4. Erinnerung an Carl Fried im Stadtarchiv

Fried ist zwar im heutigen Klinikum Worms kaum bekannt, aber  Prof. Gerold Bönnen, hat sich dieser bemerkenswerten Persönlichkeit angenommen.
Bönnen hat als  leitender Wormser Stadtarchivar trotz lückenhafter Quellenlage die Entstehung des „Wormser Denkmals für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Wormser Juden“ untersucht; dieses hat Fried vorbereitet und initiiert.
Bönnen hat als Ergebnis mühevoller Spurensuche ein unbedingt lesenswertes Dokument geschaffen. Er schildert die Zeitumstände und zeigt Fried in seiner Eigenschaft als Vorsitzenden der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (RjF).

Durch fortgesetzte Ausgrenzungen und Verdächtigungen waren deutsche Juden gezwungen, in geeigneter Form auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass ca. 85.000 Juden auf deutscher Seite gekämpft hatten und ca. 12.000 im Ersten Weltkrieg als Soldaten auf der Seite des Reichs umgekommen waren.

Worms hat ja, neben dem bedeutenden und kaum vergleichbaren alten jüdischen Friedhof ("Heiliger Sand"), einen neuen jüdischen Friedhof auf der Hochheimer Höhe. Dort, genau hinter der 1911 im Darmstädter Jugendstil errichteten Trauerhalle, findet sich das besagte Denkmal für die während des Ersten Weltkriegs gefallenen Angehörigen der Israelitischen Wormser Gemeinde. Es ist zwischen 1926 und 28 entstanden. Bönnen sieht in diesem Denkmal ein Monument für das Selbstverständnis der Wormser Juden nach 1918 und ein Mahnmal für den Irrsinn des nationalsozialistischen Rassenwahns. Das höchst merkwürdige Phänomen ist die Nicht-Erwähnung dieses jüdischen Denkmals über lange Zeiträume; diesem geht Bönnen akribisch nach.

Bönnen sucht nach Vergleichbarem und beschreibt unter anderem das Denkmal auf dem Berliner jüdischen Friedhof Weißensee unddas Denkmal in Darmstadt.

Letzteres war bereits 1922 in der damaligen Landeshauptstadt auf dem dortigen Judenfriedhof eingeweiht worden. Dieses Darmstädter Denkmal ist wahrscheinlich ein Vorbild für die Wormser Denkmalsidee.

Der Darmstädter Friedhof - zwischen Martinspfad und Steinbergweg - hat als Vorbild gedient; (es handelt sich nicht um den jetzt hundertjährigen Waldfriedhof von August Buxbaum).

An das Wormser jüdische Denkmal auf der Hochheimer Höhe schloss sich, nicht weit entfernt ein Gräberfeld für die im Wormser Gefangenenlager untergebrachten verstorbenen russischen Kriegsgefangenen jüdischen Glaubens an, dazu mehrere Gräberfelder für Kriegstote anderer Nationen (Lit. Wolfgang Hasch Worms/Hochheim).

In Worms gibt es ja mehrere kommunale Kriegerdenkmäler: Das im Stadtbild markanteste ist das für die gefallenen Angehörigen des 118er Regiments. Es wurde im August 1932 geweiht; dies erfolgte ausnahmsweise unter Mitwirkung der jüdischen Geistlichkeit. Der Bildhauer ist Paul Birr. Manche halten unzutreffend Fried Heuler für den Künstler; dieser lehnt sich 1937 mit dem düsteren Würzburger Denkmal stark an Birr an.
Außerdem gibt es auf der Hochheimer Höhe das von der Stadt 1919 errichtete, von Bildhauer Ernst Müller (Charlottenburg) gestaltete Denkmal eines betenden Soldaten.

Folgende Abb1. zeigt die Trauerhalle auf der Hochheimer Höhe in Worms. Errichtet im Jugendstil 1911.

Abb2. Das Denkmal für die Gefallenen jüdischen Glaubens auf der Hochheimer Höhe in Worms initiiert durch Dr. Carl Fried