Cortison), für den er selber gekämpft hat, mächtige Konkurrenz zu bekommen?

Der Referent ist kein Kenner der modernsten Strahlentherapie. Eine Wertung aus strahlenbiologischer Sicht kann und soll nicht gegeben werden. (siehe Kap. 8: Strahlentherapie heute).
Mein Beitrag ist eine knappe historische Bestandaufnahme. Andere mögen dazu aus aktueller wissenschaftlicher Sicht Stellung nehmen.