3. Erinnerung an Carl Fried am Stadtkrankenhaus

Es gibt niemanden unter den Mitarbeitern des Klinikum Worms, der Fried noch persönlich gekannt hat. Auch Namen und Werk dieses genialen Menschen sind mit einer einzige Ausnahme völlig unbekannt : Der ehemalige Chefarzt der Frauenklinik, Dr. Lucius.

Dieser ist bereits 1946 in das Stadtkrankenhaus eingetreten, und zwar in die neu gegründete Frauenklinik unter ihrem Chef Prof. Hans Dörr.
Damals – Fried war seit 1929 nicht mehr in Worms – wurde die Strahlentherapie von H. G. Schmitt (seit 1939) weitergeführt.

Erfreulicherweise berichtet Herr Dr. Lucius freimütig , dass die neu gegründete Frauenklinik in hohem Maße von der Entzündungs-Bestrahlung der postpartalen Mastitis (nach Fried/Heidenhain) Gebrauch gemacht und dass sie sehr gute Erfolge erzielt habe (mündliche Mitteilung).
Dies Bekenntnis ist mutig, denn heute ist man befremdet von der Tatsache, dass damals auch schwere Phlegmonen und sogar Pneumonien (mit sehr geringer Röntgen-Dosis) bestrahlt wurden.
Dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass zu dieser Zeit keine Alternativen bestanden. Die Anwendung von Strahlen war ein Ausweg, sie galt als stärkste Maßnahme zur Entzündungshemmung. Und es waren schwere Krankheitsbilder, bei denen man jede Chance nutzen wollte und nutzte.

Kann es sein, dass man damals einer fortgesetzten Suggestion zum Opfer fiel? Auch FRIED UND HEIDENHAIN haben sich diese Frage gestellt und sich verpflichtet, besondere Sorgfalt in der Beobachtung, Dokumentation, Nachuntersuchung, Anwendung von Maß und Zahl anzuwenden. Sie gewannen so starkes Vertrauen in die Wirkung ihrer Therapie, dass sie überzeugt waren, randomisierte Studien nicht anwenden zu dürfen. Dieses „Instrument“ war damals in der Medizin zwar bekannt, aber wenig geübt. -
In neuerer Zeit wurde eine Reihe von randomisierten Studien durchgeführt. Seegenschmiedt listet zirka ein Dutzend solcher Studien auf, bei denen

  • Strahlentherapie mit Placebo oder
  • Strahlentherapien in unterschiedlichen Dosierungen

verglichen wurden.