5. Zur politischen Situation in Frieds Wormser Zeit

Im Reichsdurchschnitt lag die jüdische Bevölkerung im Jahr 1925 bei 0,9 %. Rheinhessen war demgegenüber mit 1,7 % in der Diktion der aufkommenden Nazis „verjudet“.

Der bedeutendste Verband der jüdischen Bevölkerung war mit 60.000 Mitgliedern der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e.V. (CV).

Daneben bestand der schon genannte Reichsbund jüdischer Frontsoldaten (RjF) mit der Zeitschrift „Der Schild“. Es war der zweitwichtigste Interessenverband deutscher Juden mit ca. 40.000 Mitgliedern. Die Namensgebung erfolgte wahrscheinlich im Kontrast zu dem „völkisch-national“ angehauchten „Stahlhelm“.
Dieser RjF hatte sich nach dem Ende des Krieges 1918 als Antwort auf den seither virulenten, auch in Worms erstmals hervortretenden völkisch-rassistischen Antisemitismus der frühen Weimarer Jahre gebildet. Die Wormser Ortsgruppe unter Fried organisierte eine Reihe von Veranstaltungen ( so 1925 eine Feier der fast zwei Jahrtausende bestehenden „Verbundenheit der deutschen Juden mit unserem Vaterlande“) und betonte, dass die Wormser Synagoge die älteste in Deutschland ist.

Außer Fried waren weitere leitende Mitglieder im RjF:
der alteingesessene Wormser Karl Guggenheim, Bankier (konnte emigrieren).
Charakteristisch für die Stimmungslage ist die Tatsache, dass dieser bereits im März 1933 wegen angeblicher Kontakte zur kommunistischen Partei von 20 bis 30 SS-Leuten verhaftet wurde. Ludwig Freiherr von Heil hatte sich damals gegenüber dem Kreisleiter für Guggenheim eingesetzt.
Ein weiteres bekanntes Mitglied des RjF war der Weinhändler Moritz Mayer (im Vernichtungslager umgebracht).