6. Strahlentherapie 1895 – 1920:
Die Jahre zwischen der Entdeckung der Röntgenstrahlen und
dem Zeitpunkt, als Fried nach Worms kam. Ein kurzer Rückblick.

Nun folgen drei Kapitel zum Fachlich-Beruflichen in drei verschiedenen Zeitabschnitten.
Zum Verständnis der Zwanziger-Jahre (Kap.7) ist es sinnvoll, zu den Anfängen, zu den Jahren bis 1920 zurückzugehen:
Die Entdeckung der Röntgenstrahlen (1895) lag bereits 25 Jahre zurück. Die Anwendung in der Therapie setzte früh ein: „Frühzeitig nach der Entdeckung wurden Strahlen in Einzelfällen versucht, wenn andere Mittel versagten“ (Zitat von Fried).
Freund (Wien) hat 1896 die erste Strahlentherapie durchgeführt und zwar bei einer gutartigen Erkrankung, einem ausgedehnten behaarten Naevus.
Von Anfang an waren Nebenwirkungen und ihre Vermeidung eine Herausforderung. Röntgen selber und viele andere sahen durchaus, dass man mit Röntgenstrahlen Schäden verursachen, ebenso wie man mit UV-Licht die Haut verbrennen kann.
Sehr bald wurden die Vorstellungen von den Risiken der Strahlen konkretisiert. Es wurde allgemeines Erfahrungsgut, dass „Hautrötung“ dosisabhängig ist. Diese Haut-Erythem-Dosis war eine (erste) Orientierungsgröße in der Strahlentherapie. Man wusste, dass diese von weiteren Parametern beeinflusst wird (Kap.7. Unterpunkt „Dosis“).

Es kam aber auch vor, dass solche Beobachtungen ignoriert wurden, und dass die Anwender (und in besonderem Maße die Mitarbeiter) schwer geschädigt wurden. Zweifellos war solch sorgloser Umgang mit den Strahlen ein schwerer Fehler der Verantwortlichen.

1903 verfasste Freund (ursprünglich Dermatologe) das erste Lehrbuch der Strahlentherapie. Es enthält bereits ein Kapitel über die nicht-malignen Erkrankungen. Fried hat dieses Wiener Institut und seinen Leiter Freund in Wien besucht, ja dort hospitiert. Es bestand eine Kultur der Gastfreundschaft, besonders gegenüber Kollegen aus dem jüdischen Kollegenkreis: Spekulativ bleibt, ob die Herren Freund und Fried mit Sigmund Freud zusammentrafen.

Es gab vor der historischen Zusammenarbeit von FRIED UND HEIDENHAIN nicht wenige Einzelbeobachtungen und klare Vorstellungen von der günstigen Wirkung kleiner Strahlendosen auf Entzündungen. Man betrachteten diese (bei den damaligen Möglichkeiten) als die Therapie mit der besten entzündungshemmenden Aktivität.
Das Verdienst der beiden Autoren ist es, eine Systematisierung der „Entzündungsbestrahlung“ entwickelt zu haben.