I Pneumothorax ohne (Spontanpneumothorax) und mit vorbestehendem Risiko

Dieser Pneu „aus heiterem Himmel“ betrifft oft junge, schlanke Männer im Alter zwischen ca. 15 und 35 Jahren. Er tritt ohne erkennbare Ursache auf im Gegensatz zu den im Folgenden genannten

Die Benennung ist nicht ganz einheitlich. So nennen manchen den Pneu, wie er beim marfan Syndrom auftreten kann, auch „Spontanpneumothorax“.

Folgende Erkrankungen oder Konstellationen stellen ein Risiko da. Wenn hier ein Pneu auftritt, sollte an ihn eigentlich nicht „Spontan“ nennen; aber die Regeln werden nicht so genau gehandhabt.

Die genannten Punkte vermischen sich stark: Das eine kann das andere fördern und verstärken.

Wilcox hat immerhalb von 13 Jahren 17 Kinder mit Pneu „gesammelt“. Ein Marfan Patient war interesanterweise nicht dabei (oder er wurde nicht gesehen).

Abb.5:

  1. Blasiges (bullöses) Lungenemphysem, (diese Erkrankung liegt im Bereich der Lungenbläschen, oft ist die Lungenspitze betroffen
  2. Pneu bei Marfan ist selten. Die Mehrzahl der Marfan-Patienten erleiden nie einen Pneu. Trotzdem besteht eine Disposition: Hull hat 1984 24 Veröffentlichungen mit Fallberichten gesammelt und 11 Pneumothoraces bei 249 Marfan-Patienten gefunden. 7 von 11 hatten die weiter unten beschriebene Rezidiv oder einen doppelseitigen Pneumothora
  3. Vorbestehende Emphysemblasen sollen bei Marfanpatienten, die einen Pneu erleiden, häufiger gefunden werden. Ein solcher Nachweis kann aber auch fehlen. Grund für die Emphysemblasen sei eine Instabilität im Bindegewebes.
    Bei Schmerzen in Brust (und Bauch) bei Marfan-Patienten muss man natürlich besonders an die Aortendissektion denken! Das ist ein eigenes, sehr wichtiges Kapitel. Bitte die auf der Seite der Marfan-Hilfe die „Notfallsituationen“ beachten. Bei seiner Bedeutung soll man aber nicht versäumen, auch den Pneu zu denken. Nur darf man dabei keine Zeit verlieren.
    Insgesamt: Wenn auch der Zusammenhang nur locker ist, sollte man bei einem Pneu auch an Marfan denken. Die Diagnose ist wichtig, da die Aortenprobleme vermeidbar sind.
  4. Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (diese Erkrankung liegt in den Atemwegen, z.B. bronchiales Asthma und). Davies berichtet über 12 Asthma-Kinder mit Pneumothorax und hat dabei viele Rezidive. Dies ermutigt ihn zu einer frühzeitigen Operation von Emphysemblasen.
  5. COPD, wie sie oft bei Rauchern auftritt
  6. Angeboren durch Alpha1-Antitrypsinmangel
  7. Heftiger Hustenstoß (wirkt schädlich besonders auf dem Boden der vorgenannten Risiken und leitet über zu den „Verletzungen“).

Abb. 6
Unauffällige Lebensgeschichte.
Aktuelle Vorgeschichte: kein Unfall, plötzliche Schmerzen im Rücken und Brustraum linksseitig, zunehmende Atemnot. Sauerstoff tut gut.
Untersuchung: Auffällige Seitenunterschiede beim Abhören und Abklopfen des Brustkastens.
Röntgen- Bild: ausgedehnter Pneumothorax. Ist es ein Spannungspneumothorax?
Ja. - Die Verlagerung des Herzens könnte man unterbewerten; aber die Luftröhre ist nach rechts (links von der Mittellinie des Bildes) verlagert und – wichtig – das Zwerchfell ist abgeflacht und nach unten gedrückt.
Nur wenige Minuten später war der Pneumathorax punktiert. Mit Hilfe der Punktion wurde ein weicher Schlauch - eine Drainage in den Pleuraraum eingelegt.
Diese Therapie führte zum Verschluss der undichten Stelle im Lungenfell. Die Lunge blieb entfaltet.

III Verletzungen/Trauma

Unfall mit Rippen- oder Schlüsselbeinbruch. Oft bei Einklemmung im PKW, Motorrad- Reitunfall. Ein vielleicht unerkanntes Bruchstück hat sich durch den Pleuraspalt gebohrt und damit das Lungenfell verletzt

Fehlpunktion der Unterschlüsselbein-Vene (Vena subclavia). Das bedeutet, jemand hat den Pleuraspalt angepiekst und ihn – falls die Nadel offen war – geöffnet. Luft konnte durch die Nadel in den Pleuraspalt eindringen. 

Barotrauma: extreme, plötzliche Druckveränderung der Lunge beim Fliegen und Tauchen

Therapeutischer Pneumothorax: der künstlich angelegte Pneumothorax war ein vor gut 50 Jahren verlassenes Therapieverfahren bei der Lungentuberkulose. (Das hat recht gut funktioniert, war aber nicht frei von Komplikationen siehe: http://www.wolfgang-g-h-schmitt.de/thorax-und-pleura-vorbereitung-facharzt-radiologie/)