A Einleitung

Der Begriff „Artefakt“ wird in vielen Fachgebieten gebraucht.
Das Artefakt steht im Gegensatz zur unverfälschten Natur. Es ist etwas Unechtes, etwas, durch künstliche Umstände oder
durch Menschenhand Erzeugtes,                                                                   etwas Fehlerhaftes.

Der Philosoph Gorgias aus Leontini (Sizilien) hat in einer seiner Thesen sinngemäß behauptet: Wenn es etwas gäbe,
könnten wir es nicht erkennen,
jedenfalls nicht unterscheiden, was echt und was unecht ist.

Die Definition der Artefakte fällt in den verschiedene Fachgebieten sehr unterschiedlich aus;
so ist der Artefakt in der Archäologie alles, was von Menschenhand gemacht sein könnte (also das Interessante).
In der Medizin ist das Artefakt etwas, was die physiologische oder pathologische Anatomie falsch abbildet; also etwas Unerwünschtes. 

Wir sind nicht so pessimistisch wir Gorgias, aber doch beeindruckt, wie viele Artefakte es gibt und wie schwer sie von den Fakten abzutrennen sind.

Im medizinischen Fachgebiet Radiologie werden die Grenzen sehr eng gesetzt.
Wenn man die Definition sehr weit fassen würde, könnte man das Röntgenbild selbst als Artefakt auffassen; nämlich als etwas, was es in der Natur nicht gibt.
Damit würde sich die Diskussion „Fakt oder Artefakt“ ad Absurdum führen: Alles wäre artifiziell.


So wird das Artefakt in der Radiologie eingeschränkt auf
Etwas, was abweicht
- von der standardisierten Untersuchung,
- von der Anatomie und
- von der Krankheitslehre

Man neigt sogar zu einer noch engeren Definition, das Artefakt auf den medizinisch-technischen Bereich, insbesondere das Filmlabor und die näheren Umstände der Aufnahme einzuschränken. Ja  Artefakt soll sogar an der Körperoberfläche des Patienten enden, d.h. als Artefakte werden von manchen FachkollegInnen nur störende Phänomene außerhalb des Patienten anerkannt.

Bei Wikipedia unter Artefakte (Diagnostik) wird ein wichtiger Aspekt angesprochen: ".....künstlich herbeigeführter Kausalzusammenhang durch Fehler bei der Datenerhebung, -auswertung, -dokumentation oder –interpretation". Die Mehrzahl unserer Artefakte betrifft die Entstehung des Bildes. Der Artefakt durch falsche Interpretation legt sozusagen im Gehirn des Untersuchers; er sollte möglichst selten auftreten.

Der Autor kommt zu der Meinung, dass eine eindeutige Definition des Artefakt nicht möglich ist.
Sie ist auch nicht erforderlich. Auch im Bewusstsein einer unscharfen Definition, kann und soll man Artefakte studieren. Die fließendenden Grenzen zu den Fakten sollten immer neu hinterfragt werden.

Welche Bedeutung haben Artefakte für die Qualität der Medizin?
Artefakt stört die anzustrebende Untersuchungsqualität.  
Es ist unstrittig, dass vielerlei Artefakte zu Fehldiagnosen führen können.
Man muss Artefakt kennen und erkennen, um zeitig und richtig zu reagieren. Das rettet die Qualität und spart Geld.