Kapitel 4: Artefakte in der Nuklearmedizin, CT und Magnetresonanz (MR)

 

Bisher lag der Schwerpunkt auf dem konventionellen
Röntgenbild. Aber es gibt Artefakte auch bei dem modernen
digitalen Roentgen, Sonographie, Nuklearmedizin, Computer-
tomographie, NMR (Nuclear Magnetic Resonance).

Die Weiterentwicklung dieser Verfahren hat eindrucksvolle
Verbesserungen gebracht. Aber mit jeder Veränderung variierte
quantitativ und qualitativ das Spektrum der
Fehlermöglichkeiten.

Einige Lehrbücher der modernen Verfahren haben den
Artefakten, als „Stolpersteine für Fehldiagnosen" eigene Kapitel
gewidmet. Das Interesse an solchen Befunden hängt davon ab,
wie sehr der Autor sich beeindrucken lässt von der artifiziell
verursachten Fehldiagnose. Das Interesse für Artefakte hängt
auch davon ab, wie eng der Autor am Ort der Bildgenerierung
arbeitet und Fehler und ihre Vermeidung „mitbekommt".
Die medizinisch-technischen Mitarbeiter
sind  erfahren mit Artefakten und ihrer Vermeidung, sie liefern
bereits von Kunstprodukten gereinigte Ergebnisse ab.

Die vorgelegte Sammlung ist klein. Besoders für CT und MR sind
nur einzelne Beispiele gezeigt. Das soll anregen, auch bei
diesen Verfahren die Artefakte zu beobachten und zu
sammeln. 

Der „Ponte Diavolo“ führt auf das auf einem Fels liegende Cividale.

Thalliumszintigrafie; Ischämie
und intensive Lungenstauung

 

 

 

4.01: XBBXDXENXPXSXUXW
Patient mit stabiler Angina pectoris. Abbruchkriterium der Belastung bei
dieser Untersuchung waren  "Angina pectoris und Dyspnoe".

Im linken Bildteil: die Belastungsphase mit deutlicher Minderspeicherung
in den basalen Abschnitten des linken Ventrikels.
Als weiterer Befund fällt die massive Aktivitätsvermehrung der Lunge ins
Auge. Sie entspricht einer ganz erheblichen Stauung, die auch mit
anderen Methoden quantifizierbar und klinisch nachweisbar ist.

In der Distribution rechts im Bild: Verbesserung der Belegung in den
genannten Herzabschnitten als Ausdruck einer echten Ischämie (und
nicht einer Narbe). - Die Lungenstauung ist zurückgebildet.

Die pathologische Aktivitätsanreicherung der Lunge
wirkt wie ein störendes Artefakt, ist aber ein Befund, der im klinischen
Kontext sehr bedeutend ist.

Es gibt modernere Techniken der Myokardszintigrafie, vornehmlich
Schichtverfahren. (Ganz zukunftsweisend - aber aufwendig - ist PET/CT mit F-18FDG)

Auch werden  für die Herzmuskel-Perfusionsszintigraphie zunehmend    modernere Medikamente (Tracer) verwendet. So das Tc-99m-MIBI. Es ist vom Strahlenschutz erheblich günstiger. Es wird auch in der Tumor-Diagnostig erfolgreich angewendet.

Trotzdem muss man zugaben, dass es in der Herzdiagnostik andere Verfahren gibt, die ganz im Vordergrund stehen. Hier meine Meinung:

Der Herzkatheter als Goldstandard. Immer sind weniger eingreifende Untersuchungen vorgeschaltet:  

- Die Echokardiographie (Herzecho) mit ihrer sehr zeitgerechten Darstellung der Klappen- und Herzmuskelfunktion.

- Zunehmende Rolle spielt auch die MRT mit ihren Möglichkeiten der Berechnung und der Feindiagnostik am Herzmuskel. Sie konkurriert stark mit den älteren - aber weiterentwickelten Methoden der Nuklearmedizin.

- Die CT (Computertomographie) leistet immer mehr bei der Darstellung der Herzkranzgefäße. Vorläufig macht sie dem Goldstandard der Angiographie nur beim Ausschluss der "Koronaren Herzkrankheit" Konkurrenz.

 

 

 

Ischämie im Septum und
in der Herzspitze

4.02: XBBXDXENXPXSXUXW
Wir haben heute technisch anspruchsvollere Methoden, aus
Demonstrationsgründen ist diese alte Untersuchung geeignet.

Die beiden Bilder rechts oben zeigen die Muskulatur der linken
Herzkammer, beide in der LAO-Sicht.
Jeweils linke Bilder: die Belastung mit einer Minderbelegung in Septum
und Herzspitze. Dieser Bereich wird in der Phase der Redistribution –
jeweils rechte Bilder - ausgeglichen. Dies ist typisch für den unter
Belastungsbedingungen minderdurchbluteten Herzmuskel.

Die beiden Bilder links oben zeigen eine Sicht von vorne. Man erkennt
unter Belastungsbedingungen (linkes Bild) die starke
Aktivitätsvermehrung im Bereich der Lungen. Ein Hinweis, dass das
belastete Herz dem Bluttransport nicht mehr gewachsen ist, und es zu
einer Lungenstauung kommt. Die Ursache derselben ist mit größter
Wahrscheinlichkeit eine Verengung von Herzkranzgefäßen. Die
Blutversorgung des Herzens selber ist durch kranke Gefäße begrenzt.
Ein solcher Mangel macht sich unter Ruhe nicht bemerkbar, wird aber
unter Belastung problematisch und bedeutet eine große Gefahr des
Herzmuskelinfarktes.
 

Leberszintigrafie, Sicht von vorne,
markiert als „rechts-ventral-links“ ,
Artefakt?

4.03: XNRXBBXHXSXUXWXQXV
Bogenförmiger Aktivitätsdefekt. Es handelt sich um den Metallbügel
einer Mammaprothese. Nach Entfernung desselben ist das Artefakt
verschwunden (unteres Bild). Wir danken Herrn Professor Ullrich
Feine/Tübingen für die freundliche Genehmigung. 

Leberszintigrafie mit einem Füllungsdefekt in
kaudalen Abschnitten des linken Leberlappens?

4.04: XNRXBBXHXSXUXWXQXV
Herzlichen Dank Herrn Professor U. Feine für die freundliche
Überlassung des lehrreichen Fallbeispiels. 

Anreicherung der Venenwand
bei einer Knochenszintigrafie

4.06: XNRXBBXDXSXWXQ
Technetium verbunden mit einem Medikament MDP wird venös injiziert
und ermöglicht eine sichere faszinierende Darstellung der Funktion und
Form des Skelettsystems. Es gibt allerdings wenige artifizielle
Stolpersteine, so diese Anreicherung entlang der Venenwand
unmittelbar nach der Injektion. Der Befund ist flüchtig und bedeutet keine
Gefährdung.
Der Patient ist identisch mit dem Autor.

Im Gegensatz zu den radioaktiven Substanzen, von denen wir täglich in
der Presse hören, wird diese Untersuchung durchgeführt mit einer sehr
geringen Mengen Aktivität an Technetium (gebunden an MTP) mit einer
Halbwertszeit von 6 Stunden. Die biologische Halbwertszeit ist nochmals
deutlich kürzer. Die Nachweismöglichkeit in der Gamma-Kamera ist
äußerst empfindlich. 

Rippenserienfraktur und Sternumfraktur
in der Knochenszintigrafie

4.08: XP Kein Artefakt, kein Kunstprodukt, sondern ein krankhafter Befund;.
Es handelt sich um einen Zustand nach Reanimation. Es geht dem
Patienten gut und er hat von Seiten dieser Reanimationsfolgen kaum
Beschwerden, er kann gut atmen und ausreichend abhusten.
 

Ungewöhnlich „schönes“
Knochenszintigramm = Superscan

4.09: XP Kein Artefakt.
Auffällig ist die insgesamt ungewöhnlich intensive Darstellung des
Skelettsystems insbesondere des Schädels und der Mandibula. Die
Franzosen pflegen zu sagen "trop bel image". Man wird nachdenken
müssen, ob hinter solchen Befunden eine generalisierte Pathologie
steht.
Dem umschriebenen Herd in der unteren BWS wird man nachgehen
müssen. 

Fakt oder Artefakt?
Krankhafte Aktivitätsvermehrungen
Knochen-SZ

4.10 XP
Die pathologische Aktivitätsvermehrung betrifft die gelenknahen
Skelettabschnitte, auch in der Peripherie, ganz besonders in den
Kniegelenken und den Gelenken des Fußes. Fleckige
Aktivitätsanreicherung der Schädelkalotte.

Es handelte sich um eine chronisch-myeloische Leukämie. 

Harnstau im Skelett- SZ

4.11: XP
Bei diesem Skelettszintigramm fällt die massive Anreicherung in beiden
Nieren und der Aufstau in beiden Harnleitern ins Auge.
Das linke Bild ist die Sicht von dorsal, das rechte die Sicht von ventral.
Auffällig ist die  Symmetrie der Harnwegsobstruktion. Man wird man an
eine Raumforderung denken müssen.  

Bildstörung in der Computertomografie
(„aufgeschnittene Feige“)

4.12 XBBXGXCXKNXLXR
Artefakt wahrscheinlich auf der Ebene des Rechners. Es ist ein seltenes
Artefakt in der Computertomografie und steht stellvertretend für solche
Probleme, die nicht primär durch Nachdenken gelöst werden können.
Sie brauchen Erfahrung bezüglich Hardware und Software. 

Artefakt bei der Erstellung eines
Dokumentes der Computertomografie

4.13:
Scherzhaft von uns benannt: „akutes Längenwachstum".
XBBXGXCXKNXL 

Ghosting-Artefakt in der MR XMRXCXGXKNXO

4.14

Ghosting-Artefakt in der MR. Dabei handelt es sich um in Richtung der Pasencodierung seitenversetzte Wiederholung des Bildes, die von verschiedenen Bewegungen wie Herzschlag und Atmung induziert wird.

Folglich hilft Triggerung, Anhalten der Atmung, Ruhigstellung des Darmes oder die Verwendung eines ungesättigten Sättigungsimpulses von 600-800 msec.Das Ghosting-Artefakt kann durch Verwendung eines unselektiven Sättigungsimpulses 600-800 msec 


Displaced reduplications of image in phase encoding direction