7. Wie hätte man sich beim ersten Gespräch ein Bild vom Architekten machen können:

7.1. Sachliche Fragen:

a. - Viele Fehler sind Fehler durch „Nichtwissen“.
Daher muss man Technische Kenntnisse  „abfragen“.
Sicheres Auftreten ist kein Kriterium für Fachkenntnis.
Um hier einen Eindruck zu gewinnen, muss man (auch) Fragen in den Fachgebieten stellen, die man beherrscht.

b. - Was die  Finanzierung betrifft und über das Gebiet „Rentabilität“ muss der Architekt  zumindest  darlegen können, wo er sich kundig machen wird. (Nebenbei ist das eine besondere Leistung, die wahrscheinlich zusätzlich honoriert werden muss.)

c. -  Es ist ganz schlecht, wenn  der Architekt viel redet, aber die Fakten nicht geprüft hat, ja noch gar nicht prüfen konnte. Der ideale Architekt sagt z.B.: Bevor ich was sagen kann, muss diese Wand freigelegt, jener Balken sichtbar gemacht werden. Verifizieren (durch eine Probefreilegung, Probebohrung.)

d. -  Erfahrungen im Denkmalschutz und im Feuerschutz sind unverzichtbar! –

Unsere Erfahrung war: Man kann mit den Verantwortlichen des Denkmalschutzes gut ausgekommen.
Ein kommunikationsfähiger (und erfahrener) Architekt erleichtert die Zusammenarbeit mit Denkmalämtern deutlich.

Ein alter - sicher übertriebener - Ratschlag lautet: Suche für die Renovierung einen Architekten, der genauso alt ist wie das Objekt!
Es ist auch wichtig den Zeitpunkt abzuwägen, wann der Denkmalschutz sinnvoll eingeschaltet wird?

7.2. Psychologische Fragen:

a.  - Wie steht der Architekt zum Bauherrn?
Akzeptiert er seine Rolle als  Partner, aber immer noch als Auftragsnehmer.
Könnte es (als Horrorszenario) zu dem oben geschilderten Verhältnis „du stehst mir im Weg“ kommen. -
Ein missgünstiger Architekt ist nicht zu brauchen; es muss möglich bleiben, aus diesem Vertragsverhältnis auszusteigen!

b. - Wie kritikfähig ist er? Ein Architekt ist ungeeignet, wenn er alles weiß,  wenn er - aus seiner Sicht - nichts falsch machen kann und nichts lernen will.

c. – Wie kommunikativ kann er sein?
Er sollte - wie schon beim „Denkmalschutz“ angesprochen - sein Gegenüber sachlich gewinnen können.

d. – Wie viel Kreativität und Phantasie besitzt er?
Ein Architekt muss zu Alternativen fähig sein.

e. – Hat der Architekt  auch Mut?
Unserer zeichnete sich aus, durch einen vorauseilenden Gehorsam gegenüber allen Behörden  und Ämtern. Er wollte deren Auflagen besonders gut erfüllen. Das wurde und wird von Ämtern weder verstanden noch honoriert.

f.- Wie offen ist der Architekt in der Vertragsgestaltung?
Das muss im Absatz „Vertrag“ im Einzelnen besprochen werden. –
Zuerst sollte der Wille zur guten Leistung erkennbar sein. Nicht der Wille, den (notwendigen) Vertrag gnadenlos abzuschöpfen.-

Kann er damit leben, wenn die Bauherrn an der Vergabe von Gewerken mitwirken?
Unserer war schwer gekränkt, dass wir die Parkettleger-Firma und den Schreiner unserer Wahl beauftragten. Man wird es mir kaum glauben, dass diese Handwerker die Hälfte von dem verlangten, was der Architekt.“ berechnet“ hatte. Das  passte gar nicht in die Kalkulation seines Honorars.  

Wie steht er/ sie dazu, wenn Leistungen in Eigenregie erfolgen?
Das sollte nicht nach einer einseitigen Auslegung der HOAI geregelt werden.

Verbleibt in der Regelung eine Lücke, dann ist dies eine Grube in die der Bauherr hineinstürzen wird! Das muss im Kapitel „Vertrag“ noch eingehend erörtert werden.

„Unser“ Architekt  hatte zu Beginn der Zusammenarbeit schon mehrfach Signale gegeben, die wir  unterschätzten. Er erzählte mit sichtlicher Verstimmung: Bei der (einzigen) Baustelle, die er bis jetzt geleitet hat, hatte der Bauherr sich erkühnt, die Elektroarbeiten zu erledigen.

Sollte bei der ersten Sondierung - den Vertrag betreffend - die Unvereinbarkeit der Positionen deutlich werden, geht man lieber auseinander; das spart sehr viel Kraft und Geld.

g.-  Ist er bereit, auf die Probleme aus seinem Vertragsangebot hinzuweisen? - - Über Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren… Architekten. -
Oder vertritt er die Ansicht, dass der Vertragspartner selbst erkennen muss, was er unterschreibt. (Das wird im folgenden Kapitel deutlicher.)

h.-  Sagt er dem Bauherrn  Unwahrheiten?
z.B.: „Rabatte (beim Materialeinkauf) gibt der Handwerker an den Bauherrn weiter“.
Meine Erfahrung war, dass der Handwerker auf seinen Einkaufspreis den Faktor 2.2 draufschlägt. Das ist Teil seiner Kalkulation. Weiß man das nicht, ist man unnötig empört über das scheinbar eigentümliche Preisgebaren.

Diese fachlichen und psychologischen Faktoren hätten wir schon beim ersten Gespräch prüfen müssen. Auffälligkeiten wären zu Tage getreten, hätten ausgesprochen und verhandelt werden müssen!

Vor der Schilderung des zeitlichen Verlaufs in Kap. 10 ein paar technische Informationen (Quelle: Zeitschrift der Hessisch-Thüringischen Bausparkasse.) Man kann sie auch in anderen einschlägigen Quellen nachlesen.  Es kommt auf jedes Wort an. –