WGH Schmitt Schnee farbig
Bild 7

7.
Schnee am Wegesrand
wird von der Sonne teils beleuchtet, teils durchleuchtet. Das Foto hat also Verwandtschaft mit einem Röntgenbild...
Ein einfaches, wenig anspruchsvolles Motiv. Seine einzige Besonderheit ist der Reichtum an  Kontrast.

Kontrast fordert heraus, ihn in Farben umzusetzen. Diese Verlaufsumsetzungen können leicht oder schwer verständlich sein.
Hier ein Fenster, was es dem Auge leicht macht:
Von Dunkel nach Hell; Blau- Rot- Gelb. Das ist wie beim Feuer; nur auf der „kalten“ Seite ist Blau und nicht nur Schwarz verwendet.
Damit es noch einfacher zu verstehen ist, wurde auf der „Dunkel-Seite“ noch ein Schwarz-Blau angehängt; auf der „Hell-Seite“ schließt noch ein Weiß an.

Dieses Bild will das Unreale zurückhalten und verständlich bleiben. Dafür ist es von bescheidener Originalität.
Ästhetik? Gefällig.

 

 

WGH SchmittRöntgen Platine Farbe
Bild 8

8.
Röntgenbild
(zum Gedächtnis an David Hume).
Ein elektronisches Element aus dem Abfall. Größe 2,5 x 1,5 cm, 30 KV. Was ist KV?

Im Röntgen haben wir verschiedenes Licht, definiert durch KV = Kilovolt = verschieden durchdringungsfähig. 30 KV ist niedrig, macht schönen Kontrast, weil es (unterschiedlich) teilweise sehr intensiv geschwächt wird.

Die Farbübersetzung macht die hellsten Bildareale Orange-Rot,
Schwarz wird zu Violett.
Dazwischen geht es über Blau nach Grün ins Gelbliche.
 
Ästhetische Beurteilung? Uns gefällt das Bild.
Auch wenn wir die Information dieser Schaltung nicht verstehen, begreifen wir, dass sich jemand den Kopf zerbrochen hat, etwas Funktionierendes aufzubauen. Das „Gefällige“ ist ein schwacher Abglanz eines vollkommenen Verständnisses.
Es kann also etwas gefallen, obwohl wir es noch nicht verstehen. Das ist die Teleologie der Ästhetik: Schönheit (die wir empfinden) ermutigt, dem Geheimnis nachzuspüren.

 

 

Röntgen mathematische Körper WGH Schmitt
Bild 9a

9a. Vier geometrische Körper im Röntgenbild.

Im Original sieht einer  der Körper viereckig aus, die anderen drei sind nicht näher zu unterscheidende, „schmutzige“ runde Flecken.
Man kann im Original nicht unterscheiden, dass die drei runden Flecken  Kegel, Kugel und Walze sind. Das Röntgenverfahren kommt also sehr schlecht weg!
Was kann man tun, um auch mit Röntgenstrahlen diese logische Herausforderung zu lösen?

Die (berühmte) zweite Ebene durchführen!
Hier ist nicht dieser Weg, sondern eine ausgefallene, aber auch zielführende Lösung demonstriert:

Der Röntgenblick mit zwei Augen.
Wir sehen das Objekt nicht aus einem um 90° veränderten Blickwinkel wie bei einer klassischen „Zweiten Ebene“, sondern aus einem um ca. 2° veränderten Blickwinkel (wie mit dem rechten und dem linken Auge).
Subtrahieren wir die beiden Bilder, zeigen sich eigentümliche Unterschiede im Schatten dieser Körper.
Man kann diesen Effekt auch erreichen, indem man ein Bild und ein leicht verschobenes Bild subtrahiert.

Wir bevorzugen die erstere Methode (kleiner Winkel-Unterschied) aus Gründen, die wir bei Fall 28-30 erläutern.
Jedenfalls: Die drei Körper sind rund; wie sind sie in der 3. Dimension geformt?
Ein Körper ist platt ( =Walze); die  zwei anderen unterscheiden sich in der „Oberfläche“: einmal ein Kegel und einmal eine (Halb-)Kugel.

Farbskala Dunkel-hellbraun, weicht wenig ab vom Schwarz-Weiß-Bild.

Didaktisch? Farbgebung hilft etwas bei der Einprägung dieses mathematischen, in seiner einfachen Form ansprechenden Objektes.
Andererseits: Ein Bild, das soviel gedankliche Vorarbeit brauchte, kann durch Farbe gar nicht viel besser werden.

In diesem Bild wird schon heftig gerechnet, nämlich zwei Bilder sutrahiert. Diese Methode der Subraktion ist in einem eigenen Artikel untersucht und dort wird von Hannes und mir eine neuartige Methode der Nachbearbeitung von Bildern angeboten.

 

 

Geometrische Körper Röntgen Profil Farbe
Bild 9b

9b.
Die gleichen Objekte ebenfalls als Röntgenbild.
Aber mit einer komplizierteren Farbskala bearbeitet
und mit einer automatisierten Auswertung versehen: dem Profil.

Wir müßten nicht diesen Trick mit der Subtraktion von zwei Bildern anwenden, könnten auch ein Bild digital nachbearbeiten.
Hier haben wir diese vier Körper etwas anders angeordnet.
Es ist ein „Profil“ durch die vier Körper hindurch gelegt, d.h. Strahlenschwächung gegen eine Strecke. Das Profil zeigt, wie sich die Form der Körper unterscheidet.

Das Ganze wurde nochmals eingefärbt. Die Farbtafel geht von
Dunkel nach Hell über
Rot- Gelb- Grün- Hellblau- Violett- Dunkelblau.
Wir sehen es im nachhinein auch auf diesem „gefärbten“ Bild,
ganz links der Kegel, ganz rechts die Halbkugel (oder Kugel).

Nutzen der Farbe? Gerade diese vielfältige vom schwarz-weiß Schema abweichende Farbtafel hilft, die Unterschiede der ursprünglichen Grauwerte zu unterscheiden. Im Original waren diese schwer zu unterscheiden.

 

 

Bocksbeutel Röntgen WGH Schmitt
Bild 10

10.
Offensichtlich ein Bocksbeutel.
CT-Schicht oder Röntgenbild? (CT = Computertomographie)

Es ist ein Zwischending zwischen beiden. Eine Summation von 9 CT-Schichtbildern.
Die Summation von Schichtbildern führt zu einem Röntgenbild zurück; (die Summation einer CT-Untersuchung des Schädels liefert ein schönes Röntgenbild des Schädels).

Es ist klar, was dieses Bild demonstrieren soll.
Das Schalenzeichen (siehe auch die beiden nächsten Fälle 11 und 12):
Die tangential getroffene Wand einer Schale summiert ungleich mehr Masse als die orthograd durchstrahlte Wand. „Orthograd“ bedeutet: Der Strahl trifft senkrecht auf die Wand.
Dieses Phänomen lässt sich in der unbelebten Natur, aber auch in zahlreichen Regionen des menschlichen Körpers sehr deutlich nachweisen. Man kann die Stärken und Schwächen des Röntgenverfahrens nur mit guter Kenntnis des Schalenzeichens verstehen; (siehe unser Beitrag Pleura 1).

Farbübersetzung:
Von Dunkel nach Hell geht es
von Blau über Rot nach Gelb.
Diese Farbtafel ist sehr einleuchtend, sie hat nichts Geheimnisvolles oder Schwieriges.

Ästhetische Beurteilung? Bringt etwas Leben in die Demonstration. Diagnostischer Gewinn durch Farbgebung? Allenfalls geringer didaktischer Nutzen, um zwei typische Projektionen der Flaschenwand zu demonstrieren.

 

 

Schnecke Farbe Schalenzeichen
Bild 11

11. Haus der Weinbergschnecke,
Röntgenbild, Film-Folienkombination, 32 KV (Kilovolt),  unterexponiert, dosisarm, daher mit starkem Rauschen behaftet.

Farbübersetzung:
Von Dunkel nach Hell geht es
von Schwarz, Blau, Grün, Gelb nach Weiss.

Trotz scheinbarer Einfachheit ein Beispiel für eine bereits komplizierte, wahrnehmungspsychologisch anspruchsvolle Farbtafel. Das Original wird vom Schalenzeichen dominiert: Wir sehen die Kalkwand hauptsächlich dort, wo sie tangential getroffen wird. Die ortograd getroffene Wand wird im Original in den Hintergrund gespielt oder ist ganz unsichtbar. Nicht so bei dieser Farbtafel: Die scharfen Blauen Linien, z.B. im Helikotrema sind nicht so total dominant, wie das im Original- Röntgenbild der Fall ist.
Die Schale, z.B. links unten, wird im Original bei mittlerer Belichtung völlig überstrahlt. Hier wird die geringe Schwächung auch dieser orthograd durchstrahlten Schalenanteile durch ein raffiniertes Fenster herausgehoben.

Ästhetische Beurteilung? Schönes Bild mit einem „tiefen“ Einblick in die Architektur.

Didaktischer Wert der Farbgebung? Ungewöhnlich hoch, hier ist Farbgebung keine Spielerei, sondern macht eine erfolgreiche Demonstration möglich.

 

 

Trompete Röntgen Farbe
Bild 12

12.
Röntgenbild einer Trompete.
90 KV, Film-Folien-Kombination.

Klassische Farbgebung von Dunkel nach Hell: Blau- Rot- Gelb.
Ein Standardfenster, was sich vom klassischen Schwarz-Weiß-Eindruck nicht unrealistisch weit entfernt; was Verfremdung vermeidet, aber nicht die raffinierten Effekte des vorangegangenen Beispiels aufweist.

Das Schalenzeichen (siehe 10 und 11) wird eindrucksvoll demonstriert, vor allem im zu oberst abgebildeten, sich erweiternden Trompetenrohr. Bestimmte Blechteile sind scheinbar nicht vorhanden.
Im Bereich der Ventile sehr starke Strahlenschwächung durch sich überlagernde Anteile. Das mittlere Ventil ist gedrückt.

Ästhetik? Positiv.
Didaktischer Wert der Farbe? Allenfalls gering.