B. Kurzer Lebenslauf

Abb. 1
Die harte Arbeit der Menschen im alten Rom blieb im Blick, auch beim Interesse für den Städtebau.

 

 

August Buxbaum wurde am 14.04.1876 in Langenbrombach im Odenwald geboren. Er ist das 7. Kind der Elisabeth Buxbaum geb. Egner aus Mudau und des Lehrers Philipp Buxbaum.

Dieser (Vater) Philipp (1843 –1918) kam aus einer kinderreichen Lehrerfamilie in Raunheim *  **. Auch er, der Vater Philipp wurde Lehrer, und zwar zuerst in Oberbeerbach, dann in Langenbrombach. Dort wurden der noch jungen Familie fünf ihrer Kinder geboren (3-7). Unter diesen war August.
Neben seinem Schulbetrieb interessierte den Vater besonders die Erwachsenenbildung; er war nebenbei Lehrer an der Industrie- und Ackerbauschule in Michelstadt und gründete einen der ersten landwirtschaftlichen Konsumvereine.

Bald nach Augusts Geburt wurde der Vater an die Präparandenschule in Wöllstein (in Rheinhessen, gehörte damals zu Hessen) versetzt; den längsten Zeitabschnitt seines Lebens „wirkte“ er anschließend als Seminarlehrer in Bensheim. Es schrieb „Gemeinverständliches“ über Natur und Naturwissenschaften, u.a. auch über die gerade entdeckten Röntgenstrahlen (siehe auch: www.wolfgang-g-h-schmitt.de/pleura-ii/).

Den Menschen und der Natur des Odenwaldes galt die Liebe von Philipp. Erst im Ruhestand begann er seine Erlebnisse und Erfahrungen aufzuarbeiten und sein hervorragendes Erzähltalent zu nutzen.
Erst als er das sechzigste Lebensjahr schon weit überschritten hatte, verfasste er (in rascher Folge) vierzehn Romane.
 

 

Zum Beispiel „Der Moosbauer“: Man denkt an romantischen Kitsch; aber „Moos“ versteht er in modernem Sinne und durchaus zweideutig. Es handelt sich um einen egomanen Großbauern, der seine Familie und die ganze Dorfgemeinschaft schikaniert. Er betreibt einen rücksichtslosen Ausbau seiner Schafzucht; die Tiere verwandeln das gemeinschaftliche Eigentum des Dorfes in eine Steppe. - Dieser Sadist bekommt einen Gegenspieler, in einem jungen, idealistischen Lehrer, der prompt Opfer von Intrigen wird. 

Die Menschen sollten (und sollen) durch Bildung freier und vernünftiger werden. – Allerdings ist der Odenwälder Dialekt sogar für einen, dem das hessische Idiom nicht fremd ist, nicht leicht zu verstehen. - Sohn August hat sich nützlich gemacht, und einige Romane sehr schön illustriert.  


 


 

1918 ist Philipp Buxbaum ( * und  **)  gestorben, ohne das Ende des Ersten Weltkriegs zu erleben. Der außerordentliche Fleiß hat es ihm trotz des Kindersegens ermöglicht, in Bensheim ein Haus zu erwerben. Die Kinder haben fast alle respektable Berufe erlernt (Geometer. Ingenieur, Architekt); zwei Söhne setzten die Schulmeistertradition fort; allerdings hat keiner (auch August nicht) Abitur gemacht. Die rastlose Tätigkeit von Philipp B. könnte dazu geführt haben, dass es für die eigenen Kinder an Zeit und Kraft fehlte.

Zurück zur Ausbildung von August Buxbaum.

Seinen schulischen Weg kommentiert er so:

„Ich war ein guter Schüler, aber viel zu lebhaft, um brav und fleißig zu sein. Ich verließ das Gymnasium mit der Reife zur drittletzten Klasse und kam in die Lehre zum Kreistechniker in Bensheim und anschließend zur Firma Holzmann in Frankfurt und lernte so gründlich den praktischen Bürobetrieb kennen.“ 
  

Abb.2
Römische Frauen. Zeichnungen sollen nicht nur die Steine rekonstruieren sondern Rom lebendig werden lassen.Ob die Frauen im alten Rom tatsächlich so selbsbewußt  (und unverschleiert) waren/ sein durften, kann ich nicht beurteilen. Andere haben sich mit dieser Frage beschäftigt.

Nebenbei besuchte er die Kunstgewerbeschule und verdiente Geld mit dem Entwurf von Werbeplakaten. Im Anzug und mit eigenem Fahrrad machte er Frankfurt unsicher. Offenbar ist es ihm gut gegangen, vielleicht besser als im eher bescheidenen Vaterhaus, wo nicht für jedes Kind ein eigenes Bett da war. 

Mit seiner Vorbildung konnte man bereits zu dieser Zeit, Ende des 19. Jahrhunderts zum Studium zugelassen werden. Er ging an die Technische Hochschule in Darmstadt und legte dort 1899 die Diplomingenieur-Prüfung als Architekt ab.

Über eine Stelle in Berlin bekam er zur allgemeinen Überraschung bei der MAN in Nürnberg eine Stellung, die er als „leitender Architekt“ beschreibt. Dort – so erzählte er es jedenfalls dem 5- jährigen Enkel – habe er sein größtes Projekt, ein Verwaltungsgebäude für die MAN, gebaut.
Er musste diese Stellung verlassen, weil er zum Militärdienst eingezogen wurde. Dieser Zwang brachte ihn über einen Umweg erneut nach Darmstadt.

Wir wissen nicht genau, wie er nach Worms kam. Nach meiner Kenntnis war es so: Nach dem Militärdienst war er zuerst beim Stadtbauamt in Mainz tätig; offenbar von dort nahm ihn einer seiner Chefs mit, um in Worms den baufälligen Westchor des Wormser Domes zu renovieren und zu stabilisieren.

Es war die Zeit der Wiederentdeckung des kulturellen Erbes; nicht nur der Großherzog in Darmstadt, auch der Kaiser unterstützte solche Projekte; 

Geld war da, was man den Franzosen 70/71 „abgeköpft hatte“. Der Dom litt an einer „mittelalterlichen“ Krankheit: das mächtige Gewölbe drückte Pfeiler und Mauern auseinander.

Buxbaums Aufgabe bestand zuerst im Aufstieg auf die Gerüste und im Beschriften der Steine. Das war allerdings ein Abstieg für den ehemaligen, anerkannten MAN- Mitarbeiter. Er schob die Schuld seinem Militärdienst zu, den er in vielen Karikaturen festgehalten hat. Trotzdem begann der romanische Dom, ihn immer stärker zu faszinieren. Er interessierte sich auch für andere Wormser Bauwerke und zeichnete viel. Er entwickelte sein Fähigkeit, mit Phantasie aus spärlichen Resten Gebäude zu rekonstruieren. Das bot sich bei den Bauten an, die „1689 von den Franzosen“ zerstört worden waren. Besonders seine Zeichnung des Wormser Rathauses (von dem es fast keinen Stein mehr gibt) ist bis heute in Worms ein beliebtes und häufig reproduziertes Dokument. Nach Ansicht der Wormser soll es das schönste Rathaus der Welt gewesen sein.

Liebe Freunde des "alten Roms". Die inspiration zu dieser Seite bekam ich eignentlich durch eine Reise nach Griechenland. Und zwar entlang der Küste des griechischen Festlands. Es ist ein größerer Bericht, mit einfachen Ausflügen zu Geschichte, Philosophie und Geographie. Schaut mal rein! 

Diese Wormser Zeit blieb ihm bedeutsam, zumal er die Wirtstochter Lisbeth aus dem „Gasthaus zu den 12 Aposteln“, ein - wie er sagt - rheinisches Mädchen heiratete.

Nach den Stationen in Mainz und Worms trat er 1904 in das Stadtbauamt in Darmstadt ein. Gegenüber Mainz und Worms war diese Stadt damals die Hauptstadt!
Er wurde 1906 Bauinspektor und
1908 Vorstand des Stadtbauamtes in Darmstadt und Stadtbaurat.

Um diese Zeit nahm er an einem Wettbewerb für ein

Hallenbad in Darmstadt teil. Unter den 88 Mitbewerbern waren zum Teil berühmte und für ihn viel ältere Kollegen. Offenbar war es für Architekten weit über Hessen hinaus attraktiv, sich an dieser Ausschreibung in Darmstadt zu beteiligen. August belegte nicht den ersten, aber einen guten Platz; er wurde wegen der Praktikabilität seines Entwurfes gelobt; Benannt hat er ihn „res publica“; Er wurde beauftragt, seinen Entwurf unter Verwendung der preisgekrönten Entwürfe zu realisieren.

Der Erste Weltkrieg riss ihn - wie so viele andere auch - weg aus Familie und Beruf; er wurde Leiter eines Artillerie-Messtrupps an der Westfront; wurde aber im November 1917 abberufen, weil er inzwischen Beigeordneter der Stadt Darmstadt geworden war.

Zwölf Jahre war er Bürgermeister in Darmstadt. Seine politische Einstellung war konservativ. Die Tragik seiner politischen Aktivität war, dass er sich mit den Sozialdemokraten, mit den Kommunisten und mit dem Zentrum herumschlug; sie alle nahmen den Nationalsozialismus nicht ernst, der ihnen allen miteinander zum Verhängnis wurde.
 Im Dritten Reich bekleidete er kein Amt; gewann keinen einzigen Wettbewerb (durfte keinen gewinnen).  
  

 

  

Nur „anonym“ konnte er in einem Büro mitarbeiten, und zwar an der Hamburgischen Elbe-Hochbrücke. Sein Name wird nicht erwähnt, aber die zahlreichen Zeichnungen von seiner Hand (Stadtarchiv) zeigen ihn als Autor im Kollektiv. Im Gegensatz zur Italienfahrt erzählte der Großvater dem kleinen Enkel gerne was von dieser Aufgabe. Von seinem Chef bei diesem Projekt redete er mit Respekt; dieser habe zu Recht für diesen Bau den Professoren-Titel bekommen.

Nach dem Krieg war er für die Deutsche Partei (DP) im Darmstädter Stadtrat. Diese DP war Teil der Koalition, die Adenauer zum ersten Bundeskanzler wählte.

Dem einzigen Enkelkind hat der zwischenzeitlich pensionierte Großvater August viel beigebracht.


August Buxbaum ist 1960 gestorben und auf dem von ihm gebauten Waldfriedhof (www.wolfgang-g-h-schmitt.de/differenz-von-2-bildern/beispiele-1/) beerdigt.

 

* Der Vater von Philip, ein Johannes Buxbaum, war Schulmeister in Raunheim am Main gewesen; hatte durch seine kleine Landwirtschaft und Übernahme von Schreibarbeiten für die Gemeinde und die Forstverwaltung einen bescheidenen Lebensstandard erworben.  

 

** (Philipps Onkel Johannes Peter hatte Unglücksfälle durchgemacht und durch „Arbeit von Früh bis Spät“ seine Familie zu stabilisieren versucht. Eines Tages war er mit seinem Fuhrwerk auf den Acker gefahren, auf dem Heimweg auf seinem Wagen wohl eingeschlafen. Er fiel vom Wagen, kam unter die Räder und starb an der Unfallstelle.)